Carolinea 77
136 Carolinea 77 (2019) bracht sein. Ein eingeschränktes Zurückschnei- den in größeren Abständen kann sich zusätz- lich vorteilhaft auf die Eignung der Pflanzen für die Raupenentwicklung auswirken. Unbedingt zu schützen sind auch vorhandene größere Pflanzen der zweihäusigen (diözischen) Art an Wald- und Gebüschrändern und auf höher be- wachsenen Steinriegeln. Diese sind zwar für die Larvalentwicklung von S. spini kaum geeignet, ermöglichen aber die natürliche Verjüngung der Bestände. 10.2 Trockenlebensräume im Naturraum Hohenloher-Haller-Ebene Von den vier untersuchten Arten der Trockenhabi- tate des Jagst-Tals weist nur P. thersites im Natur- raum Hohenloher-Haller-Ebene eine beständige Verbreitung mit einer Anzahl von Vorkommen auf, zwischen denen in begrenztem Maße ein Austausch stattfinden kann. Die Saat-Esparsette wächst nicht nur auf den Halbtrockenrasen an den Hängen der Flusstäler, sondern auch auf Streuobstwiesen, extensiven Rinderweiden und ehemaligen Tagebauflächen. Ein enger Biotop- verbund der Vorkommen von P. thersites wie im mittleren Jagst-Tal besteht jedoch nicht (s. Kap. 3.1). Durch eine Extensivierung der Grünland- nutzung ist ein Potential zur Verbesserung dieser Situation gegeben, indem weitere Esparsetten- Bestände zwischen den sechs bisher bekannten Lokalpopulationen durch P. thersites dauerhaft besiedelt werden könnten. Die naturschütze- rische Pflege von Flächen mit Saat-Esparsette würde in Zukunft auch die Etablierung von G. ale xis in der Region begünstigen. Gleichermaßen könnte die Bestandssituation von C. minimus unter Umständen deutlich verbessert werden, wenn ausreichend Trittstein-Biotope zwischen den isolierten Lokalitäten durch die Vermehrung von Wundklee-Standorten geschaffen würden. Bei S. spini ist eine Ausbreitung auf die Hohen- loher-Haller-Ebene eher unwahrscheinlich. Die kleinen Bestände des Purgier-Kreuzdorns an wenigen Lokalitäten sind überaltert und eine na- türliche Verjüngung findet offenbar kaum statt. Das Vorkommen von P. argus ist eng gebunden an größere Bestände der Wirtsameise, bei der es sich in der Jagst-Kocher-Region um Lasius niger handelt. Liegt die Zahl der Wirtsameisen-Nester unter einer gewissen Grenze, kann P. argus nur auftreten, wenn sich eine größere Population in der Nachbarschaft befindet (max. 3 km im Tau- berland, S anetra et al. 2015) – bedingt durch die Standorttreue der Falter. L. niger reagiert zwar nur mäßig empfindlich auf Mahd, Beweidung oder Düngung ( S eifert 2017), doch zeigen sich die Nestdichten bei intensiverer Nutzung der Flächen geringer. Die Ausbildung von Nesthü- geln, die üblicherweise auf Grünlandflächen (im Gegensatz z.B. zu vegetationsarmen Flächen) beobachtet wird, ist dann nicht möglich. Folglich kann ab einer gewissen Nutzungsintensität kei- ne selbsterhaltende Population von P. argus be- stehen. Die Zahl der geeigneten Lebensräume Abbildung 68. Diese Grün- landstruktur entstand durch sehr extensive Pflegebe- weidung durch Schafe und erweist sich als günstig so- wohl für Plebejus argus als auch für Lycaena dispar . Für L. dispar ist dies ein un- gewöhnlicher Vorkommens ort abseits der Flusstäler. Zahlreiche Eier dieser Art konnten hier an Rumex crispus gefunden werden, einige wenige an Rumex obtusifolius ; NSG Gipsbruch Kirchbühl bei Lorenzenzim- mern; 22.8.2019. – Foto: R olf P rosi .
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