Carolinea 78
156 Carolinea 78 (2020) 3.4 Anmerkungen zu Flora und Fauna Die Tabelle 3 listet die aufgefundenen Vogelar- ten, Säuger, Insekten und Pflanzen an beiden Abschnitten des Landgrabens auf. Dabei wurde ein Steifen von ca. 10-15 Metern auf jeder Seite des Landgrabens berücksichtigt. Sumpfrohrsänger Landgraben Ost/Kläranlage: am 2.6.1997 ein sin- gender Vogel am Landgraben im Brennnessel- Gestrüpp; am 12. und 16.5 und 8.6.1998 im glei- chen Abschnitt 2 Männchen singend (Weibchen ebenfalls anwesend); singendes Männchen am 19.6.2000 und im Zeitraum vom 4. bis 15.6. 2010. Teichrohrsänger Landgraben West: 15 singende Männchen am 31.5. und 3.6.1998. J. F. B urton fand am 13.6.1998 ein Nest mit 3 Eiern. Im Juni 1999 konnte er mehrere Brutpaare beobachten sowie am 26.6. zwei Nester: eines mit drei Eiern und eines mit drei Nestlingen und einem Ei. B. S tei - ner (persönliche Mitteilung) hat am 14.5.2018 und 14.5.2019 je 11 singende Männchen gehört. 2019 konnte P. W eiser den Teichrohrsänger zwi- schen 11.6. und 18.8. regelmäßig nachweisen, am 11. 5. mindestens 5 singende Männchen, bis zu 10 umherfliegende Vögel am 11.8. (Abb. 11). Landgraben Ost/Kläranlage, J. F. B urton : minde- stens ein Brutpaar 1997 (2 singende Männchen am 22.7.) und zwei Brutpaare im Schilf 1998, mit 3 singenden Männchen am 8.6. und 3.7.1998. Nach einem USA-Aufenthalt stellte J. F. B urton am 23.8.1998 fest, dass das Röhricht vor Ende der Brutsaison gemulcht worden war und die Teichrohrsänger verschwunden waren. Einige Paare haben in der Regel Zweitbruten. 1999 und 2000 brüteten mindestens zwei Brutpaare (4 sin- gende Männchen). Ein Paar konnte am 17.7.2000 von J. F. B urton bei der Fütterung eines flüggen Jungvogels beobachtet werden. Doch bereits am 23. 7. wurde das Röhricht wieder viel zu früh entfernt. Drei singende Männchen wurden am 22.7.2004 nachgewiesen, ebenso ein Paar bei der Fütterung von flüggen Jungen. In den Jah- ren 2005 bis 2010 brüteten mindestens je zwei Paare, wobei 2010 eine Zweitbrut erfolgte. Nach- dem es 2015 noch einen Brutverdacht gab, sind die Bedingungen des Röhrichts heute nicht mehr ausreichend für den Teichrohrsänger. Auch im Sommer 2019 konnte P. W eiser ein un- nötiges und sehr früheres Entfernen des Röh- richts beobachten, insgesamt wurde im ganzen Abschnitt der Hochwasserdamm bis auf die Bodenkrume abgemäht, was auch den Teich- hühnern hier keine Deckung mehr ermöglichte. Parallel dazu wurde im Winter 2018/2019 ein Großteil der Gebüsche und Gehölze auf dem Gelände der Kläranlage und in der Umgebung entfernt, sodass die ornithologischen und ökolo- gischen Werte des Areals sehr stark abgenom- men haben. Rohrammer ( Emberiza schoeniclus ) Landgraben West: 2 singende Männchen im Schilf im Mai und Juni 1998. Eine weitere Sich- tung im November 1999. Die Rohrammer brütet wahrscheinlich hier. Abschnitt entlang der Kläranlage St. Ilgen: 1 sin- gendes Männchen am 22.6.1999. Die noch existierenden Schilfgebiete im Ab- schnitt Landgraben West sind von besonderer Bedeutung als Bruthabitat für den Teichrohrsän- ger und das Teichhuhn, möglicherweise auch für die Rohrammer. Das Schilf bietet aber auch an- deren Vogelarten Deckung und Nahrung: Stare, Grünfinken und Schwalben können sehr regel- mäßig beobachtet werden; Schilfgebiete sind beliebte Schlafplätze für Stare. Im Sommer 2019 hielt sich auch eine Neuntöter-Familie längere Zeit hier auf (Altvögel und mindestens drei Jung- vögel, Abb. 12). Auf den benachbarten Feldern stehen alte Obstbäume, und Teile der landwirt- schaftlichen Fläche werden brach gelassen oder extensiv bewirtschaftet, was den Neuntöter för- dert. Darüber hinaus ist der Landgraben auch ein wichtiges Überwinterungs- und Rastgebiet für Limikolen und andere gewässerliebende Arten: Gebirgsstelze, Bergpieper, Rohrammer, Wald- wasserläufer ( B. S teiner ) und Eisvogel können jeden Winter beobachtet werden. Die Insektenfauna am Landgraben ist vom Mäh- zustand der Gewässer- und Wegränder abhängig. Darüber hinaus sind die Feld- und Wegränder mit ihrem Bewuchs und Blütenangebot, das Insek- ten anlockt, bedeutsam; wie die Tabelle 3 zeigt, werden an den Wegrändern am Landgraben Ost offenbar viele nicht-einheimische Pflanzen aus- gesät (sogenannte Blühstreifen). Im August ist das Blütenangebot in der weiteren Umgebung so niedrig, dass hier viele Arten beim Blütenbe- such beobachtet werden können, die in anderen Habitaten ihren Lebensraum haben (z. B. Sandra- senarten wie Bunte Wegwespe, Bienenjagende Knotenwespe und Gelbbinden-Furchenbiene, oder Bewohner von Holz oder hohlen Pflanzen- stängeln wie die Blaue Holzbiene und der Stahl- blaue Grillenjäger, Abb. 13). Interessant ist, dass
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