Carolinea 77
S taatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe 245 lang unbekannte Lebensgemeinschaft aus Bak- terien handelt, die offenbar nur in der Mischzone zwischen Süß- und Salzwasser leben können. Das Gemisch aus verschiedenen Nitratbakterien lebt bei völliger Dunkelheit in sauerstoffarmem Wasser und hat das Potential, den pH-Wert des Wassers zu senken und den dort gelösten Kalk gezielt am Rand der Höllenglocken zu fällen. Das Projekt fand im Januar 2018 in einer viel beachteten Publikation unter der Autorenschaft von Prof. Dr. W olfgang S tinnesbeck (Universität Heidelberg), E. F rey u.a. seinen Abschluss. Die Unterwasserhöhlen bei Tulum lieferten aber auch neue Hinweise darauf, dass die Halbinsel Yuca- tán während des Pleistozäns geografisch isoliert gewesen sein muss. Nach der Beschreibung eines endemischen Nabelschweins wurde von S arah S tinnesbeck , W. S tinnesbeck , E. F rey und weiteren Autoren eine endemische Jaguar-Art beschrieben: Panthera balamoides . Die Arbeit erschien im Dezember 2018. Auch die Dinosaurierforschung imNordosten Me- xikos erbrachte neue Daten. So wurden erstmals Vertreter der Parksosauridae nachgewiesen, kleine Vogelbeckensaurier (Ornithischia), und eine neue Ankylosaurierart wurde beschrieben. Es zeichnet sich ab, dass sich während der spä- ten Kreidezeit im Nordosten Mexikos eine eigen- ständige Dinosaurierfauna entwickelt hatte, die durch eine bislang unbekannte Barriere von wei- ter nördlich gelegenen Gebieten getrennt war. Im Norden des mexikanischen Bundesstaates Coa- huila wurde eine neue Hadrosaurier-Fundstelle entdeckt, die Knochen in herausragender Quali- tät liefert. Die Knochen sind so gut erhalten, dass sie im Rahmen einer Dissertation bearbeitet wer- den sollen, die von E. F rey und W. S tinnesbeck betreut wird. Die Genehmigung dazu liegt bereits vor, ein Antrag bei der Deutschen Forschungsge- meinschaft (DFG) ist in Vorbereitung. Außerdem wurde 2018 ein weiteres Forschungs- vorhaben in Lateinamerika vorbereitet. Es handelt sich um die Bearbeitung fossiler Men- schenskelette aus den bolivianischen Städten Cochabamba, La Paz und Tarija. Die Skelette sollen zwischen 5.000 und 8.000 Jahre alt und im Kontext mit Megafauna gefunden worden sein. Zudem sollen die Skelette für den modernen Menschen sehr archaische Merkmale aufwei- sen, weshalb das Alter der Knochen zweifelhaft ist. Ein von W. S tinnesbeck bei der DFG gestellter Antrag wurde bewilligt. Zu den Kooperationspart- nern gehören E. F rey (SMNK) und die Archäolo- gin Dr. O lga G abelmann (Universität Bonn). 1.4 Abteilung Biowissenschaften Für das Referat Botanik stand 2018 bereits im Zeichen der geplanten Auslagerung der Krypto- gamen-Herbarien, die wegen der im Ostflügel für 2019 vorgesehenen Dachsanierung notwendig wird und umfangreiche, zeitaufwendige Planun- gen und Vorbereitungen erfordert. Nachdem die bisherige Referatsleiterin und Kuratorin Dr. S i mone L ang das SMNK zum 30.6.2018 für eine Forschungsstelle im norwegischen Svalbard (Spitzbergen) verlassen hatte, wurde das Re- ferat vom Leiter der Abteilung Biowissenschaf- ten, Dr. H ubert H öfer , kommissarisch geleitet. Ein Großteil der kuratorischen Aufgaben wurde erfreulicherweise von M atthias A hrens und den technischen Mitarbeiterinnen A ndrea M ayer und S usanne D annenmaier sowie der Volontärin R amo na B uchheit erledigt, unterstützt von den beiden Bundesfreiwilligendienstleistenden C onstantin F leissner und L illy S chmidt . Nicht zuletzt leiste- ten auch die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder sehr wertvolle Arbeit. Frau L ang hat ihre Arbeiten an einer verbesser- ten Methode zur Bestimmung der spezifischen Blattoberfläche („ specific leaf area “, SLA) von Laub- und Lebermoosen noch abgeschlossen. Als Vergleich wurde die SLA von einigen im Schwarzwald gesammelten Gefäßpflanzenarten gemessen, wodurch sich die für verschiedene Moosarten ermittelten Werte besser interpretie- ren lassen. Unter Leitung von Frau L ang wurden für die Prä- paration der Herbarbelege detaillierte Anweisun- gen erstellt, außerdem wurden Vorschriften für die zukünftigen Arbeitsabläufe zur Schädlingsbe- kämpfung im Herbar erarbeitet und Betriebsan- weisungen für verschiedene technische Geräte und für den Umgang mit Chemikalien verfasst. Diese Unterlagen sind für die Einarbeitung neu- er Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unerlässlich und werden auch dem künftigen Referatsleiter und Kurator für Gefäßpflanzen, Dr. J osef S immel (Stellenantritt: 1.2.2019), die Arbeit erleichtern. M atthias A hrens entdeckte bei der Bearbeitung einer externen Anfrage zur großen Freude zahl- reiche Belege der aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammenden Sammlung „Vinzent‘s
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