Carolinea 77
G üsten et al.: Bläulinge in der Jagst-Kocher-Region: Verbreitung, Ökologie, Schutz 111 zen nach M eynen & S chmitthüsen (1955) den Ko- cher-Jagst-Ebenen in ihrem südöstlichsten Aus- läufer zuzurechnen. Außerdem konnte eine neue Lokalität mit wenigen Individuen in der Nähe einer größeren Population bei Vellberg (Abstand ca. 1 km) registriert werden. Insgesamt wurden lediglich sechs Fundstellen von P. argus in der Region aktuell bestätigt. Auf der Hohenloher-Haller-Ebene kann man bei P. argus von einem weiträumig isolierten Teilareal sprechen, in dem darüber hinaus nur kleinräu- mige, aber zum Teil individuenreiche Lokalpo- pulationen bestehen. Die nächsten Vorkommen liegen auf der Ostalb (Entfernung ≥ 30 km) und im Tauberland. Unterstützt wird die Interpretation einer bestehenden Isolation durch die Untersu- chung einer Lokalität nördlich von Langenburg auf den Kocher-Jagst-Ebenen, in etwa 20 km Abstand zur nächsten bekannten Population von P. argus . Allem Anschein nach ist dort die Ha- bitatstruktur sehr günstig für die Art (ehemaliger Steinbruch mit großen Beständen von Wirts- pflanzen und -ameisen, vgl. Kap. 4.3 und 4.5), dennoch kommt P. argus offenbar nicht vor. Ein Nachweis aus dem Hergstbachtal nahe Möckmühl (nordwestliche Kocher-Jagst-Ebenen, Abb. 27) muss als Falschmeldung gedeutet wer- den. Bei dem Fundort handelt es sich um einen relativ steilen Trockenhang, ein Biotoptyp, der in der Region nicht von P. argus besiedelt wird. Es kam hier wohl zu einer Verwechslung mit Plebe jus argyrognomon ( B ergsträsser , 1779) (Kronwi- cken-Bläuling). 4.2 Phänologie Im untersuchten Gebiet wurden Falterbeobach- tungen der 1. Generation in unterschiedlichen Jahren zwischen dem 18.5. und 27.6. gemeldet (LDS-BW). Die eigenen Nachweise von Imagines (Abb. 28) erfolgten vom 2.6. bis 21.6. Im Rahmen der Studie wurden keine Beobachtungen ein- zelner Populationen über einen längeren Zeit- raum getätigt, so dass zur Länge der Flugzeit keine neuen Angaben gemacht werden können. Ein überraschend deutlicher Unterschied in der Phänologie zeigt sich im Vergleich zum nahege- legenen Tauberland. Während dort eine in man- chen Jahren ähnlich individuenreiche 2. Gene- ration fliegt ( S anetra et al. 2015), ist diese auf der Hohenloher-Haller-Ebene nur sehr schwach ausgeprägt. Lediglich in einem Falle wurden an einer Lokalität etwa 20 Falter gesehen (U. K norr , pers. Mitt.), bei allen anderen Gelegenheiten nur bis zu fünf. Demgegenüber wurden zur Flugzeit der 1. Generation mehrfach 200-300 Exemplare registriert (U. K norr , pers. Mitt., eigene Beob achtungen). Die partielle 2. Generation ist im Zeitraum vom 2.8. bis 29.8. im Untersuchungsge- biet dokumentiert, Beobachtungen aus dem Juli gibt es dagegen bisher nicht. Stattdessen wurde im Tauberland in manchen Jahren eine Überlap- pung der beiden Generationen im Juli beobach- tet ( S anetra et al. 2015). 4.3 Wirtspflanzen und Eiablage Während dieser Studie gelangen neun Beobach- tungen von Eiablagen an zwei Vorkommensorten von P. argus in der Jagst-Kocher-Region. Die Eier wurden meist nicht an mögliche Wirtspflanzen, sondern unspezifisch an vertrocknetem Pflanzen- material oder an grünen Pflanzenteilen platziert (Tab. 7). Relativ häufig wurde das Ei im Basisbe- reich von Gräsern an den untersten bereits ver- trockneten Halmen abgelegt (Abb. 29) oder auch in umgebenden Moospolstern. In einem Fall er- folgte die Ablage an einem am Boden kriechenden Stängel des Gewöhnlichen Hornklees ( Lotus cor niculatus , Abb. 30), einer Raupennahrungspflanze in der Region (siehe nächster Abschnitt). In einem anderen Fall befand sich die Eiablagestelle auf der Blattunterseite an einem kleinen Exemplar des Gewöhnlichen Odermennigs ( Agrimonia eupa toria ), auf dem sich Ameisen der Wirtsart Lasius niger aufhielten. Bei den Beobachtungen wurde registriert, dass zumindest im Vorfeld einiger Ei- ablagen ein Kontakt zu potentiellen Wirtspflanzen Abbildung 28. Männchen von Plebejus argus an einer Blüte von Lotus corniculatus ; NSG Jagsttal mit Seiten- tälern zwischen Crailsheim und Kirchberg; 15.6.2018. – Foto: R obert G üsten .
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