Carolinea 77

102 Carolinea 77 (2019) ist. In der Jagst-Kocher-Region wurden Eier vom 25.4. bis 27.6. registriert. Eine Zucht aus im Mai gesammelten Eiern aus dem Jagst-Tal ergab eine Raupe, die sich verpuppte und im gleichen Sommer schlüpfte (A. S iegel , pers. Mitt.), was die Möglichkeit einer 2. Generation für die Region aufzeigt. Die Phänologie ist offenbar eng an die Blühzeiträume des Wundklees angepasst, der in Mitteleuropa eine ausgeprägte Blüte im Frühjahr mit einer schwächeren, stark witterungsabhän- gigen Nach- oder Spätblüte im Sommer aufweist. 2.3 Wirtspflanzen und Larvalentwicklung In der Jagst-Kocher-Region ist der Wundklee wahrscheinlich die einzige Nahrungspflanze für die Raupen. Von den übrigen bekannten Wirts- pflanzen kommt nur der Kicher-Tragant ( Astra­ galus cicer ) vor, ist aber sehr selten. Auch der Wundklee findet sich im gesamten Untersu- chungsgebiet nur lokal an oft recht isolierten Standorten. Ansonsten sind für Baden-Würt­ temberg noch Raupenfunde am Gelben Blasen- strauch ( Colutea arborescens ) aus dem Kaiser- stuhl-Gebiet dokumentiert. Die Eier von C. minimus werden in den Blüten- ständen des Wundklees abgelegt (Abb. 12), wo sie sich in den meisten Fällen an den Kelchen der Einzelblüten befinden, vereinzelt an Trag- blättern (Tab. 3). Dort sind sie vergleichsweise leicht zu finden. Das liegt auch daran, dass sich oft mehrere Eier (bis zu neun: NSG Gipsbruch Kirchbühl, 24.5.2019) an einem Blütenstand be- finden, in anderen Fällen wird von bis zu elf Eiern berichtet ( W illig 2013). Dies gilt vor allem dann, wenn die Zahl der Wundklee-Pflanzen begrenzt ist oder im Hochsommer ein zunehmender Man- gel an geeigneten Blütenständen herrscht. Die Eiablage erfolgt nur an Blütenständen, deren Einzelblüten mehrheitlich noch nicht verblüht sind. Andernfalls könnten für die erwachsene Raupe zu wenige noch unreife Früchte für ihre Entwicklung verbleiben (s. unten). Die Ergebnisse aus der vorliegenden Studie (Tab. 4), ergänzt durch Beobachtungen aus dem Main-Spessart-Kreis (wo C. minimus häufig ist), befinden sich in Einklang mit der Beschreibung der Larvalentwicklung an Wundklee durch E bert & R ennwald (1991). Nach dem Schlupf kriecht die Eiraupe (Abb. 13) von oben in einen Blüten- kelch. Vermutlich erreicht sie erst im 2. Larvalsta- dium die Größe, um sich in die grünen, unreifen Nussfrüchte des Wundklees hineinnagen zu kön- nen. Kot-Ablagerungen in der Frucht zeigen den Aufenthalt der Raupe in ihrem Inneren, wo sie sich vom Endosperm des Samens ernährt. Beim Erreichen einer entsprechenden Größe (Abb. 14) verlässt die Raupe die Frucht, in der danach ein Loch etwa in der Mitte zu sehen ist (Abb. 15). Nach einemWechsel der Blüte hält sich die Rau- pe nun kopfüber in den Blütenkelchen auf und befrisst die Früchte von außen. Zu erkennen sind danach Löcher an der Basis der Früchte, wo sich der Embryo befindet. Zum Wechsel zwischen verschiedenen Blütenkelchen werden auch diese an der Basis durchnagt (Abb. 16). Die Zuordnung einzelner Larvalstadien zu den Entwicklungsab- schnitten bedarf der Klärung, ebenso die Angabe von L afranchis et al. (2015), dass lediglich vier Stadien ausgebildet werden (und nicht fünf wie bei den meisten Lycaeniden). An einer Lokalität konnten fünf Raupen im letz- ten Stadium in Blütenständen des Wundklees mit größtenteils schon vertrockneten Blütenkelchen entdeckt werden (Abb. 17). Der Zustand der Blü- tenstände entsprach somit den Abbildungen von W illig (2013) und L afranchis et al. (2015). Für die Suche mussten die Blüten zum Teil geöffnet wer- den, damit die Raupen zum Vorschein kamen, einige Exemplare saßen aber auch außen gut getarnt auf dem fast gleichfarbigen Kelch. Laut W illig (2013) ragen die ausgewachsenen Rau- pen manchmal auch mit dem Hinterende aus dem zu klein gewordenen Kelch heraus. Eine zu einem anderen Zeitpunkt entdeckte Raupe füllte ihren Blütenkelch in Länge und Breite ganz aus (Abb. 16), ohne von außen sichtbar zu sein. Es war unklar, ob sie bereits im letzten Stadium war, ihre volle Größe schien sie jedoch noch nicht erreicht zu haben. Darauf deutet auch der im Vergleich zu den vorher geschilderten Fällen entwickelte Blütenstand hin. Es erscheint nahe- Abbildung 11. Falter von Cupido minimus ; Studiofoto; 22.4.2014. – Foto: D ennis S anetra .

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