Carolinea 77
130 Carolinea 77 (2019) 2013, B räu et al. 2013) früher erscheint. Der Große Wiesenknopf ist die einzige Nahrungs- pflanze für die Raupen. Die Eiablage erfolgt ty- pischerweise in Blütenständen mit noch grünen Knospen ( P. teleius ) bzw. in den noch grünen Knospen von Blütenständen, deren obere Blüten sich bereits rot verfärben ( P. nausithous ). Die von beiden Arten besiedelten Wiesenknopf-Stand- orte finden sich in mageren, mäßig feuchten bis feuchten Grünlandbrachen und verschiedenar- tigen ein- bis zweischürigen mageren Wiesen (z.B. Abb. 69). Während P. teleius weitgehend an flächig entwickelte Wirtspflanzen-Bestände gebunden ist, findet sich P. nausithous auch verbreitet entlang von linearen Strukturen mit Wiesenknopf-Bewuchs, insbesondere Bächen und Gräben. Neben den Ansprüchen an das Larvalhabitat besteht offenbar für P. teleius (nicht aber P. nausithous ) die Notwendigkeit, außer den Wiesenknopf-Blüten noch andere Nektarquellen für die Falter (besonders Blutweiderich, Lythrum salicaria : Abb. 60) in der Nähe vorzufinden. 9.3 Untersuchungen zu den Wirtsameisen Die Raupen von P. teleius und P. nausithous leben räuberisch in Ameisenestern der Gattung Myrmi ca (s. Einleitung), jedoch ist das Verhalten von P. nausithous in den Ameisennestern nur unzurei- chend bekannt. Über eine Ernährung von Eiern und kleinen Larven der Ameisen wird berichtet ( E lfferich 1998), die stärkere soziale Integrati- on in die Ameisennester soll jedoch mehr den „Kuckucksarten“ entsprechen ( T homas & S ettele 2004, P atricelli et al. 2010), bei denen die Rau- pen von den Ameisen wie eigene Brut behandelt und gefüttert werden (s. Einleitung). Aufgrund dieser Unterschiede kann offenbar bei P. telei us meist nur eine Raupe pro Nest ihre Entwick- lung abschließen (z.B. T artally & V arga 2008). In Mitteleuropa finden sich in den Habitaten der Wiesenknopf-Ameisenbläulinge in der Regel nur zwei Ameisenarten in größerer Dichte, die als Wirte in Frage kommen: Myrmica rubra und Myr mica scabrinodis . Der Blickwinkel auf die Wirts- nutzung von P. teleius hat sich in jüngster Zeit verändert. Ursprünglich war eine Spezialisierung und weitgehende Beschränkung auf M. scabri nodis als Wirtsart postuliert worden ( T homas et al. 1989, E lmes et al. 1998). Im Gegensatz dazu zeigen neuere Untersuchungen ( T artally & V ar ga 2008, W i tek et al. 2008, T artally et al. 2019), dass M. rubra zumindest in gleichem Maße wie M. scabrinodis genutzt wird. Eine geringe oder fehlende Spezialisierung bei P. teleius ergibt sich weiterhin aus dem Nachweis von bisher 15 ver- schiedenen Myrmica -Arten als Wirten über das paläarktische Verbreitungsgebiet hinweg ( P ech et al. 2007, T artally et al. 2019). Für P. nausi thous hingegen hat sich die Beschränkung auf die Wirtsart M. rubra in Mitteleuropa für fast alle Populationen bestätigt ( W itek et al. 2008, T artal ly et al. 2019). Im Rahmen der vorliegenden Studie wurden Untersuchungen zu den potentiellen Wirtsa- meisen-Arten von P. teleius und P. nausithous in der Region um Wüstenrot (Lkr. Heilbronn) durchgeführt, wo noch eine Metapopulation von P. teleius mit einer Reihe nahe benachbarter Fundorte existiert (s. 9.1). Auf neun ausgewähl- ten Probeflächen (Tab. 13) wurden Ameisen aus der Gattung Myrmica durch das Ausbringen von Fraßködern (Thunfisch, Zucker: Abb. 59) nach- gewiesen und Proben zur weiteren Bestimmung im Labor entnommen. Berücksichtigt wurden jene Lokalitäten, an denen im Jahr 2018 (oder in früheren Jahren durch andere Bearbeiter) die meisten Falter von P. teleius beobachtet worden waren (Probeflächen: PF 1a, PF 2, PF 4). In der Nähe der Fläche PF 2 wurde ein ähnlicher Be- reich berücksichtigt, auf dem P. nausithous bei den Falterbeobachtungen überwogen hatte (PF 3). Bei Fläche PF 5a handelte es sich um eine Wiese mit Herbstmahd, die 2019 auf einen art- gerechten Mahdzeitpunkt umgestellt wurde. Die Habitate an den ausgewählten Stellen reichten Abbildung 59. Potentielle Wirtsameisen ( Myrmica ru bra ) von Phengaris teleius und Phengaris nausithous an ausgebrachtem Fraßköder (Thunfisch und Zucker); Gewann Am Bauernwald bei Weihenbronn; 16.08.2018. – Foto: R obert G üsten .
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