Carolinea 78
90 Carolinea 78 (2020) bis zum systematischen Level der Insektenord- nung, bei den Lepidoptera (Schmetterlinge) wei- testgehend bis zur Art. Während in der MF die Lepidoptera die Hauptmenge ausmachen, sind es in der KF die sogenannten Gleichflügler oder Homoptera (Ordnung Hemiptera, Schnabel- kerfe). Danach folgen für die KF die Ordnungen Coleoptera (Käfer) und Diptera (Zweiflügler). Die Artenzahl bei den Lepidoptera beträgt in der KF nur 11, dagegen sind es in der MF 175. Dieser Anteil ist mit 6,29 % noch kleiner als der bei den Individuenzahlen festgestellte (7,92 %). Auffällig ist, dass auf der WEA besonders viele kleine Insekten von 2 bis 5 mm Körpergröße registriert wurden. Sie zählen zu den Gruppen der Zikaden (Auchenorrhyncha) und Blattläuse (Aphidoidea) sowie zu den Kurzflügelkäfern (Co- leoptera: Staphylinidae). In Bodennähe bilden dagegen die Schmetterlinge die absolute Haupt- menge, nicht nur hinsichtlich der Anzahl der Indi- viduen, sondern auch von der Artenzahl. Durch ihre Körpergröße gilt dies auch hinsichtlich der Biomasse, welche als Nahrung potenziell ver- fügbar ist. Wie man beim nächtlichen Lichtfang beobachten kann, werden Nachtfalter häufig als Nahrung von Fledermäusen (Chiroptera) genutzt und im Lichtkegel der Lichtfanglampe erbeutet. Dabei handelt es sich jedoch überwiegend um andere Arten als jene, die in größerer Höhe durch WEA betroffen sind ( P aton mdl. Mitt.). Zu erwähnen ist, dass an/zu allen Untersuchungsterminen/-zeiträumen mit den beiden Lichtfallen KF und MF, anders als von Untersuchungen aus den USA berichtet ( R y - dell et.al . 2010), keine Wanderfalter festgestellt werden konnten, die gelegentlich in höheren Luftströmungen fliegen. Vermutlich haben wir mit den gewählten Beprobungsterminen bzw. -zeiträumen 2018 keine Zeitfenster getroffen, in denen nachtaktive Wanderfalter im Untersu- chungsgebiet vorhanden waren. Dies bestätigt auch die Artenliste des mLF, die hier als Refe- renz für das Untersuchungsjahr herangezogen wird. Auch mit ihm wurden keine Wanderfalter beobachtet. Die insgesamt beobachtete Zahl von 330 Schmetterlingsarten liegt unter unseren Er- wartungen für dieses strukturreiche Gebiet. Mit den neun Erfassungen hätten wir deutlich mehr Schmetterlingsarten erwartet. Allerdings fehlen, durch den späten Start der Untersuchungen ab 15. Mai und auf grund der zeitlichen Anordnung der neun Beprobungen im Jahr, die Gilde der Frühlings-, aber auch die Winter-Arten. Letztere konnten mit der Beprobung am 9. Oktober von ihrer Phänologie her noch nicht nachgewiesen werden. Dagegen konnten im Spätsommer bei Sonnen- schein am späten Nachmittag bzw. am frühen Abend beim Ausbringen oder Einholen der Fallen mehrfach relativ zahlreich im unteren Mastdrittel die beiden Neozooen Asiatischer Marienkäfer, Harmonia axyridis ( P allas , 1771) (Coleoptera: Coccinellidae) und Amerikanische Kiefernwan- ze, Leptoglossus occidentalis ( H eidemann , 1990) (Heteroptera: Coreidae) beobachtet werden. Sie wurden möglicherweise durch die Wärmeab- strahlung des von der Sonne aufgeheizten WEA- Mastes angelockt, vielleicht auch durch die (hel- le) Farbe des Anstrichs der Anlage. Eine thermische Anlockwirkung auf nachtaktive In- sekten war im Untersuchungsjahr mit der KF hin- gegen nicht nachweisbar. Da die beprobteWEA im Untersuchungszeitraum aber nicht nachts betrie- ben wurde, kann mit dieser Studie keine Aussa- ge über den möglichen Einfluss der Wärmefahne des Generators hinsichtlich der Anlockwirkung auf nachtaktive Insekten gemacht werden. Anderer- seits lockt in kühleren Nächten nachts die Wärme aus Fenstern von Wohnungen ebenfalls keine In- sekten an. Die dort manchmal zu beobachtende Anlockwirkung, wenn nachtaktive Insekten, ins- besondere „Motten“ (oft sind das Eulenfalter), um die nächtliche Schreibtischlampe fliegen, basiert eindeutig auf dem emittierten Licht. Da Getriebe- und Getriebelose WEA zwei grund- sätzlich verschiedene Mechaniken im Inneren der Maschinenkanzel aufweisen, kann dies zu unter- schiedlichen thermischen Entwicklungen führen. Ein Vergleich beider Systeme konnte in dieser Studie nicht vorgenommen werden. Die beprobte WEA besitzt ein Getriebe mit aktiver Luftkühlung, die Warmluft wird abgeblasen. Insbesondere konnte keine Aussage über den eventuellen An lockeffekt der Abwärme (mögliche Akkumulati- ons-Effekte im Lee der Anlage durch Wärmefah- ne und Verwirbelung) getroffen werden, da die WEA – entgegen ursprünglicher Annahmen – im Untersuchungsjahr nachts nicht betrieben wurde. Nachfolgende Untersuchungen sollten daher sol- che Einflüsse und Effekte analysieren. 4.3 Gefährdungssituation der nach- gewiesenen Schmetterlingsarten Von den nachgewiesenen Lepidoptera stehen insgesamt 28 Arten auf den Roten Listen Baden- Württembergs (Stand: 2004) bzw. Deutschlands (Stand: 2007-2011), was 8,5 % der nachgewie-
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