Carolinea 77
G üsten et al.: Bläulinge in der Jagst-Kocher-Region: Verbreitung, Ökologie, Schutz 119 cholderheiden registriert, wo aber aufgrund von Gehölzpflegemaßnahmen kaum Pflanzen zur Verfügung stehen (s. Kap.10, Abb. 67). Weiterhin besiedelt S. spini aufgelichtete Wälder und He- ckenkomplexe, wo sich die Wirtspflanzen auch in halbschattigen Lagen befinden können. Eine solche Situation wurde beispielsweise auf einem zugewachsenen Steinriegel in der Nähe von Mul- fingen festgestellt, auf dem der kleine Kreuzdorn unter einem nahezu geschlossenen Kronendach wuchs. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass kei- nes der fünf bei zwei Gelegenheiten gefundenen Eier schlüpfte. In Mainfranken wurden häufiger Larvalhabitate von S. spini in lichten Kiefern- wäldern registriert ( S anetra , unveröff.). Die Lite- raturangabe, dass bevorzugt einzeln stehende Kreuzdorn-Büsche belegt werden, könnte darauf hindeuten, dass entweder in der Eiphase oder zur Raupenzeit eine trockene bzw. schnell abtrock- nende Umgebung essentiell ist ( E bert & R ennwald 1991, W eidemann 1995). Eine neue Erkenntnis zur Bedeutung der oft nur geringen Ablagehöhe der Eier über dem Boden ergibt sich aus der hier do- kumentierten regelmäßigen Vergesellschaftung der Raupen mit Ameisen (s. Kap. 5.5). 5.5 Myrmekophilie Die Raupen von S. spini konnten in der Jagst- Kocher-Region am Kreuzdorn in verschiedenen Larvenstadien (L 2 -L 5 ) aufgefunden werden (Tab. 10). In der Regel saßen die Raupen auf der Blattunterseite (Abb. 42, 44) und waren beim Umdrehen der Zweige relativ gut zu sehen. Die jüngeren Raupen waren teilweise sogar leichter zu erkennen, weil sie etwas kontrastreicher ge- färbt sind (Abb. 42). Mit etwas Erfahrung können zudem Fraßspuren (Abb. 43) und Kotkrümel Hin- weise auf das Vorhandensein der Raupen geben. In der Literatur gibt es nicht viele Beobachtungen aus Deutschland, die sich auf Raupenfunde von S. spini beziehen (vgl. E bert & R ennwald 1991, K olbeck 2013). Somit konnte erstmals eine nen- nenswerte Anzahl von elf Raupen in Baden- Württemberg im Freiland unter natürlichen Be- dingungen studiert werden. Von diesen wurden zwei Exemplare an einem neuen Fundort im südlichen Tauberland an der Nordgrenze zum Untersuchungsgebiet registriert. Hinzu kamen einige weitere Beobachtungen aus Mainfranken ( S anetra , unveröff.), wo S. spini sehr häufig ist und so die Raupensuche methodisch etabliert werden konnte. Die meisten Raupen wurden in nur geringer Höhe über dem Erdboden (ca. 20-80 cm) fest- gestellt und befanden sich häufig in Begleitung von Ameisen der Art Lasius alienus (Tab. 10, Abb. 37, 42). Einmal wurde ein kurzer Besuch einer Arbeiterin von Formica pratensis an einer ausgewachsenen S. spini -Raupe registriert. Be- reits jüngere Larvenstadien (L 2 -L 3 ) waren für die Ameisen attraktiv, möglicherweise sogar stärker als die ausgewachsenen Raupen. Es liegt eine gewisse Parallele zur Myrmekophilie der Rau- pen von Satyrium ilicis (Brauner Eichenzipfelfal- ter) vor (z.B. K östler 2005), bei denen unlängst eine starke Attraktivität bereits im L 1 -Stadium anhand von Filmaufnahmen dokumentiert wur- de ( P rosi , in litt.). Insgesamt hatte es den An- schein, als ob die Überlebenschancen der in sehr geringer Höhe abgelegten Eier von S. spini durch die Ameisenbegleitung besser waren und daher die Raupensuche an besonders kleinen Kreuzdorn-Sträuchern, Stockausschlägen oder bodennahen Zweigen häufiger zum Erfolg führte als in den oberen Bereichen. Es ist auch erwäh- nenswert, dass die Raupen von S. spini in ande- ren Teilen des Verbreitungsgebiets vorwiegend an niedrigen Büschen mit vielen bodennahen Ästen (Stechpalmen-Kreuzdorn, Rh. alaternus ; Felsen-Kreuzdorn) oder sogar an kriechenden Zwergsträuchern (Zwerg-Kreuzdorn, Rh. pumila ) leben. Über die Myrmekophilie der Raupe von S. spini gibt es nur sehr spärliche Literaturangaben. Die Grundlagenwerke für Tagfalter in Baden-Würt temberg ( E bert & R ennwald 1991) und Bayern Tabelle 10. Raupenfunde und begleitende Ameisenarten bei Satyrium spini im Naturraum Kocher-Jagst-Ebenen. Lokalität Wirtspflanze Ameisenassoziation Anzahl, Stadium Datum nordwestlich Zaisenhausen: Altenberg Rh. cathartica Lasius alienus , ( Formica pratensis ) 3 Raupen L 2-4 23.05.2019 nördlich Eberbach: Rückenberg Rh. cathartica keine 1 Raupe L 3-4 23.05.2019 NSG Pflanzenstandorte Pfahl und Sündrich Rh. cathartica keine 1 Raupe L 5 24.05.2019 nördlich Unterregenbach: Notnagel Rh. cathartica Lasius alienus (z.T.) 4 Raupen L 4-5 07.06.2019
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