Carolinea 78

192 Carolinea 78 (2020) fen, der auch mit geringen künstlichen Eingriffen adäquat besiedelt wird. Natürlich müssen die freigelegten Flächen offengehalten werden und weiter kontinuierlich gepflegt werden, um die natürliche Sukzession zu verhindern. Das kann durch landschaftspflegerische Maßnahmen me- chanisch oder mittels Beweidung erfolgen. Interessant sind die Vergleiche zwischen Sau- pferchbuckel 2 und Franzosenbusch: Auf dem er- sten Gebiet gibt es bereits einen hohen Anteil an Flechten und Moosen, die den Sandboden be- decken und mittelfristig das Gebiet für die beiden selteneren Ödlandschrecken nicht mehr attraktiv erscheinen lassen. Das erinnert teilweise an die reifen Sandrasen in den Sandhausener NSGs und könnte mit der Art des eingebrachten Rech- guts zu tun haben. Eine Vergleichsfläche mit offenem Sand ohne Ansalbungsversuche wäre wünschenswert gewesen. Eine Reihe von interessanten faunistischen Be- obachtungen sind auf den hohen Totholzanteil in der Schwetzinger Hardt zurückzuführen. Im Bannwald Franzosenbusch nahe des Dünenbu- ckels darf das Totholz verrotten, ohne entfernt zu werden. Darüber hinaus sind aber auch die Kiefern in der übrigen Hardt durch die zuneh- mende Trockenheit in schlechter Verfassung. Die hier beschriebenen Gebiete wurden wohl auch deshalb ausgewählt, weil sich der Wald dort oh- nehin in einem schlechten Zustand befand. Als Insektenfreund freut man sich natürlich über die Funde seltener Buprestiden (Marien Prachtkä- fer) und Elateriden, tatsächlich sind die unüber- sehbaren Auswirkungen der Klimaerwärmung jedoch alarmierend. Nicht neu ist, dass die Schwetzinger Hardt auf- grund ihrer Lage (geringe Niederschlagsmengen im Oberrheingraben und durchlässige Flugsand- flächen) ein besonders trockener und warmer Standort ist. Durch die Klimaveränderungen gerät der Kiefernwald nun an seine Grenzen und stirbt aktuell flächenweise ab, zum Teil in einem rasanten Tempo. Die Entnahme zahlloser geschädigter und absterbender Bäume hat zur Folge, dass sich im Wald zunehmend offene Be- reiche finden. Dies könnte dem Ziel der Forstver- waltung entgegenkommen, die im Rahmen der Pflege- und Entwicklungsplanung für das „Re- gionale Waldschutzgebiet und Erholungswald Schwetzinger Hardt“ rund 20 Prozent offene, halboffene und Lichtwaldlebensräume anstrebt (Regierungspräsidium Freiburg 2013). Doch was als eine planvolle Umgestaltung des Waldes ge- dacht war, passiert jetzt weitgehend ungeord- net. Lichtliebende Neophyten wie Kermesbee- re, Robinie oder Spätblühende Traubenkirsche breiten sich an vielen Stellen massiv aus. Dass zum Beispiel die Kermesbeere nur unter groß- em Aufwand zurückgedrängt werden kann, zeigt ein Projekt der Forstlichen Versuchs- und For- schungsanstalt Freiburg (FVA) am Reilinger Eck zum Erhalt des lichten Weißmoos-Kiefernwaldes ( R upp et al. 2017). Im Zusammenhang der jüngsten Waldentwick- lung erhalten die Projekte des Biodiversitäts- projekts „Lebensader Oberrhein“ eine neue Bedeutung, denn sie zeigen, wie sich mit den passenden Pflegemaßnahmen lichter Wald und Offenbereiche positiv entwickeln können. Für die Zukunft der Schwetzinger Hardt wie auch des Entwicklungs-Naturschutzgebietes Brühl- wegdüne können die Ergebnisse auf den Pro- jektflächen wegweisend sein. Sie zeigen, wie die Entwicklung artenreicher Sandrasen und Offen­ sandbereiche unter verschiedenen Bedingungen (Kalkgehalt des Bodens) gestaltet werden kann. Auch die botanisch nicht ganz so wertvollen kalkarmen Sandflächen bieten einen vielfältigen Lebensraum für viele Invertebraten. Eine größe- re, etwas siedlungsfernere Fläche mit lichtem Wald und offenen Sanden würde darüber hi- naus auch einen ornithologisch wertvollen Le- bensraum schaffen können: Gartenrotschwanz, Ziegenmelker, Wiedehopf, Heidelerche, Wende- hals, Grau- und Trauerschnäpper oder Neuntö- ter werden in den Sandhausener NSGs und in der Schwetzinger Hardt nur vereinzelt beobach- tet, für einige Arten gibt es noch keine Brutnach- weise, möglicherweise weil es durch Siedlungs- nähe und Besucherdruck zu viele Störungen gibt. Die Hardtwälder besitzen eine sehr wichtige Funktion für den Wasserhaushalt, die Luftrein- haltung wie auch für das Mikroklima am nörd- lichen Oberrhein und sollten auf jeden Fall erhal- ten bleiben. Wenn jedoch klimabedingt vermehrt offene dü- nenartige Bereiche entstehen und toleriert wer- den, wäre das im Sinne der Biodiversität sicher ein Gewinn. 5. Zusammenfassung der wichtigsten Punkte 1. Schaffung neuer Offensandbereiche mit mehr oder weniger gezielter „Ansalbung“ kann er- folgreich sein und bietet neuen Lebensraum für viele Invertebraten; mitunter erscheinen sogar neue bzw. verschollene Arten unter den Erstbesiedlern. Sehr schützenswerte

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