Carolinea 77
204 Carolinea 77 (2019) aus ungewöhnlicher Perspektive aufgenommene Schlupf der adulten Käfer. 16. Januar 2018 Kinder der Sonne – Unsere Schmetterlinge Film von und Podiumsdiskussion mit J an H aft (nautilusfilm Dorfen), aus aktuellem Anlass zum Thema Insektensterben, darüber hinaus Themen- vortrag zur Dauerausstellung „Welt der Insekten“ des Karlsruher Naturkundemuseums Schmetterlinge gibt es in allen Formen und Aus- prägungen: Unter den fast 3.700 heimischen Arten gibt es neben Winzlingen mit einer Flü- gelspannweite von wenigen Millimetern auch Riesen, deren ausgebreitete Flügel 16 Zentime- ter messen. In kaum einer anderen Tiergruppe herrscht eine derartige Vielfalt an Formen und Farben. Viele Falter prangen in den herrlichsten Farben, während andere auf ein Tarnkleid set- zen, das sie mit der Umgebung regelrecht ver- schmelzen lässt. Schmetterlinge gelten gemein- hin als zarte, fragileWesen, und doch vollbringen einige von ihnen geradezu Unglaubliches wie ei- nen Nonstop-Flug über die Alpen oder das Meer, eine Leistung, die man sonst nur von den Vögeln kennt. Und viele der scheinbar so harm- und wehrlosen Falter sind ihren Gegnern durchaus nicht hilflos ausgeliefert: Ein Paar riesiger star- render Augen schlägt jeden Feind in die Flucht. Und ein Giftcocktail setzt auch weit stärkere Gegner „schachmatt“. In „Kinder der Sonne – unsere Schmetterlinge“ werden die beliebten Insekten in all ihren Entwicklungsstadien und in ihrer unglaublichen Vielfalt vorgestellt. Eine Vielfalt, die aber auch bedroht ist. Vor allem die Schmetterlingsgesellschaften der Blumenwiesen sind mittlerweile zur Rarität geworden. Nach der Vorführung in Karlsruhe fand eine Podiumsdiskussion mit dem Naturfilmer und dem Schmetterlingskurator des Staatlichen Museums für Naturkunde Karlsruhe, Dr. R obert T rusch , über die dramatische Abnahme unserer Schmet- terlinge in der heimischen Natur statt. Im Ergeb- nis wurde mit Datum vom 18.1.2018 die folgende Pressemitteilung des NWV herausgegeben, die ein gutes Presseecho fand: Menschen fordern Agrarwende zur Rettung der Schmetterlinge und anderer Insekten – EU-Agrarförderung muss an gesellschaftliche Leistungen gekoppelt werden, aktuelle Arten- schutzbestimmungen sind im Grundsatz ver- fehlt Im Karlsruher Naturkundemuseum zeigte am 16. Januar 2018 auf einer Veranstaltung des Naturwis- senschaftlichen Vereins Karlsruhe e.V. der Tierfil- mer J an H aft den Film „Kinder der Sonne – Unsere Schmetterlinge“. Wegen des Insektensterbens fand nach der Vorführung eine Podiumsdiskussion mit dem Naturfilmer und dem Schmetterlingsexperten des Staatlichen Museums für Naturkunde Karlsruhe Dr. R obert T rusch statt. Wie H aft ausführte, sind in Deutschland in den letzten 25 Jahren 98 % der Heuwiesen verschwun- den. Das sind jene Blumenwiesen, auf denen früher Schmetterlinge in abertausenden Exemplaren gau- kelten. Hauptursache für den dramatischen Rück- gang unserer Schmetterlinge und vieler anderer In- sekten ist die industrielle Landwirtschaft: Sie duldet keine Feldraine mit Wildkräutern und Hecken in der Flur und bedient sich eines übermäßigen Einsatzes von Insektiziden und Herbiziden. Ein weiteres Kar- dinalproblem ist die von ihr praktizierte extreme Überdüngung mit Stickstoff. In der Diskussion wurde klar, dass sich die Verluste bei den Insekten nicht allein durch kleinräumiges, privates Engagement im Garten ausgleichen las- sen. Dafür sind Gärten mit nur 4 % der Landesflä- che einfach zu wenig. Trotzdem muss es unser Ziel sein, neumodische „Schottergärten“ in blühende Schmetterlingsgärten zu verwandeln. Auch die Na- turschutzgebiete werden das Artensterben nicht A bbildung 3. Raupe der Grauen Moderholzeule (Xyle na exsoleta ) auf dem Badberg. Diese Art ist in Baden- Württemberg sehr selten geworden und wurde seit der Jahrtausendwende nur noch am Kaiserstuhl gefunden. – Foto: R olf M örtter , Entomologische Jugend-AG.
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