Carolinea 77

G üsten et al.: Bläulinge in der Jagst-Kocher-Region: Verbreitung, Ökologie, Schutz 105 Temnothorax interruptus , seltener Tapinoma sp.) in den Blütenköpfen des Wundklees angetroffen, die als Ameisenpartner von C. minimus in Frage kommen würden. In Deutschland scheint eine Vergesellschaftung der Raupen von C. minimus mit Ameisen eher gering ausgeprägt, zumindest liegen kaum Beobachtungen hierzu vor. F iedler et al. (1992) nennen Lasius niger als Raupenbe- gleiter für Bayern, an einer Lokalität in Thüringen wurde die Mehrzahl der registrierten Raupen von Ameisen besucht ( D umke , M . in Lepiforum). Aus dem benachbarten Frankreich wurden hingegen zahlreiche Beobachtungen von Ameisen-Assozi- ationen gemeldet, so dass hier der Grad der Myr- mekophilie als recht hoch (> 80 %) eingestuft wird ( L afranchis et al. 2015). Letztere Autoren doku- mentieren fotografisch die Assoziation mit Lasius alienus an Wundklee, ferner werden Formica fus­ ca , F. rufibarbis , Lasius niger , Myrmica rubra und Plagiolepis vindobonensis als Ameisenpartner genannt. Neben regionalen Unterschieden ist auch an- zunehmen, dass die Raupennahrungspflanze einen erheblichen Einfluss auf die Etablierung von Ameisen-Assoziationen bei C. minimus hat. Möglicherweise steht für die Ausbildung einer Raupen-Ameisen-Beziehung an Wund- klee nur eine kurze Phase von wenigen Tagen vor der Diapause oder Verpuppung zur Verfü- gung, wenn die Raupen den schützenden Blü- tenkelch verlassen müssen. Die Mehrzahl der bekannten Fraßpflanzen zeichnet sich hingegen durch Hülsenfrüchte aus, welche sich im Zuge der Reifung durch CO 2 -Absonderung aufblasen. Es liegt die Annahme nahe, dass sich dadurch die Raupen bis zum Abschluss ihrer Entwicklung in den Früchten aufhalten können. Fotografisch dokumentiert wurden die Raupen in den Früch- ten des Kicher-Tragants in Thüringen, auch in äl- teren Stadien ( M elzer , H. in Lepiforum). Erwähnt wird der Nachweis in Früchten auch für den Gel­ ben Blasenstrauch (Kaiserstuhl: K. W alzinger in E bert & R ennwald 1991). Somit würde der Auf- enthalt in den persistierenden Blütenkelchen des Wundklees einen Ersatz für die Blasenfrüchte darstellen. Lediglich zwei Fabaceen-Arten, die für Südost-Frankreich als Wirtspflanzen ange- geben werden ( L afranchis et al. 2015), weisen keine Blasenfrüchte oder persistierenden Blü- tenkelche auf. Möglicherweise spielen Ameisen- Assoziationen gerade für die an diesen Pflanzen exponierten Raupen von C. minimus eine Rolle. Es ist aber auch zu erwähnen, dass bei den sehr großen Früchten des Gelben Blasenstrauchs die Assoziation der Raupen von Iolana iolas ( O ch ­ senheimer , 1816) (Blasenstrauch-Bläuling) mit Lasius -Ameisen innerhalb der Früchte belegt ist ( L afranchis et al. 2015). 3 Polyommatus thersites (Esparsetten-Bläuling) 3.1 Verbreitung Es wurden 18 Lokalitäten mit aktuellen Vor- kommen dieser Art in der Jagst-Kocher-Region registriert. Dabei wurden die Kenntnisse im Na- turraum Kocher-Jagst-Ebenen mit 15 Fundor- ten bedeutend erweitert, gegenüber drei zuvor bekannten. Die Trockenhänge an der Jagst und teilweise in Seitentälern sind auf einem Ab- schnitt um Krautheim bis südlich von Mulfingen von P. thersites recht dicht besiedelt (Abb. 19). Im Gegensatz dazu findet sich die Art im Na- turraum Hohenloher-Haller-Ebene (mit angren- zenden Bereichen der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge) nur vereinzelt und lokal. Es existie- ren mindestens sechs relativ weit voneinander getrennte Vorkommen (Abstände 3 bis 8 km), die überwiegend von R. P rosi (Aalen) entdeckt wur- den. Zwischen den beiden Verbreitungszentren von P. thersites wurden mehr als zehn geeignete Esparsetten-Standorte untersucht, an denen die Art nicht aufgefunden wurde. Der Artnachweis ist schwierig, da P. thersites meist zusammen mit dem häufigen und sehr ähnlichen Polyomma­ tus icarus vorkommt. Es besteht insbesondere die Gefahr der Verwechslung mit dessen Form „ icarinus “, die wie P. thersites keinen Basalfleck auf der Vorderflügelunterseite besitzt. In Zwei- felsfällen ist die Absicherung durch Genitalun- tersuchung männlicher Exemplare (Abb. 20) rat- sam, wie es hier anhand von einigen Belegtieren durchgeführt wurde. In zwei Fällen wurde auch die Methode der Eisuche mit Erfolg angewendet und zum endgültigen Nachweis die Raupen bis zum Adultstadium aufgezogen. Im Gegensatz zu G. alexis , C. minimus und S. spi­ ni (s. Kap.1.1, 2.1 und 5.1) besteht bei P. thersites kein größeres zusammenhängendes Vorkom- men im benachbarten Tauberland. Vielmehr sind dort nur drei räumlich isolierte Fundorte bekannt ( S anetra et al. 2015), was hauptsächlich auf die im Vergleich zur Jagst-Kocher-Region deut- lich geringeren Bestände der Saat-Esparsette zurückzuführen ist. In anderen Teilen Baden- Württembergs bewohnt P. thersites in regional begrenzten Vorkommen vor allem den südlichen Teil der Neckar-Gäuplatten und das Albvorland sowie die südliche Oberrheinebene.

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