Carolinea 77
120 Carolinea 77 (2019) ( K olbeck 2013) machen über Assoziationen mit Ameisen bei S. spini keine Angaben. Aus Rhein- land-Pfalz (Mittelrheintal bei St. Goarshausen) liegt den Autoren ein Fotobeleg einer Raupe von S. spini mit Ameisenbegleitung vor ( W. D üring , pers. Mitt.), die als Tapinoma erraticum identifi- ziert werden konnte. Nach Beobachtungsdaten aus Frankreich werden die S. spini -Raupen nur gelegentlich mit Ameisen angetroffen und daher nur als schwach myrmekophil eingestuft ( L a franchis et al. 2015). Bestimmte Ameisenpartner werden dabei nicht genannt, wohingegen F iedler (2006) Lasius niger und Formica sp. als Begleiter für die fakultativ mutualistischen Raupen angibt, jedoch ohne Angabe der geographischen Re gion. Die vorliegende Studie konnte zeigen, dass eine Ameisenbegleitung bei S. spini regelmä- ßiger auftritt als es bisher angenommen wurde. Dies ist nicht ganz überraschend, denn S. spini gehört zu den Zipfelfalter-Arten, bei denen ein Nektarorgan ausgebildet ist (SBN 1987, F iedler 1991). In zwei Jahren wurden im Herbst und Winter gefundene Eier von S. spini mit farbigen Mar- kierungen an den Ästen gekennzeichnet und im darauffolgenden Frühsommer an diesen Stellen gezielt nach den Raupen gesucht. Trotz inten- siver Überprüfung der Pflanzen zu zwei ver- schiedenen Zeitpunkten konnten jedoch keine Raupen entdeckt werden. Dabei wurde ferner beobachtet, dass manche Eier nicht geschlüpft waren (s. auch 5.3). Dies wurde bei S. spini auch schon von anderen Beobachtern bei Eiern ge- meldet, die für die Zucht eingesammelt worden waren. Das Phänomen lässt sich nur schwer erklären, könnte aber mit den schon vorher dis- kutierten möglicherweise hohen Ansprüchen an den Feuchtigkeitshaushalt zusammenhängen. Die Überlebenschancen geschlüpfter Raupen könnte zudem gering gewesen sein (mangels Ameisenpartner), da viele der markierten Eier höher über dem Boden abgelegt worden waren als dies bei den meisten der späteren Raupen- fundorte der Fall war. 6 Satyrium ilicis (Brauner Eichenzipfelfalter) In der Jagst-Kocher-Region ist S. ilicis bisher nur im Landkreis Schwäbisch Hall gefunden wor- den. Die Datenbank enthält drei Lokalitäten für diese Art, alle Nachweise bis auf einen liegen allerdings über 80 Jahre zurück (Abb. 45). Von Gaugshausen (ohne genaue Ortsangabe) nord- westlich von Vellberg existiert ein Belegexemplar (SMNK) aus dem Jahr 1971. Es ist bekannt, dass S. ilicis sehr versteckt lebt und sich leicht der Be- obachtung entzieht. Für den Nachweis der Art ist die gezielte Suche nach den Eiern an kleineren Eichenbüschen das Mittel der Wahl, denn nur mit Hilfe dieser Methode, die erst nach 2000 aus- führlich für die Art beschrieben wurde (v.a. H er mann 2007), bestehen realistische Aussichten auf die Entdeckung neuer oder verschollener Vorkommen. Für die Suche nach S. ilicis wurden Gebiete in den Schwäbisch-Fränkischen Waldbergen aus- gewählt, die sogenannte Lichtwaldstrukturen aufweisen, wie sie von dieser Art bevorzugt werden. Allerdings sind ausreichend besonnte Standorte mit Eichenjungwuchs in vielen Wäl- dern heute selten geworden, so dass sich bereits die Auswahl geeigneter Suchräume schwierig gestaltete. Sehr günstig erschien ein Waldstück in den Limpurger Bergen nahe Schwäbisch Hall mit dem letzten Vorkommen von Coenonympha hero (Wald-Wiesenvögelchen), einer Art, die in mancher Hinsicht ähnliche Ansprüche an ihren Lebensraum stellt. In dem Gebiet gibt es ne- ben größeren Lichtwaldbereichen auch viele für S. ilicis zur Eiablage geeignete kleine Eichen, an denen im Winter nach den Eiern gesucht wurde. Auch in Lichtwald-Biotopen in den Waldenburger Bergen fand eine Nachsuche statt. Zudem wur- den Anfang Juli einige Waldgebiete in der Umge bung von Künzelsau auf Falter kontrolliert, da es hier Hinweise auf mögliche aktuelle Vorkommen von S. ilicis durch einen ortsansässigen Kollegen gegeben hatte. Die Suche erbrachte leider keine neuen Nachweise der Art (Abb. 45). Wegen der Schwierigkeit des Artnachweises und der Größe der in Frage kommenden Waldgebiete kann das Vorkommen von S. ilicis in der Region dennoch nicht ausgeschlossen werden. Aus dem nördlich angrenzenden Tauberland gibt es in der Datenbank LDS-BW lediglich zwei Nachweise, welche älter als 30 Jahre sind. Aktuell existie- ren in Baden-Württemberg belegte Vorkommen von S. ilicis nur am Oberrhein, im Schönbuch zwischen Böblingen und Tübingen sowie auf der Ostalb. In Bayern finden sich ebenfalls nur wenige Bereiche, in denen die Art aktuell noch gefunden wird ( B olz 2013a). Die Bestandssitua- tion von S. ilicis wird daher in vielen Bundeslän- dern als kritisch eingestuft, und es werden große Arealverluste konstatiert (vgl. H ermann & S tei ner 2000, B olz 2013a). Deutschlandweit finden sich die besten Vorkommen noch in Südhessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland (www.lepido- ptera.de ).
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