Carolinea 77

G üsten et al.: Bläulinge in der Jagst-Kocher-Region: Verbreitung, Ökologie, Schutz 123 lichen Teilareal. Die Art zeigt über ihr gesamtes Verbreitungsgebiet betrachtet deutliche phänolo- gische Variationen. Eine isolierte nordwestliche Population (aktuell nur noch in den Niederlan- den) ist streng univoltin, während im weiter öst- lich gelegenen Hauptverbreitungsgebiet (Ost- und Südosteuropa) die Bildung von ein oder zwei Generationen von der geographischen Breite abhängig ist und in einigen Bereichen jahres- bedingt variiert. E bert & R ennwald (1991) geben für die 1. Generation in Baden-Württemberg den Zeitraum vom 20.5. (mit wenigen früheren Be- obachtungen) etwa bis Ende Juni an, für die 2. Generation eine Flugzeit im August, mit einzel- nen Faltern bereits Ende Juli in warmen Jahren. Falterbeobachtungen erfolgten während der Un- tersuchungen am 5.6. und 12.6. (1. Gen.) sowie am 2.8. und 23.8. (2. Gen.), jedoch wurden am 25.7.2019 schon frisch abgelegte Eier registriert. In Südwestdeutschland wurden in sehr warmen Jahren vereinzelt Falter bis in den Oktober an- getroffen, die einer 3. Generation zuzurechnen sind ( G rünfelder 2008, B olz 2013b, K eiller , M. in Lepiforum). Eine am 8.8.2018 gefundene Raupe (Abb. 55, 56) war vermutlich im vorletzten Larvalstadium (Tab. 12). Da das 2. Stadium als Überwinterungsstadium angegeben wird, ist es gut möglich, dass sich die genannte Raupe noch zu einem Falter der 3. Generation entwickelt hat. 7.3 Wirtspflanzen und Eiablageorte In der Jagst-Kocher-Region konnten Präimagi- nalstadien (hauptsächlich Eier und Jungraupen) von L. dispar an drei nicht-sauren Ampfer-Arten angetroffen werden (Tab. 11, 12): Fluss-Ampfer ( Rumex hydrolapathum , Abb. 49, 50), Krauser Ampfer ( R. crispus , Abb. 55, 56) und Stumpf- blättriger Ampfer ( R. obtusifolius , Abb. 53, 54). Mindestens eine Pflanze mit darauf befindlichen Eiern war einer Hybrid-Form der beiden letztge- nannten Ampfer-Arten zuzurechnen, dem Wie- sen-Ampfer ( R. x pratensis ). Für Baden-Würt­ temberg existiert ein Nachweis durch Eifunde am Wasser-Ampfer ( R. aquaticus ) aus dem Hecken- gäu ( B amann , T . & H ermann , G . in Lepiforum). Das Verbreitungsareal dieser seltenen Pflanzenart überschneidet sich in Baden-Württemberg fast überhaupt nicht mit jenem von L. dispar (www. flora.naturkundemuseum-bw.de ), daher kann dem Wasser-Ampfer aktuell kaum eine Bedeu- tung als Wirtspflanze zukommen. Der Stumpfblättrige Ampfer, der auf meist inten- siv landwirtschaftlich genutzten Wiesen entlang der Hauptfließgewässer Jagst und Kocher häu- fig vorkommt (Abb. 51), wird in vielen Regionen laut Literaturangaben für die Eiablage bevorzugt. Es ist aber anzunehmen, dass an dieser Amp- fer-Art lediglich aufgrund ihrer Häufigkeit die meisten Eiablagen erfolgen. Sind andere mög- liche Fraßpflanzen vorhanden, wie der Krause Ampfer und der Fluss-Ampfer (der bei den Un- tersuchungen aber nur an einer Lokalität fest- gestellt wurde, S. R öper pers. Mitt.), so fanden sich oft mehrere Eier an einer Pflanze (bis zu 25; z.B. Abb. 49, 50), was beim Stumpfblättrigen Ampfer im untersuchten Gebiet selten beobach- tet wurde. Im NSG Gipsbruch Kirchbühl wurden von R. P rosi (in litt.) im August 2019 etwa 50 Eier an Krausem Ampfer gefunden, an Stumpfblätt- rigem Ampfer lediglich ein Ei. Auch langjährige Beobachtungen durch S. M ayer (in litt.) in der Jagst-Kocher-Region bestätigen die Bevorzu- gung von Krausem gegenüber Stumpfblättrigem Ampfer. Frühere Nachweise von hohen Eizahlen am Stumpfblättrigen Ampfer (z.B. L oritz & S et ­ tele 2002, H ermann & B olz 2003) betrafen fast immer die 2. Generation und konnten stets auf einen lokal großen Mangel an geeigneten Ei- ablagepflanzen zurückgeführt werden, bedingt durch eine fast flächendeckende Mahd der Wirt- schaftswiesen. Abbildung 47. Raupe von Lycaena dispar im letz- ten Larvalstadium auf der Unterseite eines Blattes von Rumex obtusifolius ; Henkersbrunnen bei Unter- kessach; 25.7.2019. – Foto: R obert G üsten .

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