Carolinea 78

Nachruf 205 In Äthiopien und Arabien besuchte er jeweils zweimal seinen Sohn B ernhard , der dort – immer noch locker mit der Entomologie verbunden und Schmetterlinge sammelnd – für die humanitäre Organisation „Menschen für Menschen“ bzw. für eine deutsche Baufirma arbeitete. Bei dieser Gelegenheit lernte K arl auch K arlheinz B öhm , den Schauspieler und Gründer von „Menschen für Menschen“ näher kennen und sie stellten fest, dass sie nicht nur eine Namensähnlichkeit hatten, sondern auch noch fast am selben Tag des Jahres 1928 geboren wurden. Durch diese Auslandsreisen kam bemerkenswertes Material aus Arabien und Äthiopien in seine Schmetter- lingssammlung. Während anfangs die Sammelleidenschaft im Vordergrund seiner Beschäftigung mit den Schmetterlingen stand, gelang es ihm später, an- geregt durch die Möglichkeit der Mitarbeit an der Buchreihe „Die Schmetterlinge Baden-Württem- bergs“, die im SMNK entstand und von G ünter E bert herausgegeben wurde, einen Wandel zum Beobachter und eifrigen Melder zu vollziehen. So konnte K arl R atzel viele Nachweise von Rau- pennahrungspflanzen aus Baden-Württemberg erbringen und manche Arten durch gezielte Nachsuchen auffinden. Sein Kürzel im Grundla- genwerk lautet „RAK“. In enger Zusammenarbeit mit seinem Sohn U lrich widmete er sich insbe- sondere ab 1991 mit intensiver Freilandarbeit der Biologie der Gattung Eupithecia (Blütenspanner) in Baden-Württemberg. Sein Sohn dankte es ihm mit dem Patronym Eupithecia karli R atzel & M i - ronov 2008. K arl war handwerklich sehr geschickt. Seine er- sten 20 Schmetterlingskästen baute er selbst, sie sind bis heute erhalten und von guter Qualität. Auch seine vielen Spannbretter, ob in fixer Grö- ße oder verstellbar, fertigte er selbst an, für ihn als Schreiner war das kein Problem. Seine Leucht- ausrüstung entwickelte er ständig weiter, insbe- sondere was die Konstruktion des Turmes und die Anordnung der Lampen anging. So mochte er es nicht, dass – wie bei den üblichen Leuchttürmen – die Lampen von innen nach außen strahlen und dadurch die außen sitzenden Falter für den Be- trachter im Gegenlicht sitzen und mit Taschenlam- pen betrachtet werden müssen. Sein zuletzt ver- wendeter Leuchtturm hatte einen quadratischen Grundriss und die Lampen waren an gegenüber- liegenden Seiten nach außen verlegt. Seine über viele Jahrzehnte zusammengetra- gene Sammlung umfasst fast 40.000 Exemplare. Sie befindet sich heute bei seinem Sohn U lrich ; Abbildung 3. K arl R atzel auf Schmetterlingstour in Süd- frankreich, Les Mees, 10. Mai 1985. Die Sammelreisen gemeinsam mit Freund H elmut nach Südfrankreich und Spanien waren für ihn schöne Naturerlebnisse: Er genoss die Natur und das nächtliche Leuchten nach Faltern genauso wie die Campingatmosphäre mit selbst gekochtem Frühstückskaffee oder der warmen Mahlzeit vom Gaskocher, und nicht zu vergessen der abendliche Rotwein! Die von ihm gesammelten Belege stehen heute in seiner Sammlung zur Verfügung. – Foto: H elmut B aumgärtner .

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