Carolinea 78
Carolinea 78 (2020): 195-202, 5 Abb.; Karlsruhe, 29.01.2021 195 Altgrasstreifen in Naturschutzgebieten – eine Analyse der Heuschreckenfauna im Großraum Karlsruhe A lina S chulz Kurzfassung Altgrasstreifen zeigen in bisherigen Studien eine grö- ßere Vielfalt der Heuschreckenfauna als gemähte Ver- gleichsflächen. Dieser Effekt soll in Naturschutzgebie- ten im Landkreis Karlsruhe und im Enzkreis überprüft werden. Mittels der semi-quantitativen Erfassung mit dem Insektenstreifnetz wurde die Heuschreckenfauna in fünf Untersuchungsgebieten mit zwölf Altgrasstreifen (AGS) und zwölf Vergleichsflächen (0-Flächen) erfasst. Insgesamt sind im Sommer 2019 hierdurch 29 Arten und die Fangschreckenart Mantis religiosa in 1.444 Individuen erfasst worden. Jeweils einmal vor und zwei- bzw. dreimal nach dem Pflegeeingriff wurden die Probeflächen begangen. Durch die Berechnung von Ar- ten- und Individuendichten konnte aufgezeigt werden: Altgrasstreifen sind tendenziell arten- und individuen- reicher als die 0-Flächen. Auffällig ist das vermehrte Vorkommen von Langfühlerschrecken in den AGS im Vergleich zu den 0-Flächen. Mit einer Dominanz-Ana- lyse wurde herausgearbeitet, ob einzelne Arten eher im AGS oder auf den Vergleichsflächen erfasst wurden. So konnte gezeigt werden, dass Altgrasstreifen einen positiven Beitrag zum Heuschreckenschutz leisten. Auf der Basis einer Literaturauswertung zur Mähtechnik sollten Altgrasstreifen zusätzlich mit einer faunascho- nenden Mähweise kombiniert werden. Sind beide As- pekte in der Grünlandpflege integriert, beeinflusst dies die Landschaft positiv – vor allem in Hinblick auf Struk- turreichtum und Biodiversität. Abstract Old grass stripes in nature reserves – a study of the Orthoptera fauna of the Karlsruhe region This study aims to establish the effect of one-year-un- cut grass stripes on Orthoptera species in nature re- serves in and around Karlsruhe, as well as the Enzkre- is area. Employing a semi-quantitative survey, a sweep net was used to sample orthopterans in five areas, in total 12 uncut stripes and 12 mown control areas. This yielded 1.444 individuals belonging to 28 species of Orthoptera as well as to the mantid Mantis religiosa . The areas were sampled once before the intervention and two or three times afterwards. Calculating densities for species and individuals allowed for a comparison between uncut stripes and control areas. The uncut stripes were richer in species as well as an individu- als and often contained significant numbers of Ensifera species. The calculation and analysis of species domi- nance showed preferences for either uncut stripes or control areas. This undoubtedly shows the importance of uncut stripes or similar methods for rotating fallows in ecologically motivated grassland management. Un- cut stripes are a userfriendly method for increased bio- diversity as well as an easy way to increase structural diversity in nature reserves. Autorin A lina S chulz , c/o Regierungspräsidium Karlsruhe, Referat 56 „Naturschutz und Landschaftspflege“, Karl-Friedrich-Straße 17, D-76247 Karlsruhe; E-Mail: alina.schulz@posteo.de 1 Einleitung Altgrasstreifen (AGS, Abb.1) bezeichnen über ein Jahr stehen gelassene Wiesen- oder Wei- denabschnitte, die entweder bei der Pflege oder der Nutzung ausgespart wurden. So fungieren AGS während und nach dem Eingriff als Refu- gien für wiesenbewohnende Arten ( B oness 1953 in F artmann & M attes 1997) und bieten ganzjäh- rig einen ungestörten Lebensraum. Es liegen verschiedene Arbeiten über Altgrasstreifen mit Bezug zu Heuschrecken vor. Hieraus wird deutlich: – AGS sind individuenreicher als gemähte Ver- gleichsflächen ( I ngrisch & K öhler 1997, H um - bert et al. 2010, B uri 2015) – AGS sind artenreicher als gemähte Vergleichs- flächen ( H andke et al. 2011, B uri 2015) – Langfühlerschrecken (Ensifera) sind häufiger in AGS zu finden ( B uri 2015) Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Überprüfung des AGS-Effekts in Naturschutzgebieten im Großraum Karlsruhe. Da es sich bei den Unter- suchungsgebieten um Schutzgebiete handelt, ist es ebenfalls wichtig zu wissen, welche Arten von AGS profitieren oder auf AGS angewiesen sind: Profitieren Rote-Liste-Arten von AGS? Welche Handlungsempfehlungen erfolgen aus den Er- kenntnissen dieser Untersuchung? Zur Beant- wortung dieser Fragen wurden in Karlsruhe das Naturschutzgebiet (NSG) Burgau und ein Gebiet am Heidesee in der Nordstadt sowie drei Natur-
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