Carolinea 78

252 Carolinea 78 (2020) derer Tiere aus dem letzten Eiszeitalter zutage gefördert hatte. Die Untersuchung des Materials zeigte, dass die beiden geborgenen Faultier- schädel jeweils zu bislang unbekannten Arten gehören. Einer der beiden Schädel zeigt zudem pathologische Veränderungen. Das gesamte neue Faultiermaterial wurde dokumentiert, mit dem 3D-Scanner aufgenommen und beprobt. Die Forschungsreise im Herbst 2019 musste wegen eines komplizierten Bruches, den sich W. S tinnesbeck zugezogen hatte, umgeplant wer- den. E. F rey musste die studentische Exkursi- on übernehmen, die W. S tinnesbeck parallel zu den Forschungsarbeiten durchführen wollte. Er erhielt dafür einen Lehrauftrag von der Univer- sität Heidelberg. Das exkursionsbedingte Hel- ferpotenzial wurde dazu genutzt, das Teilskelett eines juvenilen Hadrosauriers zu bergen, der seit 2014 geschützt durch Gipsmäntel und Sand in der Halbwüste lag. Die Bergung gelang inner- halb eines einzigen Tages. Die Exkursion endete in Playa del Carmen, wo S. S tinnesbeck die Un- tersuchung der neuen Bodenfaultiere fortgesetzt hatte. Vor der Exkursion hatten E. F rey und S. S tin - nesbeck als geladene Gäste an einem zweitä- gigen Symposium über Pleistozän-Fundstellen in der Nähe von La Paz bei San Luis Potosí teilgenommen. Diese Tagung war auf Initiative eines Minenmitarbeiters, C arlos B rinn , zustan- de gekommen, der im Januar 2019 das SMNK besucht und Kontakt mit E. F rey geknüpft hatte. Nach der Tagung nahm E. F rey zusammen mit C. B rinn die paläontologische Sammlung des re- gionalen Museums auf. Diese Sammlung enthält pleistozäne Knochen und Jura-Ammoniten aus international völlig unbekannten Fundstellen. Eine private Artefakt-Sammlung mit mehr als 17.000 Stücken wurde besichtigt, in der Klingen liegen, die so bisher nur aus Frankreich bekannt waren. Die wichtigsten Stücke wurden fotogra- fiert. Es wurden vier beprobte Profile in Steinbrü- chen in der Nähe von La Paz aufgenommen, de- ren geologischer Hintergrund derzeit unklar ist. Nach dem Erfolg der Voruntersuchungen wurde beschlossen, bei der DFG einen Anbahnungs- antrag zu stellen. Zum Thema Lehre ist zu ergänzen, dass Prof. F rey nach langer Pause in Lyon wieder eine Vor- lesung im Rahmen eines internationalen Paläon- tologie-Kurses an der École normale supérieur de Lyon (ENS Lyon) über Pterosaurier, deren Bau und technische Umsetzungsmöglichkeiten abgehalten hat. Nach Einstellung der Volontäre D ennis G rabow und S onja S cheiben konnte im November 2019 endlich mit der systematischen Aufnahme der umfangreichen Steinartefakte-Sammlung von Prof. Dr. H ans -W alter P oenicke aus Pfinztal- Söllingen begonnen werden. Diese einzigartige Sammlung hatte Museumsdirektor Prof. Dr. N or - bert L enz im März 2017 für das SMNK gewinnen können. Herzstück der Sammlung sind mehrere tausend jungpaläolithische Oberflächenfunde aus Königsbach-Stein (Enzkreis): Steinwerk- zeuge des frühen anatomisch modernen Men- Abbildung 15. Schädel und anderere Reste von Prärie- Mammuts ( Mammuthus columbi ) im „Museo Bern- abé de las Casas“ in Mina (Nuevo León). Der Besuch diente der Aufnahme von Elementen der Megafauna der Region. Das Museum ist ein Produkt deutsch-mexika- nischer Zusammenarbeit. – Foto: E. F rey .

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