Carolinea 77

G üsten et al.: Bläulinge in der Jagst-Kocher-Region: Verbreitung, Ökologie, Schutz 135 wie bei G. alexis negativ auf die Bestände von C. minimus aus, denn der Wundklee wächst oft bevorzugt in diesen Bereichen. Die Anzahl der in den Blütenständen lebenden Raupen nimmt von Mai bis August ab, so dass frühe Mahdzeit- punkte zu vermeiden sind, wenn nicht ganz auf eine Mahd dieser mageren Standorte verzichtet werden kann. Als einzige Nahrungspflanze für die Raupen von P. thersites kommt die Saat-Esparsette in der Region nur lokal in größerer Dichte vor. Die Präimaginalstadien dieses Bläulings sind in der Zeit von April bis August durch die Entfernung der Esparsetten im Zuge von Beweidung oder Mahd gefährdet. Selbst extensive Beweidung wird unter Umständen nicht gut vertragen, da die Saat-Esparsette von Schafen und Rindern bevorzugt gefressen wird. Auf der Basis von Be­ obachtungen im Tauberland ( S anetra et al. 2015) und in der Jagst-Kocher-Region wird eine Mahd in bestimmten Teilbereichen eines Habitats zu verschiedenen Zeitpunkten (Mosaikpflegekon- zept) vorgeschlagen (vgl. W illig et al. 2013), wodurch stets verschiedene Abschnitte in un- terschiedlichen Stadien der Aufwuchshöhe be- reitgestellt werden (Abb. 66). In der Konsequenz gibt es dann immer Flächen, die sich für die Ei- ablage und Larvalentwicklung von P. thersites in günstigem Zustand befinden. Besonders bei trockenen Bodenverhältnissen findet sich län- gere Zeit nur ein geringer Aufwuchs, während die rasch nachtreibenden Esparsetten schon für die Eiablage (vor allem der Falter der 2. und 3. Generation) geeignet sind. Die Verhältnisse sind dann ähnlicher zu den Wuchsorten der ur- sprünglichen Wirtspflanze in Mitteleuropa, der Sand-Esparsette (s. Kap. 3.3), im Vergleich zu den hochwüchsigen Saat-Esparsetten-Bestän- den mit dichter Begleitvegetation. Für die Eta- blierung von stabilen Ameisen-Assoziationen werden möglicherweise lückige Standorte der Esparsetten benötigt (s. Kap. 3.5). Die Verbesserung der Situation des Purgier- Kreuzdorns in der Jagst-Kocher-Region ist für die langfristige Erhaltung von S. spini als drin- gend notwendig zu erachten. An den Trocken- hängen sind die Pflegemaßnahmen, insbeson- dere im Bereich der Steinriegel, in erheblichem Maße mitverantwortlich für den ausgeprägten Mangel an Kreuzdorn (s. auch E bert & R ennwald 1991). Die für die Raupenentwicklung wichtigen Schösslinge und kleinen Pflanzen (s. Kap. 5.3) werden regelmäßig zusammen mit dem Jung- wuchs anderer Gehölze, insbesondere Schlehe und Hartriegel, bei der Entbuschung entfernt (Abb. 67). Da die meisten Gehölze deutlich schneller nachwachsen als der Kreuzdorn, wird letzterer im Laufe aufeinander folgender Gehölz- pflege-Zyklen sukzessive verdrängt. Die haupt- sächlich notwendige Erhaltungsmaßnahme für S. spini bildet daher der Erhalt kleinerer Kreuz- dorne bei der Entbuschung mittels vorheriger Markierung der Pflanzen. Lokal könnten auch Neuanpflanzungen an geeigneten Stellen ange- Abbildung 67. Stellenweise ist die Gehölzpflege im Bereich der Steinriegel an den Trockenhängen des Jagst-Tals sehr intensiv. Rhamnus cathartica wird dabei meistens auch ent- fernt. An den nachtreiben- den Schösslingen konnten zwar an dieser Lokalität einige Eier von Satyrium spini gefunden werden, es existieren aber nur noch we- nige Einzelpflanzen; Hollen- bacher Berg bei Mulfingen; 17.4.2019. – Foto: R obert G üsten .

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