Carolinea 77

132 Carolinea 77 (2019) von brachliegenden oder sehr extensiv genutzten Feuchtwiesen (Abb. 63) bis hin zu wechsel­ feuchten mehrschürigen Mähwiesen (Abb. 64). Bei einer Probefläche (PF 6) wurde ein Weg- randgraben mit Vorkommen von P. nausithous einbezogen (Abb. 65). In unmittelbarer Nach- barschaft der extensiv genutzten Flächen PF 1a und PF 5a wurden zum Vergleich mehrschürige Mähwiesen beprobt (PF 1b bzw. PF 5b, Abstand jeweils < 100 m). Bei zwei Probeflächen war die periphere Lage in benachbarten Landkreisen für ihre Berücksichtigung ausschlaggebend (PF 6: Lkr. Schwäbisch Hall; PF 7: Hohenlohekreis). Es wurden insgesamt fünf Myrmica -Arten auf den Flächen nachgewiesen (Tab. 13), wobei M. sca­ brinodis und M. rubra erwartungsgemäß am häufigsten vertreten waren. Die grundsätzlich an Wälder angepasste Art M. ruginodis fand sich in geringer Anzahl auf vier Probeflächen. Weiterhin gab es wenige Einzelnachweise der üblicherweise xerothermophilen Arten M. sabuleti und M. schen­ cki . Als einzige Myrmica -Art war M. scabrinodis an allen Lokalitäten vertreten, und auf sieben der neun Probeflächen war mehr als ein Drittel der Köder von dieser Art besetzt (Tab. 13). Die unter- suchten Flächen waren somit als Entwicklungs- habitat für P. teleius gut geeignet, auch unter der Annahme, dass beide potentiellen Wirtsarten, M. scabrinodis und M. rubra , gleichermaßen taug- lich sind (vgl. T artally et al. 2019). Die Probeflä- chen mit den höchsten Falterzahlen von P. teleius (PF 1a, PF 2, PF 4) wiesen eine mindestens dop- pelt so hohe Nachweisdichte von M. scabrinodis verglichen mit M. rubra auf. Auf drei Probeflächen (PF 2, PF 5a, PF 5b) wurde von diesen beiden Arten nur M. scabrinodis , aber nicht M. rubra ge- funden. Für P. nausithous waren die registrierten Abundanzverhältnisse der potentiellen Wirtsa- meisen damit deutlich ungünstiger, unter der An- nahme, dass diese Art als Raupe nur bei M. ru­ bra leben kann. Myrmica rubra kam an sechs von neun Untersuchungsstellen vor, mit meist deutlich geringerer Nachweisdichte als M. scabrinodis . Die einzige Fläche, auf der M. rubra an den Ködern überwog, war PF 3. Hierzu passt die Beobachtung, dass dort P. nausithous häufiger war als P. teleius . Bemerkenswert aber ist, dass Falter von P. nau­ sithous im Bereich der Flächen PF 5a und PF 5b in Anzahl zu verzeichnen waren, M. rubra jedoch nicht nachgewiesen werden konnte (Tab. 13). Vergleichbare Studien der potentiellen Wirts- arten der beiden Ameisenbläulinge in Deutsch- land kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen, so dass regionsspezifische Effekte eine Rolle Tabelle 13. Ergebnisse der Köderfänge potentieller Wirtsameisen ( Myrmica spp.) von Phengaris teleius und P. nau­ sithous auf neun Probeflächen in der Umgebung von Wüstenrot (Lkr. Heilbronn), 32 Köder pro Probefläche. Lokalität Fallen mit Myrmica M. schencki M. sabuleti M. scabri­ nodis M. rubra M. ruginodis südöstlich Neuhütten: Wiesen am Dachsbach (PF 1a: frühe Brache)* 13/32 (41 %) - - 12 2 - südöstlich Neuhütten: Wiesen am Dachsbach (PF 1b: mehrschürige Wiese) 14/32 (44 %) - - 9 5 - NSG Wiesen im Rot- und Dachsbachtal bei Finsterrot: Herrenwiese (PF 2) 12/32 (38 %) - 1 11 - - NSG Wiesen im Rot- und Dachsbachtal bei Finsterrot: Rotwiesen (PF 3)* 16/32 (50 %) - - 5 10 2 nordwestlich Weihenbronn: Am Bauernwald (PF 4)* 25/32 (78 %) - 1 18 8 - östlich Bärenbronn: Holzwiesen (PF 5a: Wiese mit Herbstmahd)* 25/32 (78 %) - - 24 - 2 östlich Bärenbronn: Holzwiesen (PF 5b: mehrschürige Wiese) 12/32 (38 %) 1 - 11 - - nördlich Klingenhof: Teichwiesen (PF 6)* 21/32 (66 %) - 1 11 8 2 südöstlich Brettach: Untere Allmand (PF 7)* 16/32 (50 %) - - 11 5 1 * hier übersteigt die Summe der Myrmica -Artnachweise die Anzahl der Fallen mit Myrmica -Ameisen, da an einzel- nen Köderstellen zwei Myrmica -Arten gesammelt wurden

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