Insektenmonitoring und Biodiversitätsrepositorium

Was ist ein Biodviersitätsrepositorium?

Die Biodiversität ist aktuell durch verschiedene Einflüsse, vor allem auch menschliche, gefährdet. Insbesondere Insekten sind durch den Verlust und fehlende Vernetzung von Lebensräumen bedroht. Diese und weitere Einflüsse haben zu dem aktuellen großen Insektensterben geführt. Um die Gründe und Zusammenhänge des Insektensterbens besser zu verstehen, ist auf EU und Bundesebene ein Monitoring der Insektenvielfalt und wichtiger Naturlebensräume vereinbart worden (EU-Biodiversitätsstrategie, Naturwiederherstellungs-Richtlinie, § 6 BNatSchG).

Bundesweit ist Baden-Württemberg ein Vorreiter im Biodiversitätsmonitoring, insbesondere von Insekten, welche in mehreren Monitoringprogrammen von verschiedenen Fachbehörden seit Jahren erfasst werden. Das Landesbiodiversitätsrepositorium ist eine spezielle Sammlung an unserem Naturkundemuseum, in welchem die Proben aus diesen Programmen als Belege aufbewahrt und für zukünftige Studien verfügbar gemacht werden. Die Daten zu dieser Sammlung werden zudem digital in Datenbanksystemen hinterlegt.

Woher kommen die Proben?

Die Proben sollen vor allem aus drei groß angelegten Monitoringprojekten kommen, was sie bereits schon teilwiese tun:

Dabei arbeitet das Naturkundemuseum Karlsruhe mit anderen Institutionen zusammen, allen voran der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), welche das landesweite Insektenmonitoring koordiniert. Das Forschungsinstitut gaiac der RWTH Aachen sammelt, sortiert und bestimmt einen Teil der Monitoringproben und leistet somit einen erheblichen Beitrag zur Datengewinnung. Ein anderer Teil der Proben (vor allem Fluginsekten) lagert derzeit im Naturkundemuseum Stuttgart, wird aber langfristig auch im Repositorium in Karlsruhe bewahrt.

Welche Organismen lagern in Karlsruhe und welche Arten von Daten gibt es?

In Karlsruhe lagern bisher vor allem die Organismen der Indikatorgruppen „Laufkäfer“ und „Biomasse Boden“ des landesweiten Insektenmonitorings Baden-Württemberg. Bei diesen Teilprojekten des Monitoringprogrammes werden Laufkäfer (Coleoptera: Carabidae), Kurzflügelkäfer (Coleoptera: Staphylinidae) und Spinnen (Arachnida: Araneae) mit Hilfe von Bodenfallen gesammelt. Für alle drei Gruppen gibt es Informationen zur Aktivitätsdichte, d.h. die Anzahl der Tiere pro Probe (in dem Fall pro Leerung einer Bodenfalle). Außerdem wird die Biomasse pro Gruppe und Probe in Form des sogenannten. Abtropfgewichts gemessen. Die Laufkäfer werden bis zur Art identifiziert bevor sie an das Naturkundemuseum Karlsruhe gelangen. Die Spinnen werden von Expertinnen und Experten des Naturkundemuseums bis zur Art bestimmt. Dadurch erhalten wir Informationen zur Artenvielfalt und den Artengemeinschaften

Warum ist ein Biodiversitätsrepositorium wichtig?

Die Bewahrung der eigentlichen Proben (neben den Daten) in Form von Sammlungen ist die Grundlage eines nachhaltigen Biodiversitätsmonitorings. Diese Sammlungen sind eine „Primärdatenbank“ der Biodiversität:

  • Sie spiegeln den Ist-Zustand zum Zeitpunkt der Probenaufsammlung wider. Bei wiederholter Beprobung desselben Ortes kann die Populations-Entwicklung der Zielorganismen (z.B. der Insekten) am Standort nachvollzogen werden. Dadurch können Veränderungen der Artenvorkommen und -verbreitung, aber auch Veränderungen der Biodiversität und der Individuenzahlen sichtbar gemacht werden. Diese Informationen in Kombination mit Umweltdaten ermöglicht anschließend die Untersuchung von Einflussfaktoren der Veränderungen. Dazu gehört zum Beispiel, die Ursachen des Insektenrückgangs zu verstehen - ein grundlegendes Ziel des landesweiten Insektenmonitorings Baden-Württemberg.
  • Anhand der Sammlungen lassen sich neue taxonomische Erkenntnisse (z.B. Verwandtschaftsverhältnisse, Abgrenzung neuer Arten) prüfen, was mit rein digitalen Daten nicht möglich wäre.
  • Oft kennen wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht die wissenschaftlichen Fragestellungen von morgen. Die physische Sicherung von Probensammlungen ermöglicht somit auch zukünftigen Forscher*innen natur- und artenschutzrelevanten Fragestellungen nachzugehen.

Auch die Erprobung neuer Methoden ist anhand solcher Sammlungen möglich. Neue Techniken im Bereich der Genetik und Genomik und der KI werden bereits verstärkt mit Monitoringproben erarbeitet und getestet.

Woran forscht das Naturkundemuseum?

Fragestellungen in aktuellen Forschungsprojekten sind:

Welchen Einfluss haben verschiedene Umweltvariablen auf Spinnengemeinschaften in Ackerflächen in Baden-Württemberg?

Projektteam

Julian Eberhardt
Telefon: +49 721 175 2812
E-Mail: julian.eberhardt[at]smnk.de

Dr. rer. nat. habil. Björn M. von Reumont, Dipl.-Biol.

Dr. rer. nat. habil. Björn M. von Reumont, Dipl.-Biol.
Telefon: +49 0721 175 2828
E-Mail: bjoern.reumont@smnk.de

Dr. Reza Zahiri

Dr. Reza Zahiri
Telefon: +49 721 175 2844
E-Mail: reza.zahiri@smnk.de