Carolinea 77
206 Carolinea 77 (2019) Osten. Die einzelnen Vorkommen sind im Begriff des jurazeitlichen Solnhofener Archipels vereint. Früher waren viele Wissenschaftler der Auffas- sung, alle Plattenkalke der Fränkischen Alb wä- ren in einer einzigen großen, ständig von Wasser bedeckten Solnhofener Küstenlagune entstan- den. Der Geowissenschaftler K arl W erner B ar thel skizzierte eine Korallenriff-Barriere im Süden und eine Watt-Zone an der Küste der Mit- teldeutschen Zentralinsel im Norden. Erst in den neunziger Jahren stellten das Forschungsteam R öper & R othgaenger in Regensburg mit der Dokumentation der ostbayerischen Plattenkalke von Brunn und das Stuttgarter Forschungsteam D ietl & S chweigert mit der Beschreibung der schwäbischen Plattenkalke von Nusplingen zwei Sachverhalte in den Vordergrund: Erstens sind die meisten Plattenkalke und damit die Fossilien unterschiedlich alt. Zweitens musste es zur Ent- stehungszeit viel mehr Inseln gegeben haben als bis dato angenommen. So entwickelte sich die Vorstellung eines Archipels, dessen Vielfalt Gegenstand des neu zusammengestellten Vor- trags ist. Die Fossillagerstätten des Solnhofener Archipels entstanden in einer Zeitspanne von 2,3 Millionen Jahren. Die ersten Lagunen entwi- ckelten sich im Osten bei Brunn, noch bevor die berühmten Lagunen von Eichstätt und Solnhofen im Westen entstanden. Der Vortrag des Soln hofener Museumsleiters Dr. M artin R öper zeigte die Vielfalt der Fossilfunde in den unterschiedlich alten Fossillagerstätten und Lagunen, die alle unter dem Solnhofener Namen bekannt gewor- den sind. 27. März 2018 Die Kleidervögel Hawaiis – eine ökologische Tragödie Vortrag von Prof. Dr. N orbert L enz (Naturkunde- museum Karlsruhe) Hawaii’s Kleidervögel sind ein Triumph der Evo- lution, aber auch eine ökologische Tragödie! Sie sind ein Paradebeispiel für die sogenann- te „adaptive Radiation“, ein Evolutionsprozess, bei dem aus einer wenig spezialisierten Art, die ein artenarmes Gebiet wie das Hawaii-Archipel erreichte, eine Vielzahl neuer, stärker speziali- sierter Arten entstand. Dies eint sie mit den Dar- win- oder Galápagosfinken, die zwar bekannter, aber weniger farbenfroh sind. Doch während alle 14 Arten der Darwinfinken auch heute noch auf den Galápagos-Inseln beobachtet werden kön- nen, gilt ein großer Teil der ehemals über 30 Klei- dervogelarten heute als ausgestorben oder als vom Aussterben bedroht. Ein trauriges Schicksal für die bekannteste Vogelgruppe Hawaiis, de- ren Federn einst für die Herstellung prachtvoller Mäntel für die Könige und Häuptlinge der Insel- gruppe verwendet wurden, und ein ökologisches Lehrstück über die Zerbrechlichkeit der Natur. 22. April 2018 Vogelparadies Wagbachniederung Exkursion mit K laus L echner (NABU Karlsruhe) Das Naturschutzgebiet (NSG) Wagbachniede- rung liegt zwischen Mannheim und Karlsruhe am rechten Rheinufer bei Waghäusel und hat eine Größe von 224 ha. Die Wagbachniederung war früher eine Rheinschleife, die vor etwa 8.000 Jahren vom Hauptstrom auf natürliche Weise abgetrennt wurde. Sie setzt sich zusammen aus Resten von ursprünglichem Ried und Streuwie- sen, einer aufgelassenen Kiesgrube und zum größten Teil aus Klär- und Schlammteichen ei- ner ehemaligen Zuckerfabrik in Waghäusel. Das NSG ist ein bedeutender Brutplatz für viele be- drohte Vogelarten wie das Blaukehlchen und den Schwarzhalstaucher und ein wichtiger Rastplatz für Limikolen und andere Zugvögel. Der Purpur- reiher brütet seit 1972 im Gebiet und hat dort sei- ne größte dauerhafte Brutkolonie in Deutschland. 8. Mai 2018 Wie unsere Gene unser Aussehen bestimmen Vortrag des Weltexperten Prof. Dr. M anfred K ay ser (Erasmus MC University Medical Center Rot- terdam, Niederlande, Direktor des Department of Genetic Identification) Abbildung 4. Hochenwarths Goldeule Syngrapha ho chenwarthi ( H ochenwarth , 1785) war eines der am Tage zu beobachtenden Highlights auf der Exkur- sion der Insektenkundler in den Vinschgau. – Foto: R. T rusch , Entomologische AG.
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