Carolinea 77

G üsten et al.: Bläulinge in der Jagst-Kocher-Region: Verbreitung, Ökologie, Schutz 139 den Arten der Wiesenknopf-Ameisenbläulinge (s. Kap. 9.3). Dem steht die Vorstellung gegen- über, dass die Gesamtdichte der Myrmica -Nester auf einer Fläche und nicht der Anteil der Nester einer bestimmten Myrmica -Art die Häufigkeit von P. teleius beeinflussen sollte (s. Kap. 9.3). Mög- licherweise ergeben sich schlüssigere Ergeb- nisse, sobald es möglich wird, die beiden bio- logischen Arten, die sich hinter M. scabrinodis verbergen ( E bner et al. 2019), in Feldstudien zu unterscheiden. Bevor es zu diesen Thematiken neue Erkenntnisse gibt, erscheint es riskant, im Naturschutz Maßnahmen zur Veränderung der von P. teleius besiedelten Habitate bezüglich einer Förderung von M. scabrinodis gegenüber M. rubra (wie z.B. Hinwirkung auf trockenere Substratverhältnisse durch sehr frühe und ggf. mehrfache Mahd im Frühjahr) einzuleiten. Bei erheblicher Modifikation eines solchen Lebens- raums besteht die Gefahr, dass die Gesamtzahl der Myrmica -Nester sinkt. Eine Erhöhung der Dichte der Myrmica -Nester sollte sich für P. teleius in jedem Falle positiv aus- wirken (z.B. D ierks & F ischer 2009), jedoch ist noch unklar, wie diese erreicht werden kann. Die eigenen Ergebnisse (Kap. 9.3, Tab. 13) zeigen kei- nen deutlichen Zusammenhang zwischen Myrmi­ ca -Dichte und Nutzungsart. Dabei hatten sowohl hochwüchsige Wiesenknopf-Glatthaferwiesen mit herbstlicher Pflegemahd (PF 5a) als auch zwei- schürige Wiesenknopf-Silauwiesen (PF 4) eine hohe Myrmica -Dichte, wie auch eine relativ große Anzahl an P. teleius . Auf manchen mehrschürigen Wiesen (PF 5b, PF 1b) fanden sich hingegen wesentlich weniger Myrmica -Ameisen an den Ködern. Eine sporadisch gemähte Wiesenknopf- Glatthaferwiese (PF 2) unterschied sich in ihren Habitatcharakteristika und auch in der Myrmica - Artenzusammensetzung kaum von der vorher genannten Fläche mit herbstlicher Mahd (PF 5a), aber die Myrmica -Dichte war um mehr als die Hälfte geringer. Folglich kann vorerst nur ange- raten werden, Lokalitäten mit guten Vorkommen von P. teleius in ihrem jeweiligen Charakter be- züglich Feuchtigkeit und Vegetationsstruktur zu erhalten. Aufgrund von Unterschieden bei der Lebensweise der Raupen (s. Kap. 9.3) wird nur selten beobach- tet, dass P. teleius an einer Lokalität häufiger ist als P. nausithous ; somit bildet P. teleius natürlicher- weise nur geringe Populationsdichten aus (sog. low-density species). Flächen mit hohen Dichten von P. teleius , auch wenn diese vielfach durch menschliche Einflüsse entstanden sind, kommt für den Artenschutz eine besondere Bedeutung zu. Nahe Wüstenrot finden sich beispielsweise zwei naturnahe Lokalitäten in höherwüchsigen, ungenutzten Bereichen am Dachsbach (Kap. 9.3, Tab. 13). Den Autoren ist weiterhin ein Vorkom- mensort von P. teleius im Vorderen Odenwald (Hessen, Lkr. Darmstadt-Dieburg) bekannt, an dem fast jedes Jahr sehr hohe Falterdichten zu beobachten sind. Die Flächen werden vor dem 10.6. gemäht und im Herbst extensiv mit Rindern nachbeweidet (M. P etersen , pers. Mitt.). Insofern könnte im Falle der Möglichkeit einer Nutzungs- extensivierung bisher zweischüriger Wiesen eine Frühjahrsmahd gegenüber Herbstmahd zur Unterstützung von P. teleius favorisiert werden. Zweifellos sind weitere umfangreiche Studien notwendig, um zu ermitteln, welche Habitat­ ausprägungen an Wiesenknopf-Standorten die höchsten Dichten an Myrmica -Nestern erlauben. Dank Wir danken allen unseren Partnern in der Jagst-Ko- cher-Region für ihre wertvolle Unterstützung bei der Durchführung dieser Studie, für den sehr freundlichen Informationsaustausch und die angenehmen und pro- duktiven gemeinsamen Geländetermine: Landschafts- erhaltungsverband für den Landkreis Schwäbisch Hall e.V.: A ntonia K lein , M eike A ndruschkewitsch , R onja R o ­ senstein (Schwäbisch Hall); Landschaftserhaltungsver- band Hohenlohekreis e.V. und Landratsamt Hohenlo- hekreis: M ichael B uss , D unja A nkenbrand (Künzelsau); Landschaftserhaltungsverband für den Landkreis Heil- bronn e.V.: B ettina K luding (Heilbronn); NABU Gaildorf- Limpurger Land: K arl -H einz J ohe ; NABU Künzelsau: B rigitte V ogel ; NABU Öhringen: K arl -H einz M üller ; Schwäbischer Albverein e.V., Ortsgruppe Neuhütten: A dolf F eucht . Für die wie immer gute Zusammenarbeit gilt unser Dank auch Frau A strid G rauel (LUBW Karls- ruhe). Herr R olf P rosi (Aalen) unternahm mit uns meh- rere erfolgreiche Feldexkursionen und teilte freundli- cherweise seine umfangreichen Beobachtungen und Neunachweise von P. thersites und anderen Zielarten mit dieser Studie. Frau S usanne R öper (Neuenstein) ermöglichte uns die Berücksichtigung eines Standorts des Fluss-Ampfers und besuchte dankenswerterweise mit uns gemeinsam einige ihrer zahlreichen Fundorte von L. dispar und P. nausithous . Herr S tefan M ayer (Öhringen) machte uns großzügigerweise seine um- fangreiche Liste der Artbeobachtungen zugänglich, die er in langjährigen Feldstudien erarbeitet hat. Herr U we K norr (Untermünkheim) trug gleichfalls mehrere Neunachweise bei und unterstützte uns bei der Or- ganisation und Durchführung von zwei öffentlichen Exkursionen in der Jagst-Kocher-Region. Herr S te ­ phan S chwarz (Bad Mergentheim) steuerte Beobach- tungsdaten bei. Herr M ichael M eier (Münsingen) stellte eine kartographische Darstellung der Nachweise von

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