Carolinea 77

244 Carolinea 77 (2019) Die Abteilung Geowissenschaften hat sich im Jahr 2018 aber auch noch weiteren Projekten gewidmet. So hat das von Dr. U te G ebhardt geleitete Referat für Geologie, Mineralogie und Sedimentologie ein Grobkonzept für eine Dauer­ ausstellung über die miozäne Lebewelt am Höwenegg für die Stadt Immendingen erstellt. Nach langjährigen, mittlerweile eingestellten Grabungen an der weltweit wichtigen Fundstelle miozäner Großsäuger sollen in Immendingen im Unteren Schloss mehrere Räume den Funden vom Höwenegg gewidmet werden. Darüber hin- aus sind die allgemeine Geologie, der Vulkanis- mus am Höwenegg und weitere naturkundliche Besonderheiten der Umgebung als Themen vor- gesehen. Frau G ebhardt setzte außerdem die Arbeiten zur hochauflösenden Stratigraphie im Permokarbon fort. Während eines 4-wöchigen Aufenthalts im Kernlager des Landesamts für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt wurden ca. 120 m Bohrkern der Bohrung Schadewalde feinstrati- graphisch dokumentiert. Diese Bohrung ist seit langem in Bearbeitung, jedoch konnte bisher kein überzeugendes Modell zur stratigraphi- schen Einstufung erstellt werden. Mit der erneu- ten Dokumentation dieser Bohrung zeichnet sich jedoch eine Lösung ab: Es wurden Altersdaten gemessen und Fossilien gefunden, die es wahr- scheinlich machen, dass der unterste Teil dieser Bohrung erheblich älter ist als bisher angenom- men. In der Subkommission Perm-Trias der Deut- schen Stratigraphischen Kommission, deren langjähriger Sekretär Frau Dr. G ebhardt ist, wur- den die Arbeiten an der Stratigraphischen Ta- belle Deutschlands (STD 2016) abgeschlossen. Im Juni erschienen die Erläuterungen zu dieser Tabelle in der „Zeitschrift der Deutschen Gesell- schaft für Geowissenschaften“ (ZDGG). Zwei besonders berühmte Objekte der geowis- senschaftlichen Sammlungen des SMNK wur- den 2018 in großen Sonderausstellungen in anderen Bundesländern präsentiert: Ein Bruch- stück eines Mammut-Stoßzahns, das Mitte des 18. Jahrhunderts mit der Aufschrift „ UNICORNU – FOSSILE “ versehen wurde, weil es als Stirn- zapfen eines Einhorns gedeutet worden war, wurde vom 23.3.-9.9.2018 im LWL-Museum für Archäologie in Herne in der Ausstellung „Irrtü- mer & Fälschungen der Archäologie“ gezeigt, und das Marmor- oder Mineralienschränkchen von K aroline L uise von Baden aus der Zeit um 1770 wurde vom 27.5.-27.10.2018 im Schloss Friedenstein Gotha im Rahmen der Sonderaus- stellung „Gotha vorbildlich! – Modellsammlungen um 1800“ ausgestellt. Neben vielen erfreulichen Nachrichten hatte die Abteilung Geowissenschaften im Jahr 2018 aber auch einen Todesfall zu beklagen: Am 6.8.2018 verstarb der frühere, hochgeschätzte Mineraloge des Hauses, Dr. I stván B aranyi , nach schwerer Krankheit. In dem von Abteilungsleiter Prof. Dr. E berhard „Dino“ F rey geleiteten Referat Paläontologie und Evolutionsforschung wurde parallel zu den Ausstellungsvorhaben die Arbeit an weiteren, oft langfristig angelegten Projekten fortgesetzt. So wurde das Großprojekt „Initialisierung eines wissenschaftlichen Grabungsverbundes in der aufgelassenen Tongrube Unterfeld bei Rauen- berg“ unter Leitung von E. F rey mit der Promo- tion von K ristina E ck (Universität Heidelberg) im Jahr 2018 erfolgreich abgeschlossen. Die Dok- torarbeit von K. E ck liefert die Grundlage für neue und nachhaltige wissenschaftliche Grabungen in der Tongrube Unterfeld bei Rauenberg, die im Frühsommer 2019 beginnen sollen. Die langjährigen Grabungen am Höwenegg (Miozän, Obere Süßwassermolasse, s.o.) ha- ben eine große Anzahl von Schildkröten zu Tage gefördert. Nach einem erfolgreichen Erasmus- Projekt von I rena P appa (Universität Patras, Grie- chenland) wurde unter Leitung von Dr. G iorgos I liopoulos (Universität Patras) und E. F rey ein Promotionsprojekt für I. P appa über die miozänen Schildkröten der Oberen Süßwassermolasse Süddeutschlands ins Leben gerufen. Betreuer sind E. F rey und G. I liopoulos . Die Projektarbeit wird an der Universität Patras und am SMNK durchgeführt. Dafür wurden große Teile des Schildkrötenmaterials aus den Höwenegg-Gra- bungen an die Universität Patras entliehen, ver- treten durch G. I liopoulos , während die fragilsten Stücke in Karlsruhe verblieben. Finanziert wird das Projekt unter anderem aus EU-Mitteln über die Universität Patras. Die Erforschung der Biochemie der sogenannten „Höllenglocken“ („Hells Bells“) in den Unterwas- serhöhlen nahe Tulum auf der Halbinsel Yucatán (Quintana Roo, Mexiko) ergab, dass es sich bei den glockenförmigen Kalkgebilden um eine bis-

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