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T rusch et al .: Nachtaktive Insekten an Windenergieanlagen 91 senen Arten entspricht. Von der in Baden-Würt temberg als „vom Aussterben bedroht“ geführten Catephia alchymista (Weißes Ordensband) ha- ben sich in den letzten Jahren die Einzelfunde vermehrt. Ähnlich verhält es sich mit den als „stark gefährdet“ eingestuften Arten Catoca- la promissa (Kleines Eichenkarmin), Lithosia quadra (Stahlmotte) und Spatalia argentina (Silberfleck-Zahnspinner), die – möglicherweise aufgrund der Klimaerwärmung – in den letzten Jahren in der Oberrheinebene häufiger anzu- treffen sind. Generell besteht die Notwendigkeit einer Aktualisierung der Roten Liste der Schmet- terlinge Baden-Württembergs. Bei anderen Ar- ten hat sich die Situation deutlich verschlechtert. 4.4 WEA als Ursache für das Insektensterben HabenWEA eine Mitschuld am Insektensterben? Aussagen, die beispielsweise am 15.3.2019 in der Rubrik Landwirtschaft und Umwelt von „Agrarheute“, einer Publikation des Deutschen Landwirtschaftsverlags, gemacht wurden, geben den WEA eine Mitschuld am Insektensterben: Eine Studie der Wissenschaftler des „Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums“ zeige einen Zu- sammenhang zwischen der Abnahme von Flug- insekten und der Zunahme von Windparks. Mit ihr kämen die Autoren zu dem Ergebnis, dass für einen erheblichen Teil der Dezimierung der Po- pulation von Fluginsekten seit 1990 der massive Ausbau von Windparks verantwortlich sei. Poli- tiker haben daraufhin WEA sogar als „Insekten- Killer“ bezeichnet, deren Förderung eingestellt werden müsse (www.agrarheute.com ). Die zitierte Studie des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) zu den Wechselwir- kungen von Fluginsekten und Windparks ( T rieb et al. 2018) betrachtet auf der Basis von Litera- turrecherchen, Annahmen und Hochrechnungen einen potenziellen Zusammenhang zwischen dem Rückgang von fliegenden Insekten und dem Betrieb von Windenergieanlagen. Konkrete Messergebnisse zur tatsächlichen Menge des Insektenschlags an WEA wurden aber nicht er- hoben. Die Studie liefert allein eine theoretische Berechnung und stellt die Hypothese auf, dass ein (errechneter) Verlust von 1.200 t Insekten pro Jahr seit mehr als 15 Jahren relevant für die Stabilität von Insektenpopulationen sein könnte ( T rieb et al. 2018: 2 “loss of 1,200 tons per year since more than fifteen years could be relevant for population stability“). In der Tat erscheint auf den ersten Blick die hoch- gerechnete Zahl von 1.200 t getöteter Insekten hoch. Aber schon das Bundesamt für Naturschutz (BfN) wies 2019 in diesem Zusammenhang mit einem Faktenpapier (Titel: Insektenrückgang – potenzieller Einfluss der Windenergienutzung in Deutschland?) darauf hin, dass diese Men- ge nicht in Beziehung zu gemessenen Indivi- duenzahlen gesetzt wird. Sie steht auch nicht im Verhältnis zum Vermehrungspotenzial vieler Insekten, insbesondere durch Jungfernzeugung (Parthenogenese). Im Übrigen ist auch in Ba- den-Württemberg ein deutlicher Rückgang der Insekten zu beobachten (z. B. H abel et al. 2019), obwohl der Ausbau der Windenergie hier rela- tiv spät erfolgte: Ende 2014 gab es noch nicht einmal 400 WEA, was für ein Flächenland wie Baden-Württemberg wenig ist. Inzwischen sind es etwas über 700 Anlagen ( R atzel in litt.). Viele Nachkommen und hohe Verluste sind Teil des Erfolgsprinzips vieler Insekten. Man bezeich- net jene als sogenannte r-Strategen ( M ac A rthur & W ilson 1967). Massenvermehrung durch Par- thenogenese ist bei Blattläusen, dem Schulbei- spiel für diese Fortpflanzungsstrategie, weit ver- breitet. Sie spielen deswegen auch eine große Rolle als Pflanzenschädlinge. Unter den Hom optera machten Blattläuse (Aphidoidea) auch bei unseren Untersuchungen einen nennenswerten Anteil der mit der KF nachgewiesenen Insekten aus. Während des Sommers nutzen Blattläuse die günstigen Ernährungsbedingungen zur Verkür- zung ihrer Generationsdauer. Damit ist ihnen durch eine hohe Zahl sich parthenogenetisch fortpflanzender Generationen eine exponenti- elle Vermehrung möglich. Zwar ist die Zahl der Nachkommen pro Tier mit nur ca. 80 bedeutend geringer als bei eierlegenden Insekten, die weit über 1.000 Nachkommen erzeugen können. Letztere schaffen aber vergleichsweise wenige Generationen pro Jahr (3 bis maximal 5). Das Vermehrungspotenzial von Blattläusen ist mit einer Generationsdauer von ca. 14 Tagen (oder weniger) und neun Generationen in nur vier Mo- naten enorm. Folgendes Rechenbeispiel zeigt, dass die Verkürzung der Generationsdauer ex- trem wirkungsvoll für eine hohe Produktion von Biomasse ist. Das Vermehrungspotenzial einer einzigen Blatt- laus lässt sich nach S edlag (1978) auf der Basis folgender Werte abschätzen: eine Blattlaus wiegt 0,1 mg (10.000 = 1g, 10.000.000 = 1kg) und sie kann parthenogenetisch 80 Nachkommen zeu- gen (Tab. 4). – Es wird darauf Wert gelegt, dass diese Berechnung allein das theoretisch mögliche
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