Carolinea 78

S taatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe 253 schen. Es sind bereits mehrere Publikationen über diese bedeutende Sammlung erschienen, deren digitale Erfassung die Zugänglichkeit der Sammlung für weitere Forschungsvorhaben er- leichtern wird. Eine repräsentative Auswahl der Steinwerkzeuge soll in Zukunft im SMNK im Rahmen einer Dauerausstellung zur Mensch- heitsgeschichte präsentiert werden. Kurz vor Jahresende gelang dem SMNK noch ein ganz besonderer Wurf: Ende Oktober 2019 wurde dem Abteilungsleiter Geowissenschaften, Prof. F rey , und Museumsdirektor L enz der fast vollständige Flügel eines Urvogels der Gattung Archaeopteryx angeboten. Das seltene Stück war am 1.6.2019 in einem Steinbruch bei Mühl- heim (Landkreis Eichstätt) gefunden worden. Mithilfe von Zentralfondsmitteln und der von Direktor L enz organisierten finanziellen Unter- stützung durch den Förderverein „Freunde des Naturkundemuseums Karlsruhe e. V.“ konnte das Stück erworben werden. Es ist erst der 14. Ar- chaeopteryx -Fund und er wird als das „Karlsru- her Exemplar“ in die Geschichte eingehen. Nun ist das SMNK das sechste öffentliche Museum weltweit, das Originalknochen von Archaeopte- ryx besitzt. 1.4 Abteilung Biowissenschaften Vor dem Hintergrund der stark gewachsenen Präsenz, der Biodiversitätskrise und insbeson- dere des Insektensterbens in den Medien er- fahren auch die langjährigen floristischen, my- kologischen, faunistischen und ökologischen Untersuchungen der Abteilung Biowissen- schaften des SMNK mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung. Während Naturschutzverbände und die Fachwelt bereits seit Jahrzehnten den zunehmenden Artenschwund thematisierten, auf die immer länger werdenden Roten Listen der ge- fährdeten Arten und den prekären Zustand von Natur und Landschaft hinwiesen, wurde diese Entwicklung von großen Teilen der Politik erst in den letzten Jahren anerkannt. Die angelaufenen Bestrebungen, die negative Entwicklung mit so- liden Daten zu belegen und vor allem Ursachen und Verursacher besser zu kennen, um gegen- steuern zu können, lassen hoffen, dass die Wert- schätzung für die Forschungsarbeiten des Natur- kundemuseums Karlsruhe weiter zunimmt. Die Anlage und der Unterhalt von Belegsammlungen sowie das Datenmanagement sind mit einem ho- hen Aufwand verbunden, der die entsprechende personelle und materielle Unterstützung benötigt und auch verdient. Im Referat Botanik trat zum 1.2.2019 Dr. J osef S immel die Stelle des Referatsleiters an. Er war zuvor an der Universität Regensburg am Lehr- stuhl für Ökologie und Naturschutzbiologie (Prof. Dr. P eter P oschlod ) tätig. Seit demWeggang der früheren Referatsleiterin Dr. S imone L ang zum 30.6.2018 hatte der Leiter der Abteilung Bio- wissenschaften, Dr. H ubert H öfer , das Referat kommissarisch geleitet. Glücklicherweise wur- den das Gefäßpflanzen-Herbar und die Krypto- gamen-Herbarien in dieser Zeit von Dr. M atthias A hrens und den beiden technischen Mitarbeite- rinnen S usanne D annenmaier und A ndrea mayer engagiert betreut, unterstützt von der Volontärin R amona B uchheit und ehrenamtlichen Mitarbei- terinnen und Mitarbeitern. So konnte Dr. S immel für die weiteren Planungen und Arbeiten zur Vor- bereitung des Umzugs der botanischen Samm- lungen auf bewährten Strukturen aufbauen. Mit Wirkung zum 9.12.2019 wurden durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau endlich die dringend benötigten Flächen angemietet, um Sammlungsbestände auslagern zu können, was aufgrund der anstehenden Renovierungsar- beiten erforderlich ist, aber auch für eine Verbes- serung der klimatischen und kuratorischen Kon- ditionen gebraucht wird. Das neue Außendepot wird in einem Lagergebäude im Rheinhafenge- lände eingerichtet, in dem ca. 550 m² an Depot- und Arbeitsräumen zur Verfügung stehen. Zusammen mit Frau M ayer hat Herr S immel das Analytiklabor des SMNK neu aufgestellt. Für die Erhebung ökologischer Daten an Pflanzenma- terial und Erdproben wurden u. a. Messsonden für pH-Wert und elektrische Leitfähigkeit sowie eine umfangreiche Bodenprobenausrüstung beschafft. Diese Ausstattung ermöglicht die Untersuchung vieler biotischer und abiotischer Faktoren, die bei den von Herrn S immel adres- sierten Forschungsfragen benötigt werden, z. B. hinsichtlich von Sukzessionsprozessen, öko- logischen Zeigerwerten und dem Einfluss der menschlichen Landnutzung. So wurde 2019 die frühe Gefäßpflanzen-Suk- zession auf aufgelassenen Tagebauflächen in Rheinland-Pfalz zusammen mit C lara D afer - ner , einer M.Sc.-Studentin, untersucht. Weiter- hin ist Herr S immel am Forschungsprojekt der

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