Carolinea 78

Carolinea 78 (2020): 143-169, 19 Abb.; Karlsruhe, 29.01.2021 143 Bestandsaufnahme, Schutz- und Pflegemaß- nahmen für die Röhricht-Gebiete „Bruch“ und „Landgraben“ in St. Ilgen und Sandhausen bei Heidelberg J ohn F. B urton & P eter W eiser Kurzfassung Dieser Bericht fasst faunistische und floristische Lang- zeituntersuchungen in einem unerschlossenen, ca. 1,9 ha großen Gebiet ursprünglichen Sumpflandes in St. Ilgen, das von den Einheimischen als „Bruch“ bezeichnet wird, sowie am benachbarten Entwässe- rungskanal „Landgraben“ zusammen. Während das Bruch neben Beständen alter Weiden und Erlen auch Reste von Schilfröhricht und ausgedehnte Brennnes- selfluren aufweist, sind am Landgraben vor allem die größeren zusammenhängenden Schilfgebiete von Be- deutung. Insbesondere die Brutvorkommen von Teich- rohrsänger, Sumpfrohrsänger und Rohrammer, aber auch viele andere Artvorkommen in diesen benachbar- ten Arealen, lassen sie als besonders schützenswert erscheinen. Abstract Survey, protection and conservation of the reedbed areas “Bruch” and “Landgraben” in St. Ilgen and Sandhausen near Heidelberg This report is the result of a long-term study of the fauna and flora of an undeveloped area of relict marshland, about 1.9 hectares in extent, adjacent to a suburban residential area at St. Ilgen known to the local people as “Bruch” (bog or swamp), together with the Landgraben, a neighbouring drainage chan- nel. As well as stands of old willows and alders, there are in the Bruch the remains of formerly quite large reed-beds that have been invaded and crowded out by extensive growths of brambles and nettle-beds. The Landgraben has along sections of its course, huge linear reed-beds and adjacent areas that are impor- tant for a wide diversity of wildlife, including breeding marsh warblers, reed warblers and reed buntings. These habitats and their wildlife inhabitants are de- serving of special protection and conservation ma­ nagement. Autoren J ohn F. B urton , In der Etzwiese 2, 69181 Leimen; E-Mail: johnfburton@gmx.de , Tel. 0 62 24 / 17 39 36, Dr. P eter W eiser , Hermann-Löns-Weg 33, 69207 Sandhausen; E-Mail: peter_weiser@t-online.de , Tel. 0 62 24 / 92 24 99 1 Einleitung Bei dem im Volksmund „Bruch“ genannten Ge- biet handelt es sich um ein Relikt der einst um- fangreichen Sumpf- und Feuchtgebiete, die sich südlich von Kirchheim bis Leimen und den öst- lichen Ortsrand von Sandhausen hinzogen. Das Bruch liegt unmittelbar südlich der Kläranlage „Untere Hardt“ im Leimener Ortsteil St. Ilgen, angrenzend zum nördlichen Ende der Julius- Becker-Straße (Abb. 1). Der Entwässerungskanal Landgraben sam- melt Wasser aus den Hügeln zwischen Leimen und Nußloch, fließt in Leimen im Bereich der Tinqueux-Allee teilweise unterirdisch, dann ein Stück parallel zur B3, bis er nördlich von St. Il- gen Richtung Sandhausen abzweigt. Er verläuft entlang der Nordseite der Verbands-Kläranlage, an deren Südrand das Gebiet Bruch liegt, wird nördlich von Sandhausen unter dem Leimbach hindurchgeführt (siehe Abb. 1) und vereinigt sich kurz vor Oftersheim mit dem Leimbach. Im Be- reich der Kläranlage (Landgraben Ost) und et- was weiter westlich (Landgraben West) befinden sich bemerkenswerte Röhrichtgebiete am Land- graben. In St. Ilgen und Leimen im Bereich des Oberlaufs von Landgraben und Leimbach gibt es sonst kaum größere naturnahe Rückzugsgebiete für Pflanzen und Tiere. 2 Methoden Alle floristischen und faunistischen Beobach- tungen bei den Begehungen wurden im Exkur- sionstagebuch notiert (und im Fall von P. W eiser später auf die Meldeplattform www.naturgucker. de übertragen). Vögel wurden entweder mit dem Fernglas beobachtet oder aufgrund des Revier- gesangs bzw. Rufs identifiziert. Insekten wurden beim Blütenbesuch beobachtet und fotografiert, ggf. auch gefangen und später bestimmt. Bei den auffälligeren Schmetterlingsarten reichte oft die optische Beobachtung. Heuschrecken wurden von J . F. B urton auch durch die Stridulationslaute

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI1Mjc=