Carolinea 77

G üsten et al.: Bläulinge in der Jagst-Kocher-Region: Verbreitung, Ökologie, Schutz 133 spielen könnten. Ähnlich wie in der vorliegenden Arbeit wurde in Nordbayern (Steigerwald) von einer Korrelation des Vorkommens von P. tele­ ius mit M. scabrinodis , nicht aber mit M. rubra berichtet ( R eiser et al. 2002). Ein gegenteiliges Ergebnis erzielten D ierks & F ischer (2009) bei einer Untersuchung im Westerwald, in der die Bestände beider Wiesenknopf-Ameisenbläu- linge positiv mit der Häufigkeit von M. rubra , jedoch nicht M. scabrinodis , korreliert waren. Interessant wäre es, die Frage zu ergründen, ob und in welcher Form die Wiesenknopf-Amei- senbläulinge in Bezug auf ihre Wirtsameisen in Konkurrenz treten. Läge eine Konkurrenz­ situation um die von beiden Bläulingen genutzte Wirtsart M. rubra vor, könnte sich für P. teleius in Habitaten mit einem Übergewicht von M. scab­ rinodis durchaus ein Vorteil ergeben, weil dann die vorhandene Wirtsart monopolistisch genutzt werden könnte. Wenn P. teleius sowohl M. scabrinodis als auch M. rubra als Wirtsarten nutzen kann und sich keine bedeutenden Konkurrenzeffekte mit P. nau­ sithous ergeben, wäre die Besiedlungsdichte beider (und ggf. weiterer) Myrmica -Arten ge- meinsam als Qualitätsmerkmal für die Habitate entscheidend. Jedoch zeigte die Wirtsartendichte (gemessen am Anteil der Köder mit Nachweis) in Bezug auf die Probeflächen mit höheren Falter- zahlen von P. teleius (ohne standardisierte Me- thoden ermittelt) keinen erkennbaren Trend (38 % bis 78 %). In ähnlicher Weise war keine Korrela- tion der Bestandsdichte von Myrmica -Arten mit einem bestimmten Habitat-Typ zu erkennen. Auf verschiedenen mehrschürigen Wirtschaftswiesen waren 38 % (PF 5b) bis 78 % (PF 4) der Köder be- sucht (Tab. 13), genau die gleichen Werte fanden sich aber auch auf zwei Flächen mit Pflegeschnitt im Herbst (PF 3 bzw. PF 5a). Die Ergebnisse las- sen nicht darauf schließen, dass die Gesamtzahl der Myrmica -Nester von der Feuchtigkeit des Standorts abhängt. Die Vorstellung einer Präfe- renz von M. scabrinodis für trockenere und von M. rubra für feuchtere Bedingungen ist zweifellos zu vereinfacht. Während dies im Bereich intensiv bewirtschafteter Wiesen zutreffen könnte, domi- niert andererseits M. scabrinodis offenbar auch in höherwüchsigen Feuchtbrachen oder Flächen mit nur gelegentlicher Mahd. Erschwert wird die Beurteilung der Verhältnisse durch die jüngste Erkenntnis, dass M. scabrinodis in Mitteleuropa zwei biologische Arten umfasst, die an äußeren Merkmalen bisher nicht unterschieden werden können ( E bsen et al. 2019). 10 Naturschutz und Biotoppflege für Bläulinge in der Jagst-Kocher-Region Die sich aus der vorliegenden Studie erge- benden Vorschläge für artspezifische Pflege- maßnahmen sollen in der nahen Zukunft zusam- men mit den Landschaftspflegeverbänden, den Naturschutzbehörden und dem ehrenamtlichen Naturschutz in der Region umgesetzt werden. Ein probates Instrument hierfür ist unter ande- rem auch das Artenschutzprogramm Schmetter- linge (ASP) unter der Obhut der Landesanstalt für Umwelt, Baden-Württemberg (LUBW), in dem jedoch nur drei der hier behandelten Arten ( S. ilicis , P. thersites und P. teleius ) vertreten sind. Im behördlichen Naturschutz besteht der Trend, sich verstärkt nur noch um die europarechtlich geschützten FFH-Arten zu bemühen, die jedoch nur eine sehr kleine Auswahl an Arten darstellen. In der Jagst-Kocher-Region sind dies L. dispar , P. teleius und P. nausithous . Diese Studie soll daher den Fokus auf weitere in ihrem Bestand bedrohte Arten lenken, die aufgrund der ge- schilderten Konzentration auf bestimmte Instru- mente im Naturschutz sehr wenig Berücksichti- gung finden. Zum Erhalt der biologischen Vielfalt (Biodiversität) muss das Spektrum der durch spezielle Schutzmaßnahmen geförderten Arten wesentlich erweitert werden, so wie es sich die im Jahr 2013 formulierte Naturschutzstrategie Baden-Württemberg zum Ziel gesetzt hat (um. baden-wuer ttemberg.de/de/umwelt-natur/na turschutz/biologische-vielfalt-erhalten-und-foer dern/naturschutzstrategie/). 10.1 Trockenlebensräume im Naturraum Kocher-Jagst-Ebenen Die untersuchten Arten trockenwarmer Lebens- räume, G. alexis , C. minimus , P. thersites und S. spini , zeigen ein bemerkenswert ähnliches Verbreitungsbild im Naturraum Kocher-Jagst- Ebenen (Abb. 2, 10, 19, 35). Die Vorkommens­ orte liegen vornehmlich an den südwestlich bis südöstlich exponierten Hängen des Jagst-Tals etwa von Krautheim bis Langenburg sowie an einigen Nebenflüssen zu beiden Seiten (Sindel- bach, Ginsbach, Laibach, Ette u.a.). Auch ein- zelne Stellen am Langenbach, einem nördlichen Zufluss des Kocher, sind von den genannten Arten (außer P. thersites ) besiedelt, nicht jedoch das Kocher-Haupttal. Entlang des Unterlaufs des Kocher sind die Muschelkalkhänge reliefbedingt wenig ausgeprägt, während an seinem Mittellauf der Weinbau in den überwiegend flurbereinigten Hanglagen auf größeren Flächen als an der

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