Carolinea 78

W eiser : Projekt Lebensader Oberrhein in der Schwetzinger Hardt 191 4 Bewertung und Ausblick Während im kalkhaltigen Teilgebiet 1 des Sau- pferchbuckels gezielt Pflanzen angesiedelt bzw. ausgesät wurden, ist das zweite Teilgebiet eben- so wie der Franzosenbusch offenbar nur mäßig erfolgreich durch Mäh- bzw. Rechgut (Silbergras und Besenheide) „angeimpft“ worden. Offene Sande herrschen hier immer noch vor, die An- zahl der Pflanzenarten ist deutlich geringer: das Silbergras ( Corynephorus canescens ) ist domi- nierend. In wenigen Exemplaren kommt jedoch inzwischen auch das Dünen-Steinkraut vor, was nicht ohne Weiteres durch das verwendete Spendermaterial erklärt werden kann. Generell ist eine Ansalbung diskussionswürdig und kann durchaus kritisch gesehen werden; sie sollte nur gut dokumentiert durchgeführt werden, mit ins Gebiet passenden Sippen und bekannter Her- kunft des Mäh- und Rechguts. Gerade bei sel- tenen Raritäten sollten Florenverfälschungen vermieden werden. Der Erfolg am kalkhaltigen Teilgebiet des Saupferchbuckels ist dennoch be- eindruckend. Bemerkenswert ist das Auftauchen von Arten, die auf der Düne Pferdstrieb nicht vor- kommen (z. B. Ästige Graslilie und Berg-Sand- glöckchen); das Samenpotenzial einiger Flächen in der Hardt scheint groß zu sein. Auf den beiden kalkarmen bzw. kalkfreien Flä- chen scheint dagegen auch eine natürliche Be- siedelung zu erfolgen mit Arten, die wahrschein- lich nicht angesalbt wurden ( Filago arvensis , Jasione montana ). Botanische Raritäten wer- den sich auf sehr kleinen und isolierten Arealen nicht schnell von selbst einstellen, dafür bietet die lückige Silbergrasflur aber spezialisierten Invertebraten sehr gute Bedingungen. Pionierar- ten wie die Blauflügelige Sandschrecke und die Grüne Strandschrecke finden hier einen idealen Lebensraum. Es wurde von Nabu-Mitarbeitern vermutet, dass die Grüne Strandschrecke mit dem Mäh- und Rechgut vom Hirschacker einge- schleppt wurde, wo sie 2015 ebenfalls nachge- wiesen wurde (N.N. 2016). Da sie ihre Eier jedoch im Boden ablegt ( F ischer et al. 2016), erscheint es plausibler, dass die neuen Offensande aktiv besiedelt wurden. Tatsächlich gibt es Belege für eine aktive Ausbreitung von A. thalassinus am Oberrhein ( O tt 2014, S eehausen 2016). Die Art ist ferner gut flugfähig und wird daher auch in Sandgebieten gefunden, die nicht als Bruthabitat dienen ( F ischer et al. 2016). Die Blauflügelige Sandschrecke ist sehr viel mehr auf offene und vegetationsfreie Sandha- bitate angewiesen als die ähnliche Blauflügelige Ödlandschrecke ( F ischer et al. 2016). In den Sandhausener Naturschutzgebieten kommt sie nicht mehr vor. Da Mantis religiosa auch im Naturschutzgebiet Hirschacker-Dossenwald vorkommt (eigene Be- obachtung am 21.9.2019), kann eine Verschlep- pung durch Rechgut nicht völlig ausgeschlossen werden. Früher war M. religiosa auf Wärmeinseln wie den Kaiserstuhl in Südbaden begrenzt. In- zwischen konnte sie ihr Areal entlang des Ober- rheins nach Rheinland-Pfalz und Hessen sowie in andere Teile Deutschlands ausdehnen ( H imm - ler 2006, L andeck et al. 2013), weshalb eine na- türliche Besiedlung des Franzosenbuschs plau- sibel erscheint. Am Franzosenbusch stellte sich erst im vierten Jahr eine individuenreiche Hymenopteren-Fauna ein. In den Nistaggregaten sind kleine Andrena - Arten und die Sand-Steppenbiene mit mehre- ren Grabwespen vergesellschaftet. Besonders erfreulich ist, dass die Große Kreiselwespe die Gebiete inzwischen besiedelt hat, denn die Grabwespe gilt nicht als ausbreitungsfreudig und braucht oft mehrere Jahre, bis geeignete neue Areale besiedelt werden ( B ettag 1989, K rüss & R ohde 1990, B lösch 2000). Nomioides minutis- simus konnte der Verfasser bisher nur in Natur- schutzgebieten (Sandhausen, Hirschacker) und Bembix rostrata nur selten beim Blütenbesuch außerhalb von Naturschutzgebieten nachweisen: die Funde sind also sehr erfreulich und machen Hoffnung für die Zukunft dieser Arten. Mit Brachycoleus pilicornis , Dicranocephalus al- bipes und D . agilis kommen drei seltene, wärme- liebende Wanzenarten auf dem Saupferchbuckel vor, die dem Verfasser auch von den Spender- flächen bekannt sind. Eine Verschleppung durch Rechgut ist denkbar, insbesondere bei B . pili- cornis , die als Ei überwintert, während die bei- den anderen Arten als Imago überwintern. Alle drei Arten findet der Verfasser sehr regelmäßig auf der Steppenwolfsmilch, obwohl für B . pili- cornis eine Bindung an die Warzen-Wolfsmilch beschrieben wird ( D eckert & W achmann , 2020). Da der Verfasser die Arten auch von anderen Standorten der Schwetzinger Hardt kennt, kann auch eine natürliche Besiedelung stattgefunden haben. Diese Arten sind auf jeden Fall eine Be- reicherung für den Saupferchbuckel. Für das Entwicklungs-Naturschutzgebiet „Brühl- wegdüne“ ( A rmbruster et al. 2019) sind diese kleinen Projekte von großer Bedeutung, weil sie aufzeigen, dass es möglich ist, durch Offenlegen des Sandbodens neuen Lebensraum zu schaf-

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