Carolinea 78

256 Carolinea 78 (2020) ten gemeldet, aus Baden-Württemberg von nur einem Ort in den 1990er-Jahren. Aus dem Raum Karlsruhe war sie bisher nicht bekannt, wurde aber vielleicht auch übersehen, und zwar nicht etwa weil sie klein oder unauffällig wäre, sondern weil sie im Feld nicht von ihrer Schwesterart Do- lomedes fimbriatus (Spinne des Jahres 2020) zu unterscheiden ist. Nach einer ersten Beob­ achtung durch den ehrenamtlichen Mitarbeiter H arald B rünner 2018 konnten wir die Art mit Genehmigung des Regierungspräsidiums sam- meln und damit den spektakulären Nachweis belegen und absichern. Inzwischen wurden zu unserer Überraschung mehrere Individuen der Art im Rahmen von Mageninhaltsanalysen von Ochsenfröschen gefunden, die im Rahmen eines Projekts von Dr. A lbrecht M anegold von L aura K astner durchgeführt wurden. Dies ist ein wei- terer Hinweis darauf, dass die Art vielleicht doch häufiger ist als bisher gedacht. Dasselbe gilt wohl für die Wasserspinne ( Argyro- neta aquatica ), die einzige Spinnenart weltweit, die ihren ganzen Lebenszyklus unter Wasser verbringt und nicht zuletzt deshalb auch das Wappentier der Arachnologischen Gesellschaft ist. Mit Unterstützung durch den Limnologen S iegfried K ehl und den Nationalpark-Ranger L udger S cheuermann konnten beim zweiten An- lauf mehrere Exemplare der Art im Huzenbacher See gesammelt werden. Erfreulicherweise stell- te sich die Haltung und Beobachtung einfacher als erwartet heraus, sodass inzwischen mehr als 30 Minuten Videosequenzen zum Bau einer Wohnglocke unter Wasser erstellt und zu einem kommentierten Film geschnitten und zusammen- gestellt werden konnten, der am 9.11.2019, dem „Tag der Offenen Tür“ im SMNK, zusammen mit den lebenden Spinnen gezeigt wurde. Mittlerwei- le ist der Clip auch auf dem YouTube-Kanal des Museums zu sehen. Solche wertvollen Daten zur Verbreitung und Ökologie werden inzwischen regelmäßig aus der Sammlungsdatenbank Di- versityWorkbench in den Atlas der Spinnentiere Europas ausgespielt. Wirbeltierkurator Dr. M anegold war neben den Arbeiten in der Wirbeltiersammlung (s. Abschnitt 6.2.2) vor allem mit der Koordination von Umzü- gen, Anmietung von Lagerflächen und der Su- che nach Interimdepots befasst. Seit April 2019 nimmt er neben M artin H örth (Leiter der Abtei- lung Zentrale Dienste) und M ichael A dam (Leiter des Referats Technischer Dienst) auch regelmä- ßig an den Baubesprechungen zur Dach- und Fassadensanierung teil. Seit September ist er darüber hinaus Mitglied des Lenkungskreises „Zentraldepots“, der auf Initiative der Ministerien (MWK und FM) bei der Betriebsleitung initiiert wurde und regelmäßig in Stuttgart zusammen- kommt. Mit Blick auf die bis Ende 2020 abzu- schließende Vermögensbewertung hat Herr M anegold wieder eine entsprechende Schulung für die Nutzung der Datenbank imdas pro durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BSZ orga- nisiert, im Laufe des Jahres immer wieder Hilfe- stellung bei der Erfassung geleistet und Daten zum Import in SAP vorbereitet. Im Referat Entomologie koordinierte Referatslei- ter Dr. M anfred V erhaagh das seit 2017 laufende Projekt „Stadt.Wiesen.Mensch“, an dem auch Dr. H öfer und T obias B auer aus der Zoologie, D aniela W arzecha aus der Entomologie, A ndreas K leinsteuber aus der Botanik sowie die Abtei- lung Kommunikation beteiligt sind. In dem vom MWK geförderten Projekt geht es um Erfassung und Monitoring der Artenvielfalt in städtischen Grünflächen und die Vermittlung dieser Aspekte an die Bevölkerung. Im Zuge der Aufnahmen im Jahr 2017 wurden von D. W arzecha insgesamt 171 Wildbienenarten auf 33 städtischen Wiesen nachgewiesen. Für 14 Flächen liegen auch Da- ten von Aufsammlungen aus dem Jahr 2002 und somit von zwei Jahren vor.Während im Jahr 2002 98 Wildbienenarten auf diesen Flächen nachge- wiesen wurden, waren es im Jahr 2017 103 Ar- ten. Es hat sich gezeigt, dass die Artenzusam- mensetzung nach 15 Jahren noch weitgehend identisch ist, bis auf das Fehlen oder Vorhanden- sein einzelner Arten. Insgesamt scheinen viele Arten in der aktuellen Aufnahme häufiger ver- breitet als noch vor 15 Jahren. Zeigte sich in der Artenzusammensetzung ursprünglich ein starker Einfluss des Stadtteils der Aufnahme, so sind viele ehemals seltener gefundene Arten nun über die gesamte Stadt verteilt. Mit ca. 300 Arten auf 28 botanisch untersuchten Grünflächen (über- wiegend Sandrasen und Glatthaferwiesen) wur- den von A. K leinsteuber immerhin 20-25 % der in Karlsruhe aktuell vorkommenden Gefäßpflanzen- arten nachgewiesen. Dies ist erstaunlich, weil die Flächen nicht nach floristischen Gesichtspunkten ausgesucht worden waren und die Gesamtunter- suchungsfläche nur wenig über 10 Hektar betrug. Dieser Befund unterstreicht – wie bei den Wild- bienen – die große Bedeutung der Grünanlagen für den innerstädtischen Artenschutz.

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