carolinea 70 - page 109

carolinea, 70
(2012): 91-101, 4 Farbtaf.; Karlsruhe, 19.12.2012
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Vom Karteikasten zu modernen Informations­
systemen – die Entwicklung der zoologischen
Datenbanken am Staatlichen Museum für
Naturkunde Karlsruhe
F
lorian
R
aub
, T
homas
S
tierhof
& H
ubert
H
öfer
Kurzfassung
Ein wichtiger Teil der Arbeit von Naturkundemuseen
besteht darin, wissenschaftliche Objekt- und Daten-
sammlungen zu erstellen und zu bewahren und die
damit verbundenen Daten und Informationen neben
der eigenen Nutzung öffentlich zugänglich zu machen.
Dabei spielen heute elektronische Datenbanken, netz-
werkbasierte Datenbanksysteme und das Internet eine
immer größere Rolle. Um die vielfältigen, von verschie-
denen Seiten an eine Sammlungsinstitution gestellten
Anforderungen zu erfüllen, werden im Referat Zoologie
des Staatlichen Museums für Naturkunde Karlsruhe
(SMNK) verschiedene Datenbanksysteme verwendet.
Das Land Baden-Württemberg stellt für die Objekt-
Inventarisierung die in einem landesweiten Museums-
informationssystem integrierte Datenbank „imdas pro“
zur Verfügung. Für das flexible Management und die
Auswertung von sammlungsgebundenen und aus Stu-
dien stammenden Daten zu Spinnen wird das modulare
Datenbanksystem „Diversity Workbench“ verwendet,
für Hornmilben das bodenzoologische Informations-
system „Edaphobase“. Spezifische Anforderungen un-
serer Daten bzw. Forschungsfragen wurden in die am
IT-Zentrum der Staatlichen Naturwissenschaftlichen
Sammlungen Bayerns entwickelte „Diversity Work-
bench“ eingebracht. An der Entwicklung von „Edapho-
base“ waren die Zoologen des SMNK von Beginn an im
Rahmen eines BMBF-finanzierten Forschungsprojekts
beteiligt. Mit brasilianischen Partnern aus abgeschlos-
senen ökologischen Forschungsprojekten entwickeln
die Zoologen derzeit eine MySQL
®
basierte Plattform
zur Bereitstellung von Metadaten zu Studien im bra-
silianischen Küstenregenwald. Enorm zunehmende
Datenmengen und die Forderung nach dauerhafter
Datenhaltung und -mobilisierung für die Wieder- und
Neuverwendung von Daten in der Forschung stellen die
Museen und die Kuratoren vor neue informationstech-
nische Herausforderungen, die ein Datenmanagement-
konzept und die Zusammenarbeit mit Informatikern,
Datenkuratoren und Naturwissenschaftlern anderer
Institutionen nötig macht. Eine personell kleine Insti-
tution wie das SMNK kann ohne eigene Informatiker
die nachhaltige Sicherung und Verfügbarmachung der
eigenen Sammlungs- und Forschungsdaten nur durch
Vernetzung und Kooperation mit anderen Museen, z.B.
im Humboldt-Ring gewährleisten.
Abstract
From cardboxes to integrated information systems
– The development of zoological databases at the
State Museum of Natural History Karlsruhe
An important aspect of the daily work of Natural History
Museums is the management of the scientific collec-
tions and the use and mobilisation of the related data.
Today, electronic databases, network based database
systems and the Internet are used for these tasks. In
the Zoology section of the State Museum of Natural
History Karlsruhe (SMNK) several database systems
are actually in use. “imdas pro” is mandatory to in-
ventory the museum objects. The modular database
framework “Diversity Workbench” is used for a flexible
management and preparation of data for analyses of
collection and study data on spider, while the soil zoo-
logical information system “Edaphobase” is used for the
data-management of the oribatid collection. “Diversity
Workbench” was adapted to our specific needs of the
working group, while taxon-specific knowledge was in-
tegrated during the development of “Edaphobase” from
the beginning of the project. Currently museum zoolo-
gists together with Brazilian partners develop a public
MySQL
®
-based platform for metadata from studies in
the southern Atlantic Rainforest of Brazil. The strongly
increasing amount of data and the demand to mobilise
and exchange data requires museums and curators to
work out data management concepts and to cooperate
with scientists, data curators and computer experts of
other institutions.
Autoren:
F
lorian
R
aub
, T
homas
S
tierhof
& H
ubert
H
öfer
, Staatli-
ches Museum für Naturkunde Karlsruhe, Erbprinzenstr.
13, 76133 Karlsruhe, E-Mail:
1 Einleitung
Zu den originären Aufgaben eines (Forschungs-)
Museums gehören neben der Vermittlung von
Wissen über attraktive Dauer- und Sonderaus-
stellungen und museumspädagogische Ange-
bote das Sammeln, Bewahren und Forschen
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