Carolinea 78
226 Carolinea 78 (2020) Naturwissenschaftlicher Verein Karlsruhe e.V. Entomologische Arbeitsgemeinschaft Rückblick auf das Jahr 2019 Im Jahresprogramm der Entomologischen Ar- beitsgemeinschaft waren für das Berichtjahr vier Vorträge angekündigt, die bis auf einen, für den es allerdings am selben Abend kompetenten Ersatz gab, planmäßig im Großen Saal im Nym- phengarten-Pavillon des Staatlichen Museums für Naturkunde Karlsruhe stattfinden konnten. Als Exkursionsziele standen Baden-Württemberg mit einer Führung in die Umgebung Karlsruhes und auch Italien mit dem Apennin im Programm. Am 1. März, ausnahmsweise also einmal nicht am letzten Freitag im Monat, sondern dem er- sten, berichtete ab 19.00 Uhr Dr. M anfred V er - haagh vom SMNK über die Asiatische Hornisse in Karlsruhe und ihre Bekämpfung. Die ursprüng- lich in Südostasien heimische Hornissenart Ves- pa velutina L epeletier , 1838 wurde vermutlich 2004 in der dunklen Variation „ nigrithorax “ nach Südwestfrankreich eingeschleppt, von wo aus sie sich in den letzten Jahren schnell über ganz Frankreich, das nördliche Spanien und Portugal sowie nach Italien ausbreitete. 2017 wurde die Art auch aus Großbritannien, den Niederlan- den und der Schweiz gemeldet. In Deutschland wurde V. velutina erstmals im September 2014 in Waghäusel nördlich von Karlsruhe durch ein Foto belegt. Das erste Nest wurde noch im November des gleichen Jahres aus Büchelberg im südlichen Rheinland-Pfalz bekannt. Seit 2016 wurden Nester in Karlsruhe gemeldet, 2018 auch aus den nördlich und südlich gelegenen Landkreisen. Im Vergleich zur einheimischen Hornisse Vespa crabro L innaeus , 1758 baut V. velutina 3-5-fach höhere Volksstärken in 50-80 cm im Durchmes- ser großen Kartonnestern auf, die frei in den Kronen verschiedener Baumarten hängen. In ihnen entwickeln sich im Laufe des Jahres mehr als 10.000 Arbeiterinnen und um die 1.000 Jung- königinnen. Da bei V. velutina in Europa, neben anderen Hymenopteren und Dipteren, Arbeite- rinnen der Honigbiene Apis mellifera im Durch- schnitt zwei Drittel der als Larvennahrung ein- getragenen Beutetiere ausmachen, steht die Art auf der EU-Liste der invasiven gebietsfremden Arten, die „sofort vollständig und dauerhaft“ zu beseitigen sind. Deshalb werden bekanntgewor- dene Nester wenn möglich von der Feuerwehr entfernt. Allerdings sind bislang keine Verfahren bekannt geworden, die die Ausbreitung in Euro- pa stoppen bzw. effektiv eindämmen können. Am 29. März fesselte uns Dr. G eorg P etschen - ka von der Justus-Liebig-Universität Gießen mit seinem sehr schönen Vortrag: „Wie Pflanzen- gifte die Koevolution von Insekten und Pflan- zen vermitteln“. Im Laufe der Evolution haben Pflanzen eine unüberschaubare Vielfalt soge- nannter sekundärer Pflanzenstoffe entwickelt, deren Funktion unter anderem darin gesehen wird, Fressfeinde abzuwehren. Im Gegenzug verfügen herbivore Insekten über faszinierende Anpassungen, die es ihnen erlauben, Pflanzen dennoch als Nahrungsressource zu nutzen. Da- rüber hinaus machen sich Insekten Pflanzengifte sogar zunutze, indem sie die Substanzen spei- chern (Sequestration), um sich selbst gegen Räuber, wie beispielsweise Vögel, zu schützen. Die Ergebnisse der aktuellen Forschung in der Arbeitsgruppe von G. P etschenka legen nahe, dass eine derartige Nutzung von Pflanzengiften und der damit einhergehende Schutz eine bisher wenig beachtete evolutionäre Triebkraft darstellt, die zur Nutzung bestimmter Pflanzen durch In- sekten führen kann. Nach der Sommerpause ging es am 25. Okto- ber weiter. Leider musste aus privaten Gründen der angekündigte Vortrag von K laus N immerfroh (Stuttgart) zur Biologie der Gruppe der Eisvögel ( Limenitis ) und Trauerfalter ( Neptis ) entfallen. Als Ersatz hörten wir, gemeinsam mit der Entomolo- gischen Jugend-Arbeitsgemeinschaft und etwas früher als gewohnt um 18.00 Uhr, einen überaus fundierten Vortrag von K arsten G rabow von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Sein Vortrag „Von langlebigen Eintagsfliegen und kö- cherlosen Köcherfliegen – Vielfalt und Biologie unserer Wasserinsekten“ enthielt spannende Fakten und exzellente Fotos einheimischer In- sekten. Es war die erste gemeinsame Veranstal- tung von Entomologischer Jugend-AG und En-
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