Carolinea 77

100 Carolinea 77 (2019) Für Baden-Württemberg werden als weitere Wirtspflanzen der Gewöhnliche Steinklee ( Me­ lilotus officinalis ), Weißer Steinklee ( Melilotus alba ), Luzerne ( Medicago sativa ) und Sichelklee ( Medicago falcata ) angegeben ( E bert & R enn ­ wald 1991). Zahlreiche weitere Fabaceen-Arten dienen im mediterranen Raum als Nahrungs- pflanzen. Offenbar wird opportunistisch ein regio­ nal unterschiedliches Spektrum an Wirtspflanzen mit verschiedenen Blühzeitpunkten genutzt. 1.4 Larvalhabitat Die larvalen Lebensräume sind in der Regel Magerrasen verschiedener Ausprägung, jedoch unterscheiden sich die Pflanzenstandorte je nachdem ob Esparsette oder Süßer Tragant als Raupennahrung dient. Während die Esparsette meist größere zusammenhängende Bestände auf Offenflächen und Streuobstwiesen ausbil- det (Abb. 7), handelt es sich beim Süßen Tra- gant oftmals um Einzelpflanzen bis zu kleineren Gruppen, die vorzugsweise in halbschattigen Bereichen entlang von Gebüschsäumen und Heckengebieten wachsen. Entsprechend finden sich die Raupen von G. alexis in der Jagst-Ko- cher-Region an Esparsette häufig im Bereich of- fener Wiesenflächen, wohingegen sie an Tragant eher entlang von Feldgehölzen oder im Halb- schatten unter lockeren Baumbeständen leben. Auch an Wegböschungen und Randbereichen von Steinriegeln mit Tragant sind die Raupen zu finden. E bert & R ennwald (1991) sehen bezüg- lich der Larvalhabitate einen Trend zur Bevor- zugung von Gebüschsäumen im Vergleich zu offenen Flächen. 1.5 Myrmekophilie Alle beobachteten Raupen von G. alexis wa- ren mit Ameisen der Art Lasius alienus ver­ gesellschaftet, die ein typischer Bewohner der Magerrasen auf Trockenhängen ist. Dabei waren die erwachsenen Raupen (Abb. 3) für die Amei- sen deutlich attraktiver als die jüngeren Raupen (Abb. 8). Während sich bei den Raupen in frü- hen Stadien meist nur ein bis zwei Ameisen auf- hielten, waren es bei den erwachsenen Tieren oftmals fünf bis acht Exemplare (Abb. 3). Nach Literaturangaben sind die Raupen von G. ale­ xis fast immer mit Ameisen vergesellschaftet (z.B. F iedler 2006, L afranchis et al. 2015). Die Beobachtungen in der Jagst-Kocher-Region bestätigen diese Auffassung. Im Tauberland wurde lediglich eine von elf Raupen ohne Amei- sengarde angetroffen ( S anetra et al. 2015). Aus benachbarten Regionen (Tauberland, Mainfran- ken) liegen Beobachtungen von Assoziationen mit Tapinoma erraticum , Lasius alienus und La­ sius platythorax vor ( R eiser 2013, S anetra et al. 2015). Für andere Teile Europas werden Arten der Gattungen Crematogaster , Lasius , Plagio­ lepis und vor allem viele Formica - und Campo­ notus -Arten genannt ( F iedler 2006, Á lvarez et al. 2012, L afranchis & K an 2012, L afranchis & L afranchis 2012). Im Jagst-Tal wurden an einer Tragant-Pflanze zwei Raupen gefunden (Abb. 9). Dies könnte darauf hindeuten, dass die Raupen bei ausreichendem Ameisenbesuch bessere Überlebenschancen haben und somit bisweilen geklumpt vorkommen, wie es auch im Taubertal an Färberginster beobachtet worden war ( S ane ­ tra et al. 2015). 2 Cupido minimus (Zwerg-Bläuling) 2.1 Verbreitung Dieser Bläuling kann aufgrund seiner geringen Größe und unscheinbaren Färbung (Abb. 11) leicht übersehen werden. Dies ist wohl ein Grund dafür, dass in der Jagst-Kocher-Region vor Be- ginn dieser Studie nur vier gesicherte Fundorte der Art bekannt geworden waren, drei davon erst nach 2010 (LDS-BW). Durch gezielte Nachsuche konnten 17 Vorkommensorte in der Region be- legt werden (Abb. 10), wovon sich der größte Teil im Naturraum Kocher-Jagst-Ebenen befindet. Nur zwei Lokalitäten liegen wesentlich weiter südlich im Naturraum der Hohenloher-Haller- Ebene. Als Nachweismethode wurde in erster Linie die Suche nach Eiern an den Blüten der Raupennahrungspflanze, dem Gewöhnlichen Wundklee ( Anthyllis vulneraria ), angewendet. Meist wurden an Stellen mit Einachweisen keine Falter gesehen, so dass die Eisuche der Falter­ suche deutlich vorzuziehen ist (vgl. S ettele et al. 2015). Die Schwerpunkte der Verbreitung von C. mini­ mus in Baden-Württemberg liegen im Neckar- Tauberland, auf der Schwäbischen Alb und am südlichen Oberrhein ( E bert & R ennwald 1991). Da die Vorkommen im Tauberland recht kräftig ausgebildet sind, erscheinen die Populationen der Kocher-Jagst-Ebenen als südlicher Ausläu- fer jenes Naturraums. Das Verbreitungsmuster ist diesbezüglich ähnlich wie bei G. alexis . Die beiden Vorkommensorte weiter südlich (und ein Standort bei Gaildorf, der noch 2014, aber ak- tuell nicht mehr besiedelt war) sind weiträumig isoliert. Diese Annahme wird belegt durch das Fehlen von C. minimus an sieben günstigen

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