Carolinea 78

S taatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe 251 auch die Teilnahme am 19. International Con- gress on Carboniferous and Permian (ICCP) in Köln bei. In dem von Abteilungsleiter Prof. Dr. E berhard „Dino“ F rey geleiteten Referat Paläontologie und Evolutionsforschung fand die erste, nach Boli- vien führende Forschungsreise des Jahres 2019 im Februar statt. Teilnehmer waren Prof. F rey , Prof. Dr. W olfgang S tinnesbeck , (Universität Hei- delberg), S arah S tinnesbeck und die Archäologin Dr. O lga G abelmann (Universität Bonn). Hauptziel der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Reise war die Untersuchung menschlicher Überreste aus vorkolumbianischer Zeit in den Museen der Städte Cochabamba, Tarija und La Paz. Dabei wurden auch die Be- gleitfauna und zahlreiche Artefakte begutachtet. Alle fünf menschlichen Skelette und Skelettres­ te stammen von unterschiedlichen Menschen- typen, darunter ein Hüne von 1,9 m Höhe und ein 1,6 m großer Mensch mit auffälligen Überaugen- wülsten und flacher Stirn. Die Erlaubnis zur Pro- bennahme wurde erteilt und es wurde sogar ge- stattet, das Schläfenbein des „Sumpfmenschen von Cochabamba“ für weitere Untersuchungen nach Karlsruhe auszuleihen. Eine Forschungsreise im März 2019 führte E. F rey sowie W. & S. S tinnesbeck in das Paläonto- logische Museum der mexikanischen Großstadt Guadalajara, wo sie Knochen von Bodenfaul- tieren dokumentierten und für die Altersbestim- mung beprobten. Die Zeit wurde auch genutzt, um am Rande des Faultierprojekts Figurinen, Gefäße und andere Artefakte aus der präkolum- bianischen Zeit zu studieren. Von besonderem Interesse waren dabei Gefäße und Figuren, die aus Knochen eiszeitlicher Großtiere angefertigt worden waren, und ausgezeichnet erhaltene Speerschleudern mit Elfenbeinhaken, die nur von fossilen Elefanten stammen können. An- schließend wurden paläontologische Funde in der Sammlung des Museo Bernabé de las Casas in Mina (Nuevo León) studiert, wo in den 1970er- Jahren mehrere Mammutskelette und Reste an- derer Großtiere gefunden worden waren. Zahl- reiche Knochen aus den damaligen Grabungen sind im Museum ausgestellt, darunter der mäch- tige Schädel eines Präriemammuts ( Mammuthus columbi ). Die Stücke in der Ausstellung, deren wissenschaftliche Bearbeitung noch aussteht, wurden fotografisch dokumentiert. Der letzte Abschnitt der Forschungsreise führte nach Playa del Carmen (Quintana Roo), wo der Leiter des mexikanischen Nationalinstituts für Anthropologie und Geschichte (Instituto Nacio- nal de Antropología e Historia INAH) mit seinem Team neues Faultiermaterial und Knochen an- Abbildung 14. Das Labor des Muséo de Paleontología in der mexikanischen Großstadt Guadalajara verfügt über eine umfangreiche regionale Sammlung von Knochen aus dem letzten Eiszeitalter. Die Menschenschädel sind allerdings Abgüsse. – Foto: E. F rey .

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