Carolinea 77
108 Carolinea 77 (2019) (Abb. 23), jedoch in der Regel nicht an den noch jungen Fiederblättchen selbst. Diese Form der Eiablage nicht direkt an der Wirtspflanze ist bei P. thersites zuvor noch nicht beschrieben wor- den. W illig et al. (2013) berichten darüber, dass die 2. Generation ihre Eier meist an Blättchen sehr junger Esparsetten oder an frischen Seiten- trieben abgefressener Pflanzen ablegt. Zwei Eier, die sich auf Nicht-Wirtspflanzen befan- den, wurden eingesammelt, und nach etwa zehn Tagen schlüpften aus diesen die Raupen. Dieser Versuch wurde unternommen, um zu belegen, dass derart abgelegte Eier nicht überwintern. Eine Überwinterung der Eier ist bei P. thersites nicht bekannt (es überwintert nach G eyer et al. 2006 das 3. Raupenstadium), aber die Ablage an trockenem Pflanzenmaterial ist eine typische Strategie der Arten mit überwinternden Eiern (z.B. Polyommatus daphnis , Zahnflügel-Bläu- ling). Auf diese Weise sind die Eier bei feuch- ter Witterung im Winter vor Fäulnis geschützt. Das hier beobachtete Eiablageverhalten der Sommergeneration von P. thersites bleibt somit schwer verständlich, denn die Jungraupen müs- sen einen weiten Weg zum Futter zurücklegen ohne dass dabei ein Vorteil erkennbar wäre. Eine Rolle spielt möglicherweise der Zustand der klei- nen nach der Mahd nachgewachsenen Pflanzen, welcher nicht den natürlichen Bedingungen zur Flugzeit der 2. Generation entspricht. 3.4 Larvalhabitat Als Lebensräume für die Raupen von P. thersites wurden in der Jagst-Kocher-Region regelmäßig Esparsetten-reiche Magerwiesen festgestellt (meist einschürige Salbei-Glatthaferwiesen), die sich zum Teil in Streuobstbeständen erstreckten. Zusätzlich kamen Standorte auf Halbtrocken- rasen mit relativ spärlicher Vegetation und nur verstreuten Gruppen von Esparsetten vor. Im südlichen Bereich auf der Hohenloher-Haller- Ebene gibt es fast nur Vorkommen auf mageren Extensiv-Wiesen, dafür bildet P. thersites hier stellenweise hohe Populationsdichten aus. Eini- ge Raupenfunde aus der Region weisen darauf hin, dass es eine Tendenz zur Bevorzugung von Esparsetten-Standorten mit besonders lücken- hafter Vegetation gibt (Abb. 24), zumindest was die Überlebenschancen der Raupen angeht. Dies steht in Einklang mit der Beschreibung von Larvalhabitaten in Bayern an Sand-Esparsette ( W illig et al. 2013) und im Tauberland an Saat- Esparsette ( S anetra et al. 2015). Auf Wiesen mit größeren zusammenhängenden Esparsetten- Beständen kann durch Mahd vorübergehend ein Zustand entstehen, bei dem die rasch nachtrei- benden Esparsetten nicht überwachsen sind und ein relativ warmes Mikroklima durch die umge- benden Offenflächen gegeben ist (Abb. 66). Es ist auch vorstellbar, dass sich Raupen-Ameisen- Beziehungen (s. Kap. 3.5) an Esparsetten mit wenig umgebender Vegetation leichter etablieren als bei dichtem Bewuchs. 3.5 Myrmekophilie Vier der fünf beobachteten Raupen von P. ther sites wurden tagsüber ruhend unter den Espar- setten-Pflanzen aufgefunden (Abb. 25). In einem Fall hielt sich eine Raupe (L 4 -L 5 ) in den frühen Abendstunden im oberen Bereich der Pflan- ze auf und zeigte dort Fraßaktivität. Sie wurde von bis zu vier Ameisen der Art Lasius alienus begleitet (Abb. 26). Eine Interaktion mit einer Ameise dieser Art wurde auch bei einer der am Boden ruhenden Raupen gesehen. Dazu passt die Angabe von H errmann (1998), der die Rau- pen im April mit Hilfe der „Ameisengarde“ unter den Blattrosetten finden konnte. Nach eigenen Beobachtungen wird das Auffinden der an der Pflanzenbasis ruhenden Raupen durch die Fest- stellung des arttypischen „Fensterfraßes“ (Foto in S anetra et al. 2015, S. 57) in möglichst frischer Form erleichtert. Die Mehrzahl der bisherigen Beobachtungen deutet darauf hin, dass die Rau- pen von P. thersites unter den meisten Bedingun gen dämmerungs- bis nachtaktiv sind (vgl. G eyer et al. 2006) und sich sonst im Bodenbereich un- ter den Pflanzen aufhalten. Bei diesem Verhal- ten gibt es jedoch Ausnahmen. So wurde zum Beispiel zu einem früheren Zeitpunkt (11.5.2012) Tabelle 6. Raupenfunde und begleitende Ameisenarten bei Polyommatus thersites in der Jagst-Kocher-Region. Wirtspflanzen in Klammern, wenn Raupen nicht unmittelbar an ihr gefunden. Lokalität Wirtspflanze Ameisenassoziation Anzahl, Stadium Datum östlich Ailringen: Geißberg ( O. viciifolia ) keine (am Boden) 1 Raupe L 3 05.06.2018 nordöstlich Gaildorf: Wacht O. viciifolia Lasius alienus 3 Raupen L 4-5 15.06.2018 östlich Altdorf: Hundsbuckel ( O. viciifolia ) keine (am Boden) 1 Raupe L 3 21.06.2018
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