Carolinea 78

S chulz : Analyse der Heuschreckenfauna in Altgrasstreifen 197 teprozess, der die Heuschreckenpopulation um weitere 70-90 % reduziert ( H umbert et al. 2010). Ähnlich wie eine Mahd kann eine hohe Besatz- dichte von Weidetieren (10-50 Großvieh/ ha) auf die Heuschreckenfauna wirken ( R adlmair & D olek 2002). Extensive Beweidung schafft hin- gegen Strukturvielfalt, die sich durch ein Weide- mosaik aus hochwüchsigen Strukturen neben kurz abgefressenen Bereichen sowie offenen Bodenstellen auszeichnet. Dies kann vielen Heu- schrecken- und anderen Tierarten zusätzliche Habitate bieten ( F artmann & M attes 1997, K ast - ner et al. 2014). Die Verbreitung von Heuschre- ckenarten durch das Weidetier mittels Anhaftung (Epizoochorie) konnten F ischer et al. (1996) beo- bachten, was für wenig mobile Arten von Bedeu- tung sein kann. Bei der Beweidung sind Faktoren wie Trittbelastung, Wahl des Weidetieres, Inten- sität und Dauer Einflussfaktoren für das Artvor- kommen und die Individuendichte. Basierend auf den Kenntnisse über die Auswirkungen verschie- dener Mahd- und Beweidungsarten auf die Heu- schreckenfauna stellt die vorliegende Studie dar, welche Rolle AGS bei einer faunaschonenden Pflege spielen können. 3 Methode Mittels eines Insektenstreifnetzes (Bioform Klappnetz Automatik V2A, 40 cm Ø) wurden ent- lang von 24 Transekten die Heuschreckenindivi- duen in den AGS und in den Vergleichsflächen je Untersuchungsbiet gekeschert und protokolliert (Abb. 2). Die Untersuchungen fanden vormittags bis nachmittags bei warmer, trockener und wind- stiller Witterung statt. Um den Effekt der AGS zu erfassen, wurde einmal vor und zwei- oder drei- mal nach der Mahd bzw. Beweidung kartiert. Da- bei galt: pro Kescherschlag ein Schritt. Die zu ver- gleichenden Transekte waren jeweils gleichlang, jedoch wurde keine standardisierte Transektlän- ge in den Untersuchungsgebieten genutzt. Um dieser Herausforderung zu begegnen, wurden Art- und Individuendichten pro Fläche berech- net und grafisch (über Excel) dargestellt. Dabei wurden die Daten der AGS und der 0-Flächen je Untersuchungsgebiet zusammengefasst (Abb. 3, 4). Um Präferenzen bezüglich der AGS oder Ver- gleichsstreifen herauszuarbeiten, kam zusätzlich die Dominanzanalyse nach M ühlenberg (1993) zum Einsatz. Dabei wird bei jeder Art der Anteil errechnet, den eine Art in einer Artgemeinschaft einnimmt. Hierbei wurde jeweils das Vorkommen einer Art zwischen AGS und Vergleichsflächen unterschieden. In dieser Veröffentlichung werden aufgrund des Umfanges der fünf Dominanz-Dia­ gramme nur die Tendenzen (Tab. 1) aufgeführt. 4 Ergebnisse und Diskussion Vom 10. Juli bis zum 28. August 2019 fanden 16 Untersuchungstermine auf 12 AGS und 12 Vergleichsflächen statt. Unter den festgestellten Heuschrecken befanden sich 15 Arten, die auf der deutschen Roten Liste ( H aupt et al. 2011) ste- hen, und acht Arten, die auf der baden-württem- bergischen Roten Liste ( D etzel &W ancura 1998) verzeichnet sind (Tab. 2). Teilweise sind Flächen schon vor der Kartierung gemäht worden, was die Erfassung des AGS-Effekts (Vergleich vor und nach dem Pflegeeingriff) erschwerte. Vor Kartierbeginn waren im NSG Burgau AGS auf 12 % der Fläche angelegt worden. Im NSG Beim Steiner Mittelberg wurden etwa 60 %, im NSG Ersinger Springenhalde etwa 30 % der Flächen vor dem ersten Untersuchungstag ge- Abbildung 2. Sche- ma einer Untersu- chungsfläche. AGS und die zu verglei- chenden Flächen sollen mindestens 10 m auseinander liegen, dabei soll der Gehölzbestand so gering wie mög- lich sein. Eigene Darstellung. NSG UG AGS Transekt

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