Carolinea 77
134 Carolinea 77 (2019) Jagst persistiert und dadurch die Anzahl natur- naher Biotope begrenzt. Demgegenüber zeigen sich die ehemaligen Weinbergslagen an der un- teren Jagst westlich von Krautheim (insbesonde- re im Lkr. Heilbronn) oftmals fast flächendeckend von wärmeliebenden Gehölzen bestanden, die wenigen offenen Bereiche sind weit stärker iso- liert. Plebejus argyrognomon und Polyommatus bellargus ( R ottemburg , 1775) (Himmelblauer Bläuling) kommen dort in geringer Anzahl vor, die Zielarten der vorliegenden Studie jedoch nicht. Es zeigen sich positive Einflüsse auf den Bestand an Magerrasenflächen durch das Land- schaftspflegeprojekt „Trockenhänge im Kocher- und Jagsttal“, welches seit 1989 im Landkreis Schwäbisch Hall und besonders im Hohenlohe- kreis einen Schwerpunkt der Arbeit von Unteren Naturschutzbehörden und Landschaftserhal- tungsverbänden bildet. Aus den gewonnenen Erkenntnissen zur Lebens- weise der Bläulinge ergeben sich Möglichkeiten für den praktischen Naturschutz, die Bestands situation dieser bedrohten Arten zu verbessern. Im Falle von G. alexis sollten die beiden wichtigen Raupennahrungspflanzen in der Region, Süßer Tragant und Saat-Esparsette, bis zur Verpup- pung der Raupen (etwa Anfang Juli) von Mahd oder Beweidung verschont werden. Der Süße Tragant wächst mit Vorliebe in halbschattigen, gebüschnahen Saumbereichen der Magerrasen, in Streuobstbeständen und entlang von Weg- rändern. Hier gilt es den Strukturreichtum von Säumen zu erhalten oder wiederzuerlangen, bei- spielsweise durch eine geringere Pflegeintensi- tät in Randbereichen der Magerrasen. Auch eine Verringerung der Mahdfrequenz an Wegrändern wäre für das Überleben der Raupen im Hinblick auf Esparsette und Tragant wünschenswert, al- lerdings scheint eher ein gegensätzlicher Trend mit häufigeren Schnitten und Mahd im Mai und Juni zu bestehen. Zusätzlich benötigt G. alexis wegen der hohen Ausbreitungstendenz der Ima- gines einen intakten Biotopverbund (vgl. S anetra et al. 2015). Liegen nämlich die Reproduktions- habitate in zu großen Abständen voneinander, erhöht sich zwangsläufig die Mortalität umher- streifender Tiere. Die Falterbestände von Cupido minimus kön- nen hauptsächlich durch eine Unterstützung der Wundklee-Vorkommen gefördert werden (vgl. K rauss et al. 2004). Eine Erhaltung des Wundklees auf Halbtrockenrasen wird am bes ten durch Hüteschafbeweidung erreicht, da die Pflanze sehr magere Standortbedingungen be- nötigt. Allerdings sollte die Beweidung nur exten- siv erfolgen, da der Wundklee bevorzugt von den Weidetieren verbissen wird. Der Wundklee ist zudem ein Rohboden-Pionier, so dass durch lo- kalen Abtrag der oberen Bodenschichten gezielt neue Standorte geschaffen werden können (vgl. W illig 2013). Die Zunahme der Mahd von Weg- rändern und Böschungen (zum Teil ohne erkenn- baren Grund innerhalb von nicht genutzten, na- turschutzfachlich wertvollen Biotopen) wirkt sich Abbildung 66. Eine sehr kleinparzellierte Nutzung wirkt sich auf die Bestän- de von Polyommatus ther sites positiv aus. Diese Form der Bewirtschaftung bringt immer stellenweise spärlich bewachsene Be- reiche mit nachtreibenden Onobrychis viciifolia hervor. Im Tauberland hat sich da- durch an diesem sehr iso- lierten Vorkommensort eine kleine Lokalpopulation von P. thersites erhalten können; Langer Weinberg bei Ober- lauda; 22.7.2019. – Foto: M atthias S anetra .
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