Carolinea 78
T rusch et al .: Nachtaktive Insekten an Windenergieanlagen 89 H orn et al. (2008) auch für WEA bestätigt. So zeigen simultan durchgeführte Fänge bei der faunistischen Kartierung von Nachtfaltern, dass Lichtfanganlagen, die windgeschützt stehen, im Vergleich zu windexponiert platzierten, in dersel- ben Nacht deutlich mehr Arten und Individuen anlocken. Es erscheint plausibel, dass dies auch für die hier durchgeführten Untersuchungen an einer WEA Gültigkeit hat. Damit kristallisiert sich die niedrige Windge- schwindigkeit als wahrscheinlichste Ursache für die überdurchschnittlich hohe Insektenaktivität am 20./21. Juni heraus.Wenn jedoch bei höheren Windgeschwindigkeiten die Aktivität der nacht- aktiven Insekten eine geringere ist, dann ist auch eine mögliche (hier jedoch nicht beobachtete) Anlockwirkung auf Insekten durch WEA weniger kritisch für nachtaktive Prädatoren, die diesen In- sekten potenziell nachstellen. Im Umkehrschluss würde eine aus reicherem Nahrungsangebot in windarmen Nächten resultierende erhöhte An- lockwirkung auf nachtaktive, insektenjagende Prädatoren weniger problematisch sein. Denn in solchen Nächten sollte der Rotor der WEA nicht in Bewegung sein. Die Gefahr, erschlagen zu werden oder ein Barotrauma am Außenrand der Rotorflügel zu erleiden, ist dann nicht gegeben. Obwohl sich dadurch tendenziell mehr Fleder- mausaktivität in warmen, windstillen Nächten erklären lässt, beantwortet es die Frage nicht, warum es dennoch Fledermausschlagopfer bei höheren Windgeschwindigkeiten und vermeint- lich geringem Nahrungsangebot gibt. Sinnvoll ist es daher, bei hoher Flugaktivität von Insek- ten wie auch von Fledertieren (Chiroptera) als technische Naturschutzmaßnahme mithilfe von Schwarmerfassung eine Abschaltung von WEA durch LiDAR/SODAR (oder anderen Radartech- nologien) vorzusehen, um generell eine höhere Überlebensrate von allen Tieren an diesen An- lagen zu gewährleisten. Aufgrund der geringen Energieausbeute bei niedrigen Windgeschwin- digkeiten dürfte dies aus wirtschaftlicher Sicht vertretbar sein. Die teilweise hohen Schlagopfer zahlen bei diesen Tiergruppen können jedenfalls nicht primär auf Jagdflüge aufgrund eines gün- stigeren Nahrungsangebots an WEA zurückge- hen. 4.2 Zusammensetzung der Insektenaus- beuten in Kanzelfalle und Mastfußfalle Die taxonomisch-systematische Zusammenset- zung der mit der KF auf der WEA nachgewie- senen Insekten zeigt deutliche Unterschiede im Vergleich zu den in Bodennähe mit der MF regis- trierten. Analysiert wurde dies hier mindestens Abbildung 20. Über- sicht der aus den Be- triebsdaten der WEA (minütliche Messwerte) errechneten Mittelwerte der Windgeschwindig- keiten auf der Kanzel in ca. 100 m Höhe zu den Beprobungster- minen zwischen 23:00 und 01:00 Uhr. Für die Zeiträume der mehr- tägigen Beprobungen wurde der für diese Zeitspanne berechnete Mittelwert verwendet. 8 7 6 5 4 3 2 1 0 15.05.2018 24.05.2018 22.08.-29.08.2018 17.07.2018 03.07.2018 20.06.2018 05.06.2018 9.10.-17.10.2018 12.09.-18.09.2018 m/sec
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