Carolinea 77
G üsten et al.: Bläulinge in der Jagst-Kocher-Region: Verbreitung, Ökologie, Schutz 127 im Gegensatz zu den mutualistischen Bezie- hungen. Somit ist kaum anzunehmen, dass stabil etablierte Ameisenassoziationen in der bei Ech- ten Bläulingen beobachteten Weise vorkommen können. Bei allen Feuerfalter-Arten werden die Raupen im Freiland zumindest mehrheitlich ohne Ameisenbesuch angetroffen ( F iedler 1991). 8 Lycaena hippothoe (Lilagold-Feuerfalter) Von L. hippothoe finden sich in der Datenbank (LDS-BW) etwa zehn historische Nachweise aus den Schwäbisch-Fränkischen Waldbergen bis in die 1960er Jahre, sowie die Meldung eines einzelnen Falters aus dem Jahr 2012 (Abb. 57). Dies gab dazu Anlass, innerhalb der durch die älteren Nachweise angezeigten Flugzeit (4.6. bis 10.7.) nach der Art zu suchen. Es wurden exten- siv genutzte Wiesen im Bereich der Höhenzüge kontrolliert (Mainhardter Wald, Waldenburger Berge, Limpurger Berge, Ellwanger Berge), je- doch wurde L. hippothoe nicht festgestellt und kommt in den Schwäbisch-Fränkischen Wald- bergen sehr wahrscheinlich nicht mehr vor. Die von der Art heute noch besetzten Flugstellen in Baden-Württemberg (im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und in Oberschwaben) liegen in größeren Höhenlagen (ca. 550-1.400 m ü. NN: E bert & R ennwald 1991, LDS-BW). Augenscheinlich herrschen für L. hippothoe weiterhin günstige Bedingungen auf den abge- legenen und naturschutzfachlich hochwertigen Waldwiesen entlang der Blinden Rot in den Ellwanger Bergen (ca. 440 m ü. NN). Der letz- te Nachweis der Art datiert dort von 1964. Es wurden u.a. Melitaea diamina ( L ang , 1789) (Bal- drian-Scheckenfalter) und Boloria euphrosyne ( L innaeus , 1758) (Silberfleck-Perlmutterfalter) be- obachtet, letzterer war ebenfalls seit den 1960er Jahren im Umkreis nicht mehr gefunden worden. Auf den Wiesen kommt die Hauptnahrungspflan- ze der Raupen von L. hippothoe , der Große Sau- erampfer ( Rumex acetosa ), in nennenswerten Beständen vor. Gleichfalls gibt es noch geeig- net erscheinende Habitate in den Löwensteiner Bergen, wenige Kilometer außerhalb des Unter- suchungsgebiets. Besucht wurden dort die am höchsten gelegenen Wiesen (550-570 m ü. NN) im Umkreis des Hohen Brach. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist der 2012 aus der Region gemeldete Falter nicht korrekt bestimmt worden. Der gemeldete Fundort liegt am Kocher südlich von Schwäbisch Hall (ca. 330 m ü. NN), und in den Tälern der Hauptfließgewässer wurde die Art vermutlich auch zu früherer Zeit nicht an- getroffen (einige ältere Nachweise sind nur sehr ungenau verortet). Ferner liegt der Beobach- Tabelle 12. Raupenfunde von Lycaena dispar im Naturraum Kocher-Jagst-Ebenen. Lokalität Wirtspflanze Ameisenassoziation Anzahl, Stadium Datum westlich Zaisenhausen: Hörlesau R. obtusifolius keine 1 Raupe L 1 23.08.2017 südöstlich Eberbach: Pfingststück R. obtusifolius keine 1 Raupe L 1 05.06.2018 nordöstlich Züttlingen: Ammerlanden R. obtusifolius keine je 1 Raupe L 1 , L 2 08.08.2018 südlich Bieringen: Heiligenwiesen R. crispus , R. obtusifolius keine je 1 Raupe L 3-4 , L 1-2 08.08.2018 nördlich Geislingen/Kocher: Riedwiesen R. obtusifolius keine 1 Raupe L 1 09.08.2018 südöstlich Eberbach: Pfingststück R. crispus , R. obtusifolius keine 2 Raupen L 1 25.06.2019 südwestlich Unterkessach: Henkersbrunnen R. obtusifolius keine 1 Raupe L 4 25.07.2019 nordöstlich Tiefenbach: Steigäcker R. crispus keine 1 Raupe L 3 25.07.2019 nordwestlich Lorenzenzimmern: Steinrecht R. crispus keine 1 Raupe L 1 25.08.2019
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