Carolinea 78
136 Carolinea 78 (2020) und die Gärten der umliegenden Grundstücke sowie die milden klimatischen Verhältnisse in der nördlichen Oberrheinebene dürften der wärme- liebenden Art ausgesprochen günstige Lebens- bedingungen bieten. Während der Erstnachweis für Deutschland vom 13.11.2014 aus der Umgebung des Münchner Olympiastadions auf nur einem einzelnen Weib- chen beruht, konnten bei gezielter Nachsuche an- lässlich einer ersten Beobachtung am 14.10.2016 in Limburgerhof (Ludwigshafen, Rheinland-Pfalz) Exemplare der Art auf 15 Grundstücken im Ortsbe- reich nachgewiesen werden (www.nabu.de) . R öl - ler & S turm (2016) schätzen die dortige Population auf mehrere hundert Tiere. Bei dem Fund im ba- dischen Weingarten handelt es sich somit vermut- lich um die zweite bekannte etablierte Population in Deutschland und den Erstnachweis der Art für Ba- den-Württemberg. In der aktuell in Überarbeitung befindlichen Roten Liste der Heuschrecken Baden- Württembergs ist die Atlantische Bergschrecke deshalb für eine Aufnahme in die Rubrik „Arten mit diskussionswürdigem Status“ vorgesehen. Die Suche nach weiteren Tieren nach Dämme- rungseinbruch in der Gärtnerei – insbesondere nach singenden Männchen – verlief bislang er- folglos, was den zu diesem Zeitpunkt relativ küh- len Nachttemperaturen geschuldet sein kann. Als interessanter Nebenfund wurden dort aber drei in hohen Gräsern stridulierende Männchen der Großen Schiefkopfschrecke Ruspolia nitidula ( S copoli , 1786) beobachtet. Da adulte Tiere der Atlantischen Bergschrecke von Juli bis November auftreten, sind erneute Funde 2020 nicht auszuschließen. Aufgrund der eher versteckten Lebensweise der Art sind künf- tig weitere Meldungen aus Deutschland wahr- scheinlich. Die bekannten Vorkommen sollten auf ihren Fortbestand überprüft und mögliche Ausbreitungen dokumentiert werden. Auch wenn von der Art keine Bedrohung durch Konkurrenz für heimische Heuschrecken ausgehen dürfte ( R öller & S turm 2016), bleibt die Entwicklung spannend, da künftig sicher weitere Insekten- arten in Deutschland auftreten werden, die von einer Kombination aus Globalisierung und Klima- wandel profitieren. Dank Herrn P eter Z immermann (Karlsruhe) danke ich für den Anstoß zur Veröffentlichung des Fundes und die kri- tische Durchsicht des Manuskripts sowie Herrn Prof. Dr. P eter D etzel für die Bestimmung des Weibchens von A. pedestris . Herrn Dr. T orsten B ittner (Karlsruhe) danke ich für die Erstellung der professionellen Fotos. Literatur B rugel , É., D ehondt , F., G authier -C lerc , M. & M ora , F. (2015): Découverte de la Decticelle marbrée Antaxi- us pedestris ( F abricius , 1787): En Franche-Comté: statut dans le massif jurassien et perspectives de découvertes. – Matériaux orthoptériques et entomo- cénotiques 20 : 107-108. R oesti , D. (2014): Ein bemerkenswerter Fund: die At- lantische Bergschrecke Antaxius pedestris ( F abri - cius , 1787) in der Simmenfluh bei Wimmis, Berner Oberland (Ensifera, Tettigoniidae). – Entomo Helve- tica 7 : 169-172. R öller , O. & S turm , M. (2016): Erste Beschreibung einer Population der Atlantischen Bergschrecke ( Antaxius pedestris ) in Deutschland (Limburgerhof, Pfälzische Rheinebene, Südwestdeutschland). – Naturkunde aus dem Südwesten 7 : 1-7. Internetquellen www.nabu.de/news/2016/10/21411.html (Stand 7.9.2020) www.rheinpfalz.de/politik/rheinland-pfalz_artikel, -bio- logen-atlantische-bergschrecke-in-schifferstadt-auf- getaucht-_arid,1539449.html (Stand 7.9.2020) www.orthoptera.ch/arten/item/antaxius-chopardius- pedestris (Stand 7.9.2020) Abbildung 2. Frontalansicht eines Weibchens von An- taxius pedestris aus Weingarten. – Foto: T orsten B itt - ner .
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