Carolinea 77
112 Carolinea 77 (2019) bestand. Dann aber suchten die Weibchen stets bodennahe Bereiche auf, wo es schließlich zur Eiablage kam. Vermutlich spielte hier die Wahr- nehmung von Geruchsstoffen der Wirtsameisen als Auslöser eine Rolle, wie es das oben erwähnte Beispiel nahelegt. Insgesamt bestanden deutliche Anzeichen dafür, dass die Präsenz der Wirtsamei- sen bei der Auswahl der Eiablageorte eine grö- ßere Rolle spielte als das Vorkommen möglicher Fresspflanzen für die Raupen. Die Raupe von P. argus frisst in der Regel an verschiedenen Schmetterlingsblütlern (Faba- ceae), aber auch an Heidekrautgewächsen (Ericaceae; v.a. Besenheide, Calluna vulgaris ) und Zistrosengewächsen (Cistaceae; v.a. Son- nenröschen, Helianthemum spp.). Eine Anzahl erwachsener Raupen wurde im NSG Gipsbruch Kirchbühl an Gewöhnlichem Hornklee gefunden. Die vorherrschende Bodenvegetation im Bereich der Wirtsameisenkolonien lässt daneben insbe- sondere den Hopfen-Schneckenklee ( Medicago lupulina ) als Raupennahrung vermuten. Diesel- ben beiden Schmetterlingsblütler dienen im Tau- berland als Fraßpflanzen ( S anetra et al. 2015), trotz einiger Unterschiede in der Habitatstruktur (s. Kap. 4.4). Weitere Fabaceen-Arten könnten ebenfalls genutzt werden, hingegen kommen Sonnenröschen und Besenheide in den Habi- taten kaum bzw. gar nicht vor. Im Vergleich zu vielen anderen Tagfalterarten ist die P. argus - Raupe in Bezug auf ihre Wirtspflanze nur wenig wählerisch, auch wenn innerhalb einer Lokalpo- pulation meist nur eine oder wenige Nahrungs- pflanzen von den Raupen genutzt werden (z.B. N unner 2013b). Möglicherweise stellt die Breite des Wirtspflanzenspektrums eine Anpassung an die obligate Myrmekophilie dar (s. Kap. 4.5). Die Nutzung diverser Pflanzenarten könnte die Erschließung unterschiedlicher Habitattypen, in denen die Wirtsameise vorkommt, ermöglichen. Auch bei anderen obligat myrmekophilen Bläulin- gen scheint dieser Zusammenhang zu bestehen (z.B. F iedler 1996, F orister et al. 2010). 4.4 Larvalhabitat Die Mehrzahl der Fundorte von P. argus auf der Hohenloher-Haller-Ebene unterscheiden sich bezüglich ihrer Habitatcharakteristika auffällig von den Populationen des nahe gelegenen Tau berlandes. In der hier untersuchten Region sind die Lebensräume vorwiegend im Bereich von früheren Tagebauflächen zu finden (Abb. 31), während im Tauberland die individuenreichen Vorkommen auf aktuell oder ehemals militärisch genutzten Flächen siedeln ( S anetra et al. 2015). Den Flugstellen des Tauberlandes sehr ähnlich ist allerdings ein Bereich früherer militärischer Anlagen westlich von Crailsheim (Abb. 32). Ein ehemaliges Munitionsdepot nahe des NSG Kup- fermoor (nordwestlich von Schwäbisch Hall) ist gesperrt und konnte nicht untersucht werden (Nachweis von P. argus 2007 durch S. M ayer , in litt.: Abb. 27). Die Wirtsameise von P. argus in der Region, La sius niger (s. Kap. 4.5), besitzt ein hohes Poten tial als Pionierart ( S eifert 2017) und kann in Sekundärhabitaten nach der Beendigung der Abbauaktiviät rasch dichte Populationen bilden. Diese bleiben offenbar gut erhalten, solange keine erhebliche Gehölzsukzession einsetzt. Im zentralen Bereich des NSG Gipsbruch Kirchbühl nordöstlich von Vellberg finden sich auch Jahr- zehnte nach Beendigung des Tagesbaus Offen- bodenflächen mit sehr geringem Deckungsgrad der Krautschicht (Abb. 31). Lasius niger und P. argus leben hier stellenweise in dichten Po- pulationen. In etwa einem km Entfernung davon wurde ein kleines Vorkommen von P. argus auf einer Rinderweide entdeckt. In ähnlicher Weise fanden sich eine Reihe individuenarmer Bestän- de im Tauberland auf Mähweisen in bis zu 3 km Entfernung zu einem Truppenübungsplatz mit hoher Dichte von P. argus ( S anetra et al. 2015). Solche landwirtschaftlich genutzten Flächen be- herbergen die Wirtsameise in geringerer Dichte und können nur in der Nähe starker Spenderpo- pulationen als Lebensraum von P. argus dienen. Tabelle 7. Eiablagebeobachtungen bei Plebejus argus im Naturraum Hohenloher-Haller-Ebene. Einzelne Einträge beziehen sich auf das gewählte Ablagesubstrat. Lokalität Ort der Eiablage Anzahl Eier Datum NSG Gipsbruch Kirchbühl Grashalm: trockene Basis à 4 02.06.2018 NSG Gipsbruch Kirchbühl Moos: trockene Stängel am Boden à 3 02.06.2018 NSG Gipsbruch Kirchbühl Lotus corniculatus : Stängel à 1 02.06.2018 westlich Crailsheim: Brühl Agrimonia eupatoria : Blattunterseite à 1 21.06.2018
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