Carolinea 78
Carolinea 78 (2020): 135-136, 2 Abb.; Karlsruhe, 29.01.2021 135 Die Atlantische Bergschrecke Antaxius pedestris ( F abricius , 1787) neu für Baden- Württemberg (Ensifera, Tettigoniidae) F lorian T heves Kurzfassung 2019 erfolgte der Erstnachweis der südwestalpin ver- breiteten Atlantischen Bergschrecke Antaxius pedes tris für Baden-Württemberg. Die Fundumstände wer- den beschrieben und das Vorkommen in den Kontext weiterer Beobachtungen der Art außerhalb des natür- lichen Verbreitungsareals gestellt. Abstract The common mountain bush cricket Antaxius pedestris ( F abricius , 1787) – new for Baden-Württemberg (Ensifera, Tettigoniidae) In 2019 the common mountain bush cricket Antaxius pedestris was observed in Baden-Württemberg for the first time. The circumstances of the discovery are de- scribed and shown in the context of further observa- tions outside the natural distribution area of this south- west-alpine species. Autor Dr. F lorian T heves , Rosenstraße 5, 76356 Wein garten (Baden); E-Mail: ftheves@gmx.net, Tel.: 07244/ 5564171 Einleitung Aktuell sind für das deutsche Bundesgebiet 92 Heuschreckenarten nachgewiesen; bei elf da- von handelt es sich um Neozoen ( Z immermann , mündl.). Eine der Arten, die diese Gruppe von „Exoten“ zuletzt bereicherte, ist die Atlantische Bergschrecke Antaxius pedestris ( F abricius , 1787). Auf den Erstnachweis in Bayern 2014 folgten 2016 Funde in Rheinland-Pfalz ( R öller & S turm 2016, www.nabu.de , www.rheinpfalz. de). 2019 konnte die ursprünglich südwestalpin verbreitete Art erstmals auch für Baden-Würt temberg belegt werden. Am 20.9.2019 fiel dem Verfasser in den Pflanz- kübeln auf seinem Balkon im vierten Stock eine große Strauchschrecke auf, die sich keiner hei- mischen Art zuordnen ließ. Von Prof. Dr. P eter D etzel wurde diese schließlich als eine weibliche Antaxius pedestris bestimmt. Da die Beobach- tung zunächst auf diesen Fund beschränkt blieb und es sich um ein einzelnes verschlepptes Ex- emplar handeln konnte, wurde dieser nicht pu- bliziert. Ein Jahr darauf, am 26.8.2020, gelangte dann zufällig erneut ein Weibchen derselben Art durch ein offenes Fenster in die Wohnung des Autors und kurz darauf (29.8.) wurde ein weiteres auf dem am Haus neben einer Hecke geparkten Auto beobachtet. Die wiederholten Funde adulter Weibchen der flugunfähigen Art in zwei aufeinanderfolgenden Jahren sprechen für die Existenz einer etablierten Population in näch- ster Umgebung zum Fundort. Dieser grenzt unmittelbar an eine Gärtnerei, die auf den Vertrieb großer exotischer Kübelpflanzen spezialisiert ist, von denen viele aus dem medi- terranen Bereich stammen. So liegt die Vermu- tung nahe, dass Eier oder Tiere mit diesen aus dem natürlichen Verbreitungsareal der Art, das sich von Südwestfrankreich über Vorarlberg bis nach Nordtirol in Österreich (www.orthoptera. ch) erstreckt, eingeführt wurde. Aus der Schweiz (Berner Oberland) und Frankreich (Franche- Comté, Jura) liegen zwei Meldungen zu in jün- gerer Zeit entdeckten, isolierten Vorkommen vor, die aber vermutlich autochthonen Ursprungs sind ( R oesti 2014, B rugel et al. 2015 ). Neunach- weise aus weiteren Ländern sind nicht bekannt. Die strukturreichen Schauanlagen der Gärtnerei Abbildung 1. Weibchen von Antaxius pedestris aus Weingarten. – Foto: T orsten B ittner .
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