Carolinea 77

252 Carolinea 77 (2019) kenloch und in den Brüchleswiesen in Karlsru- he-Bulach zwischen dem 26.10.2018 und dem 18.11.2018 durch H arald W iedemann und seine Kollegen von der Berufsfeuerwehr Karlsruhe drei große, noch stark besetzte Nester entfernt und dem Naturkundemuseum zur Untersuchung übergeben. Dieses Vorgehen ist durch EU-Recht vorgesehen, seitdem Vespa velutina 2016 in die EU-Liste der unerwünschten und zu bekämpfen- den invasiven Arten aufgenommen wurde, da sie als Bedrohung einheimischer Bienen angesehen wird, insbesondere von Honigbienen. Dr . A lexander R iedel , Kurator für Käfer und an- dere Insekten (außer Schmetterlingen, Wespen, Bienen und Ameisen), führte Anfang des Jah- res eine Reise nach Papua-Neuguinea durch, die hauptsächlich der weiteren Erforschung der Rüsselkäfergattung Trigonopterus diente. Dabei wurde die Fauna höherer Berge auf den D’Entrecasteaux-Inseln erfasst, insbesonde- re dem Mt. Pabinama auf Normanby und Mt. Oiamadawa´a auf der Insel Goodenough. An- schließend wurde die Umgebung von Mt. Hagen im zentralen Hochland besucht. Insgesamt führ- te dies zur Entdeckung von knapp 100 weiteren Trigonopterus- Arten, was die Zahl der vorliegen- den Arten auf insgesamt 953 erhöhte. Die „Ziel- marke“ von 1.000 Arten dieser Gattung ist also in greifbare Nähe gerückt! Eine weitere Reise nach Indonesien hatte hauptsächlich das Ziel, Kontak- te zu lokalen Wissenschaftlern und Universitäten anzubahnen, was zur Vorbereitung weiterer An- träge bzw. Projekte nötig ist. Im Molekularlabor wurden neben den routine- mäßigen Extraktionen und Sanger-Sequenzie- rungen weitere Illumina-Sequenzierbibliotheken hergestellt und extern auf einem Illumina MiSeq sequenziert. Unser „Fragment Analyzer“ bewähr- te sich bei diesen und anderen Aufgaben. Aus den Gesamtgenom-Datensätzen mit niedriger coverage ( genome skimming ) konnten meist relativ vollständige mitochondriale Genome, ver- schiedene Histone sowie die ribosomalen Gene 18s und 28s rekonstruiert werden. Diese Technik wurde auch bei einer neuen Zusammenarbeit mit Dr. G eorg P etschenka (Justus-Liebig-Universität Giessen) zur Evolution der Ritterwanzen (Lygae­ idae) erfolgreich angewandt. Zwischen Februar und Juni 2018 verstärkte Dr. M arianna S imões die Arbeiten am Trigono­ pterus -Projekt. In der zweiten Jahreshälfte arbeitete Dr. R iedel zusammen mit R aden P ra ­ mesa N arakusumo , Kurator für Käfer am Indo- nesischen Forschungszentrum für Biologie, an einem taxonomischen Manuskript über mehr als 100 neue Trigonopterus -Arten von der Insel Sulawesi, das bei der Zeitschrift „ZooKeys“ ein- gereicht wurde. Dr. R obert T rusch , der Kurator für Schmetterlin- ge des SMNK, wurde am 7.3.2018 von Minister- präsident W infried K retschmann in ein Gremium mit externen Sachverständigen berufen, das die Umsetzung eines „Sonderprogramms zur Stär- kung der biologischen Vielfalt“ zu begleiten hat. Der Ministerrat des Landes Baden-Württemberg hat dieses Sonderprogramm beschlossen, aus dessen Mitteln den Ministerien für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz sowie für Verkehr des Lan- des Baden-Württemberg für die Jahre 2018 und 2019 insgesamt 30 Millionen Euro für Maßnah- men und weitere 6 Millionen Euro für Monitoring zusätzlich zur Verfügung stehen. Damit werden Maßnahmen umgesetzt, die demVerlust der Bio- diversität entgegenwirken sollen, aber es werden auch Grundlagendaten erhoben. Die Beratung der Landesregierung durch die Mit- arbeit in dem bereits viermal einberufenen Fach- gremium war für Dr. T rusch sehr arbeitsintensiv. Ebenfalls beratend, dieses Mal für die Bundesre- gierung, war R obert T rusch auf dem „9. Nationa- len Forum zur biologischen Vielfalt, Aktionspro- gramm Insektenschutz – Gemeinsam wirksam gegen das Insektensterben“ am 10.10.2018 in Berlin tätig. Für alle drei Themenkomplexe des Aktionsprogramms stand der Kurator des SMNK als „Anwalt der Insekten“ Rede und Antwort: „Le- bensräume für Insekten verbessern und wieder- herstellen“ (Handlungsbereiche 1-3 und 6 des Aktionsprogramms), „Beeinträchtigung von Le- bensräumen durch Stoffeinträge“ (Handlungsbe- reiche 4-5) sowie „Forschung, Finanzierung und Kommunikation“ (Handlungsbereiche 7-9). Über die symbolische Unterschriftenübergabe der Pe- tition „Schluss mit Pestiziden und der Vergiftung von Schmetterlingen“ von Dr. T rusch – gemein- sam mit der Deutschen Umwelthilfe – unmittelbar vor der Veranstaltung berichtete sogar die Tages- schau an diesem Tag. Dies zeigt einmal mehr, wie sehr die Expertise einer Institution wie dem Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe nicht nur für „Insider“, sondern von allgemeinem Interesse ist.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI1Mjc=