Carolinea 78

204 Carolinea 78 (2020) einem Karabiner in den angrenzenden Wäldern unterwegs, was für die damalige karge Zeit nicht ungewöhnlich war. 1951 heiratete er seine Frau W altraud (geb. Z wecker , * 9.3.1930 in Hoch- stetten, † 15.12.2014 in Eggenstein) und grün- dete eine Familie. Aus der Ehe, die ein Leben lang hielt, gingen vier Kinder hervor: K arl -H einz (1953-1972), B ernhard (1954-2018), H ildegard (1957) und U lrich (1963). Als Jugendlicher und junger Erwachsener war K arl R atzel sehr sportlich. Er nutzte vor Kriegsende die Möglichkeit zum Segelflug, spielte Handball im TV Hochstetten (Abb. 2), machte Leichtathletik und war in den1950er-Jah- ren unter anderem Hardtmeister im Speerwurf. Erst verhältnismäßig spät, Ende der 1960er-Jah- re im Alter von 40 Jahren, entdeckte K arl R atzel seine Liebe zu den Schmetterlingen und begann eine Sammlung anzulegen. Diese Leidenschaft konnte er mit seinen Kindern teilen. Damals formierte sich eine ganze Gruppe von entomo- logisch interessierten Jugendlichen, von der ich auch noch im Jahr 2002, als ich im Karlsruher Naturkundemuseum meinen Dienst begann, als der „Hochstettener Gruppe“ hörte, da aus ihr bekannte Lepidopterologen hervorgingen. 1972 starb der älteste Sohn K arl -H einz auf tragische Weise. 1974 erfolgte ein Umzug der Familie nach Karlsruhe. K arl engagierte sich nun schmetter- lingskundlich intensiver zusammen mit U lrich . Für K arl R atzel war es anfangs die damals noch reichhaltige Lokalfauna des nördlichen Land- kreises Karlsruhe mit seinen Rheinauen, Bruch- wäldern, Schilfgebieten und Feuchtwiesen sowie dem Hardtwald, der sein besonderes Interesse galt. Hier konnte er zahlreiche Seltenheiten und einzelne, als verschollen geltende Arten wieder aufspüren. Der frühe Tod seines ältesten Sohns K arl -H einz hatte ihn schwer getroffen und so war es sicherlich ein Trost für ihn, dass der Jüngste, U lrich , in die entomologischen Fußstapfen stieg und sie gemeinsam eine durchaus seltene Vater- Sohn-Beziehung mit gemeinsamen Freizeitinte- ressen und vielen gemeinsamen Touren leben konnten. So erweiterte K arl später seinen Wir- kungskreis auf ganz Baden-Württemberg, die Alpen, Südfrankreich und Spanien (Abb. 3). Au- ßerdem machte er auch Reisen nach Äthiopien, Arabien und Marokko, auf denen er Schmetter- linge sammelte. Abbildung 2. K arl R atzel als Sportler, hintere Reihe rechts (Handball, TV Hochstetten), Anfang der 1950er-Jahre. – Foto: privat.

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